In Kollmar suchen Rettungskräfte nach einem verschwundenen Kind: Allein in der Elbe werden drei Menschen nach Badeunfällen vermisst. Quelle: Jonas Walzberg/dpa

Hitzewelle: Vier Tote, zwei wiederbelebte und fünf vermisste Kinder bei Badeunfällen

Am heißen Samstag ist es deutschlandweit erneut zu einigen Badeunfällen an Seen, Flüssen und in Schwimmbädern gekommen. Es gibt vier Tote und insgesamt sechs Vermisste, die bei Badeunfällen untergegangen waren und noch nicht gefunden werden konnten. Damit sind seit Mittwochabend vier Minderjährige in Flüssen und Seen verschwunden, die Überlebenschance ist in allen Fällen gering, so die Ermittler.

Ein 13-jähriges Mädchen, das seit Freitagnachmittag nach einem Bad im Einfelder See bei Neumünster vermisst wurde, wurde am Sonntag tot aufgefunden. Wie die „Kieler Nachrichten“ berichten, wurde die Leiche des Kindes ungefähr an der Stelle gefunden, an der am Samstags bereits zwei Spezialhunde der Polizei angeschlagen hatten. Am Samstag hatten Taucher in dem trüben Wasser noch erfolglos nach dem Mädchen gesucht.

Badesee in Cloppenburg: Mann wird mit Drohne gesucht

Trotz umfassender Suchmaßnahmen an einem Badesee in Cloppenburg (Niedersachsen) mit Hunden, Tauchern und einer Drohne ist ein 30-jähriger Mann verschwunden geblieben. Der Vermisste war zuletzt am Donnerstag am Ufer des Halener Badesees im Landkreis Cloppenburg gesehen worden, wie die Polizei mitteilte. Eine großangelegte Suchaktion war demnach aber erst am Samstag gestartet worden. Rund 70 Einsatzkräfte, darunter mehrere Taucher, waren daran beteiligt. „Aufgrund der vorliegenden Gesamtumstände muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt von einem tragischen Unglücksfall ausgegangen werden“, schrieb die Polizei. Auch am Sonntag gab es keine neuen Erkenntnisse.

Bereits am Freitag habe die Vorgesetzte des Vermissten zusammen mit Kollegen vergeblich nach dem Erntehelfer gesucht, so die Polizei. Auch Anfragen bei nahen Krankenhäusern hätten keine Hinweise ergeben. Am Samstagvormittag sei der Mann dann als vermisst gemeldet worden.

Vogelstangsee Mannheim: Zwei Badeunglücke mit Kindern binnen zwei Tage

In Mannheim ist ein acht Jahre altes Kind ums Leben gekommen. Die Mutter der Achtjährigen meldete das Kind als vermisst, nachdem sie es bei einem Ausflug am Vogelstangsee länger nicht gesehen hatte. Gegen 22.30 Uhr fanden Taucher das leblose Mädchen. Rettungskräfte versuchten, das Kind zu reanimieren, doch im Krankenhaus wurde der Tod des Kindes festgestellt.

Es ist der zweite Unfall am Vogelstangsee in Mannheim, in dem ein Kind involviert ist, binnen zwei Tagen. Am Donnerstagnachmittag war ein lebloses Kind mit dem Gesicht im Wasser treibend gesehen worden. Ein Mann und zwei Frauen leisteten erste Hilfe, zogen die Sechsjährige an Land und begannen mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Das Kind, das zum Zeitpunkt der Rettung nicht geatmet und keinen Puls hatte, war wenig später wieder ansprechbar.

Erwachsener will ertrinkendes Kind retten - und treibt selbst ab

Erneut gibt es zudem ein vermisstes Kind in der Elbe. Besonders tragisch: Auch einer von drei Erwachsenen, die ins Wasser gingen, um das Kind zu retten, wird seit seinem heldenhaften Einsatz vermisst. In Kollmar im Kreis Steinburg war das kleine Mädchen bei einem Spaziergang am Badestrand mit seiner Mutter am Samstagabend in dem Fluss baden gegangen. Offenbar konnte das Kind, das laut Polizei sieben, laut Feuerwehr neun Jahre alt ist, dem herrschenden Sog nicht standhalten und sei abgetrieben worden, teilte die Polizei in der Nacht mit.

Drei Erwachsene seien dem Kind gefolgt, sagte die Feuerwehr am Samstagabend. Nach aktuellem Stand sei der Verbleib von einem der drei unbekannt. Drohnen, Suchhunde, Hubschrauber, Boote, Taucher und die Wasserschutzpolizei konnten die Vermissten trotz intensiver Suche bislang nicht finden.

