Der selbst ernannte „Prophet“ einer Religionsgemeinschaft sitzt zum Prozessauftakt in einem Saal des Landgerichtes Kleve. Quelle: Caroline Seidel/dpa

Prozess in Kleve: Sektenführer weist Missbrauchsvorwürfe zurück

Kleve. Beim Missbrauchsprozess gegen den selbst ernannten „Propheten“ einer niederländischen Religionsgemeinschaft hat der Sektenführer über seine Anwältin die Missbrauchsvorwürfe strikt zurückgewiesen. Die Anklage beruhe auf einer einzigen Zeugin, deren gleichlautende Vorwürfe sich vor Jahren bereits als frei erfunden gezeigt hätten, sagte die Anwältin Pantea Farahzadi. Auf diese Zeugin könne kein Vorwurf gegen ihren Mandanten gestützt werden. Auf Antrag der Verteidigung wurde noch vor der Verlesung der Anklage die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Der Angeklagte hatte sich zuvor nur zu seinen Personalien geäußert. Beim Betreten des Gerichtssaals verbarg er sein Gesicht hinter einer mit einem Sehschlitz vorbereiteten Aktenmappe. Als die Fotografen den Saal verlassen hatten, winkte er Menschen im Zuschauerraum zu und zeigte einen nach oben gestreckten Daumen. Mehrere Zuschauer winkten zurück.

Angeklagte soll minderjähriges Mädchen jahrelang missbraucht haben

Dem Mann wird vorgeworfen, ein anfangs minderjähriges Mädchen aus der Glaubensgemeinschaft jahrelang sexuell missbraucht zu haben – insgesamt 132-mal, wie es in der Anklage heißt. Dem Niederländer wird in dem Prozess am Landgericht Kleve außerdem Freiheitsberaubung in Bezug auf die junge Frau vorgeworfen, weil er sie zeitweise eingesperrt haben soll.

Der Fall war im Oktober vergangenen Jahres bekannt geworden, weil es Hinweise von außen gab, dass die damals 25-Jährige gegen ihren Willen festgehalten worden sei. Die Polizei hatte eine Razzia in einem ehemaligen Kloster durchgeführt und war dabei auf 54 Menschen gestoßen, die offensichtlich der Glaubensgemeinschaft angehörten – darunter zehn Kinder. Der Angeklagte wurde festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Im Prozess, für den nach der Eröffnung zunächst zehn weitere Verhandlungstage geplant sind, soll an einem späteren Verhandlungstag auch die mutmaßlich Geschädigte als Zeugin aussagen – wahrscheinlich am 30. Juni.

RND/dpa