„Plankontor"-Geschäftsführer Jörg Lewin erinnert sich an Mohammed Atta (links). Quelle: Marcus J. Pfeiffer/ lpol/dpa

Ehemaliger Chef über Terrorpilot Mohammed Atta: „Kaum einer hat so gut gezeichnet“

Der Terrorist Mohammed Atta steuerte am 11. September 2001 eine gekaperte Boeing 767 in den Nordturm des World Trade Centers. Während seiner vielfach dokumentierten Zeit in Deutschland – Atta studierte von 1992 bis 1999 in Hamburg und soll sich dort radikalisiert haben – war er als Student auch für ein Hamburger Stadtplanungsbüro tätig.

Von 1992 bis 1997 zeichnete Atta an drei Tagen in der Woche Stadtpläne, vorwiegend im Hamburger Büro der Firma „Plankontor Stadt und Land“, aber auch am Standort in Neuruppin in Brandenburg. Unter anderem erstellte Atta auch den Plan der Neuruppiner Altstadt. „Mindestens einmal war er auch selbst in Neuruppin“, sagt „Plankontor“-Geschäftsführer Jörg Lewin der „Märkischen Allgemeinen Zeitung“ (MAZ). „Mohammed Atta war genauso, wie es sich ein Arbeitgeber wünscht“, so Lewin. „Er sprach fließend Deutsch, erledigte alle Aufgaben, die ihm aufgetragen wurden.“ Kaum ein Mitarbeiter konnte „so gut zeichnen wie unser Mohamed“.

Der „Plankontor“-Geschäftsführer beschreibt Atta gegenüber der MAZ als streng gläubig, mehrmals am Tag habe er sich kurzzeitig zum Beten zurückgezogen. Von Frauen habe sich Atta „ungern etwas sagen lassen“, erinnert sich Lewin. Letzteres hätten die Mitarbeiter von „Plankontor“ jedoch erst in der Aufarbeitung festgestellt. Auch bei Feiern und Betriebsausflügen sei Atta nie dabei gewesen.

Plötzlich war das Gesicht von Mohammed Atta im Fernsehen

Als Computer das traditionelle Zeichnen mit Bleistift und Papier ablösten, sei die Stelle von Mohammed Atta überflüssig geworden. „Seitdem hatten wir nichts mehr von Mohammed gehört, bis zum September 2001“, so Lewin. Zwei Tage nach den Anschlägen habe er abends von seiner Frau einen Anruf erhalten, erinnert sich Lewin im Gespräch mit der MAZ. Im Fernsehen wurden die Gesichter der Attentäter gezeigt, eines davon war das von Mohammed Atta. „Damals kamen alle, die ‚New York Times‘ und sogar das japanische Fernsehen, aber auch das Bundeskriminalamt“, so Lewin.

Der 73-Jährige geht offen mit diesem Kapitel von „Plankontor“ um, hat auch in der Vergangenheit bereits darüber gesprochen. „Ich habe mir anfangs oft die Frage gestellt, ob ich hätte etwas anders machen können. Doch mich trifft keine Schuld“, sagt er.

RND/seb

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