Dienstag , 21. September 2021
Jodie Foster während der Filmfestspiele in Cannes. Quelle: Getty Images

Jodie Foster: Schauspielkunst ist „ein unfassbar einsamer Job“

Hamburg. Die Schauspielerin und Regisseurin Jodie Foster (58), die schon als Dreijährige in einem Werbespot auftrat und mit zwölf Jahren eine Prostituierte in Martin Scorseses Kultfilm „Taxi Driver“ spielte, erlebte während ihrer Kindheit und Jugend schon einen psychischen Druck. „Meine Mutter war alleinerziehend. Nachdem meine älteren Brüder aus dem Haus waren, lebten sie und ich fast wie ein Ehepaar zusammen“, erklärt Foster im Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. „Ich erinnere mich daran, dass ich einen enormen Druck verspürt habe, es ging auch um meine finanzielle und emotionale Unterstützung der Familie.“

Von ihrer Mutter sei auch eine prägende Kraft ausgegangen, die Jodie Foster zu Selbstbewusstsein erzogen habe. „Sie lebte auch indirekt durch mich“, so Foster über ihre Mutter. „Denn sie wollte, dass ich starke Frauen spiele, Filme mache, die eine Spur hinterlassen. Sie wollte, dass ich eine lange Laufbahn habe, nicht einfach nur eine Karriere, die schnell verpufft. Ihr war sehr bewusst, dass ich die sich selbst ermächtigenden Frauen spielen sollte, die zu sein sie nicht imstande war.“

„Ich weiß, dass ich eine Celebrity bin“

Ihre entscheidende Erfahrung, so Jodie Foster, sei ihre Zusammenarbeit mit Martin Scorsese für „Taxi Driver“ gewesen: „Vorher hielt ich Schauspielerei einfach nur für dumm: Man gab mir Sachen, die ich lesen und aufsagen sollte. Keine große Herausforderung. Aber mit zwölf wurde mir durch meine Rolle in ‚Taxi Driver‘ klar, dass es beim Spielen nicht nur darum geht, möglichst natürlich aufzutreten. Es war überwältigend zu begreifen, dass man eine Figur erschaffen kann.“ Danach sei ihr klar geworden, „dass es das ist, was ich im Leben machen wollte“.

Jodie Foster, die sich als lesbisch geoutet hat, legt Wert auf eine Trennung von Privatleben und Beruf. „Ich weiß, dass ich eine Celebrity bin. Aber ich habe mich nie wohlgefühlt in dem, was man celebrity culture nennt. Es war nicht nur schwer für mich, das zu ertragen, ich musste dagegen ankämpfen, um am Leben zu bleiben.“ Für Foster sei es darum gegangen, ihr wirkliches Leben zu beschützen, „denn dieses Business sieht kein wirkliches Leben für eine Schauspielerin vor“.

Über die Schauspielkunst sagt Foster gegenüber der „Zeit“: „Als Künstler oder Künstlerin versucht man immer zu kommunizieren: ‚Seht, das ist es, was ich bin. Lasst mich ausdrücken, wer ich bin, wer diese Figur ist, die ich spiele.‘ Gleichzeitig ist es ein unfassbar einsamer Job, bei dem man vor 75 Leuten in einem Pool voller Kunstblut liegt und diese Erfahrung mit niemandem teilen kann. Es hat eine schöne Dialektik zu sagen: ‚Ihr könnt es haben. Aber es gehört mir allein.‘“

RND/am