Drei vermisste Personen in der Elbe, zwei davon minderjährig

Damit werden in der Elbe derzeit drei Menschen vermisst, darunter zwei Minderjährige. Am Freitagabend war ein 15-Jähriger in Hamburg von der Strömung mitgerissen worden, als er baden wollte. Zwei Männer im Alter von 17 und 22 Jahren wollten dem Teenager zu Hilfe kommen, dabei musste der 22-Jährige selbst entkräftet aus dem Wasser gezogen werden. Die Suche nach dem Jugendlichen wurde am Samstag eingestellt.

In Regensburg wird ein 25-Jähriger vermisst, der in der Donau schwimmen ging und abtrieb, wie die Polizei mitteilte. Der 26 Jahre alte Begleiter des Mannes habe ihn am Samstag untergehen sehen. Er habe versucht, seinem Freund vom Ufer aus zu folgen, habe seine Spur aber verloren.

Nach Badeunfall im Rhein: Von vermissten Mädchen aus Duisburg fehlt jede Spur

Von zwei 13 und 14 Jahre alten Mädchen, die seit Mittwoch im Rhein bei Duisburg vermisst werden, fehlt weiterhin jede Spur. Die Jugendlichen hatten mit einer 17 Jahre alten Freundin im Rhein gebadet und waren plötzlich unter Wasser gezogen und abgetrieben worden. Die 17-Jährige wurde kurz darauf geborgen und starb. Die groß angelegte Suche nach den verschwundenen Kindern wurde bereits am Donnerstag eingestellt, die Wasserschutzpolizei patrouilliert aber weiter und sucht die Ufer ab, wie ein Sprecher am Samstag sagte. Die Chance, die Mädchen lebend zu finden, ist minimal.

Die Ermittler fanden dabei auch etliche Familien, die auf der Suche nach Erfrischung ihre Kinder ins Wasser gelassen hätten, sagte der Mann. Es sei erschreckend, wie wenig Wirkung das Schicksal der drei Mädchen offenbar auf die Menschen habe. Viele setzen sich trotz ständiger Warnungen tödlichen Gefahren aus. Dass es sogar in geringer Wassertiefe und nahe den Uferbereichen oft zu einer starken Sogwirkung komme, ignorierten viele. Innenminister Herbert Reul (CDU) hatte sich bestürzt über den Fall gezeigt. Er sei in Gedanken bei den Eltern und Angehörigen, hieß es. Einmal mehr sei den Menschen in NRW jetzt auf traurigste Art und Weise vor Augen geführt worden, wie gefährlich der Rheinstrom sei, sagte der Minister.

Auch die Behörden am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden sind daher alarmiert, falls die Körper dorthin abgetrieben wurden und angeschwemmt werden. Es sei aber auch möglich, dass sie noch nahe der Unglücksstelle beim Alsumer Steig auftauchten.

Zwei Kinder nach Badeunglücken erfolgreich wiederbelebt

Zudem wurden am Samstagnachmittag und Samstagabend zwei Kinder nach Badeunglücken erfolgreich wiederbelebt. Im Naturbad Olfen verlor eine Mutter ihre dreijährige Tochter aus den Augen, das Mädchen trieb ins tiefe Wasser. Als Badegäste das Kind aus dem Wasser zogen, atmete es nicht mehr. Der Bademeister leistete Erste Hilfe und konnte das Kind wiederbeleben.

In einem Schwimmbad in Halver im Märkischen Kreis wurde am Samstagabend ein elfjähriger Junge reanimiert. Zwei Dreizehnjährige zogen ihn aus dem Schwimmerbereich, teilte die Polizei mit. Dem Kind gehe es den Umständen entsprechend gut.

Zwei junge Männer sterben in Dresdner Kiesgrube und in See in Müssen

In einer Dresdner Kiesgrube ist nach einem Badeunfall am Samstag ein vermisster junger Mann tot aufgefunden worden. Wie ein Sprecher der Feuerwehr mitteilte, hatten Zeugen gesehen, wie der Mann in die Kiesgrube Zschieren-Nord hineinging, aber nicht wieder hinauskam. Taucher konnten den Mann zunächst nicht bergen, der Schwimmer wurde später aber in Ufernähe leblos aufgefunden.

Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, starb bereits am Samstagabend ein 19-Jähriger nach einem Unglück in einem See in Müssen im Landkreis Herzogtum Lauenburg. Der Mann war auf einem Familienausflug unterwegs, als er gegen 20.30 Uhr unterging und wurde zwei Stunden später tot geborgen. Wie die „Lübecker Nachrichten“ berichten, fanden Taucher die Leiche in einer Tiefe von rund dreieinhalb Metern. Die Gruppe, zu der rund 20 Personen gehörte, wurde seelsorgerisch betreut.

Deutschlandweit 18 Badetote binnen einer Woche

In der vergangenen Woche kam es deutschlandweit bereits zu 18 weiteren tödlichen Badeunfällen. Im Achterdieksee in Bremen verloren binnen einer Woche zwei Menschen ihr Leben: Ein 15-Jähriger ging am Montagabend unter, ein etwa 20 Jahre alter Mann starb am Samstag. Im Ortenaukreis ertranken binnen weniger Tage ein 26-Jähriger und ein 59-Jähriger, in Bayern starben drei Menschen beim Baden in Seen und Flüssen, in Mecklenburg-Vorpommern ertranken an einem Tag zwei Menschen in der Ostsee und einer beim Baden im Schweriner See.

In Heilbronn kam ein 22-Jähriger beim Schwimmen auf dem ehemaligen Gelände der Bundesgartenschau ums Leben, in Troisdorf ertrank ein 38-Jähriger in einem Baggersee. Auch hier war es der zweite tödliche Badeunfall binnen einer Woche: Am vergangenen Wochenende kenterte die Badeinsel eines 26-jährigen Nichtschwimmers. Im Bodensee starb eine 55-Jährige, im Badesee Mainflingen ein 59-Jähriger und im Rhein bei Rheinberg-Orsoy ein 29-Jähriger. Am vergangenen Samstag wurde bereits die Leiche eines zehnjährigen Mädchens in der Ostsee gefunden, eine 17-Jährige starb am Mittwoch beim Baden im Rhein in Duisburg.

Wasserwacht bittet, Baderegeln einzuhalten

„Es wird dringend darum gebeten, nur in freigegebenen Gewässern zu baden“, sagte der Vorsitzende der bayerischen Wasserwacht, Thomas Huber, am Freitag. Wer auf eigene Verantwortung in Flüsse gehen möchte, solle auf Sicherheitssysteme wie Schwimmwesten zurückgreifen. Selbstüberschätzung bringe nicht nur einen selbst, sondern auch andere in Gefahr.

„Viele Unfälle könnten vermieden werden, wenn sich alle an die Baderegeln halten würden.“ Ertrinkende Menschen seien erschöpft und schrien meist nicht um Hilfe, sondern würden lautlos sinken. „Ein wachsames Auge kann hier Leben retten“, sagte er.

DLRG: Eigene Rettungsversuche nur in ruhigen Gewässern wagen

Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) weist darauf hin, sofort den Notruf 112 zu verständigen, wenn Menschen in einer Notlage beobachtet werden. Selbst einen Rettungsversuch zu unternehmen sei eine heikle Angelegenheit. Experte Achim Wiese empfiehlt das nur, wenn derjenige fachliches Wissen besitzt, also sowohl das Gewässer als auch das Gewicht der Person in Not einschätzen kann und mit Rettungsvorgängen vertraut ist.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Ertrinkende sich an den Retter klammert und beide in Not geraten, weil dieser sich nicht aus dem Klammergriff befreien kann. Lieber sollten sich Ersthelfer nach einem Rettungsring oder großen Stück Holz umsehen, an dem sich der Ertrinkende festhalten kann.

Hilfe bei Badeunfällen

Anders ist das bei kleinen Kindern. „Hier können auch ungeübte Retter einen Einsatz riskieren“, so Wiese. Vorausgesetzt, es handelt sich um ein ruhiges Gewässer, also zum Beispiel einen Badesee oder ein Schwimmbecken. Das Gewässer ist überhaupt ein wichtiges Kriterium – neben dem Wissen um fachgerechte Rettung. „Ich würde niemandem, auch nicht dem geübtesten Retter, empfehlen, spontan in den Rhein zu springen“, mahnt Wiese.

Bei Gewässern mit starker Strömung sei es aber ratsam, am Ufer mitzulaufen, sodass die herbeigerufenen Einsatzkräfte sofort wissen, wo sich der Ertrinkende aufhält. Auch wenn ein Beobachter sich dazu entscheidet, selbst einzugreifen, sollte vorab unbedingt der Notruf abgesetzt werden. Denn in jedem Fall ist anschließend ein Notarzt erforderlich.

RND/msk/dpa