Sängerin Maria Mendiola. Quelle: imago/Future Image

María Mendiola gestorben: Baccara-Sängerinnen sprachen kein Wort mehr miteinander

Madrid. Feindschaft ist scheinbar das richtige Wort. Vor einigen Jahren traten beide in Moskau auf, beide unter dem Namen Baccara, auf zwei verschiedenen Bühnen in zwei verschiedenen Lokalen. Vorher oder nachher liefen sie sich zufällig in der Stadt über den Weg. Sie richteten kein Wort aneinander. „Sie wollte sich mir nähern, aber ich tat so, als wenn ich sie nicht sähe“, erzählten hinterher die Eine und die Andere. „40 Jahre Erfolg, 35 Jahre Feindschaft“, betitelte die Netzzeitung „El Español“ vor vier Jahren ihre Geschichte über das spanische Popduo Baccara. Auch seitdem hat es keine Versöhnung gegeben. Der Erfolg ist ein gefräßiges Ungeheuer.

María Mendiola und Mayte Mateos wollten sein wie die Kessler-Zwillinge. Sie waren hochgewachsen, sangen Englisch mit spanischem Akzent und waren ausgebildete Tänzerinnen, was man kaum glauben mag, wenn man sich ihre alten Videos anschaut. Vor allem aber nahmen sie sich den Erfolg vor, das war vielleicht das Wichtigste.

Mendiola aus Madrid und Mateos aus Logroño in der Weinbauregion La Rioja arbeiteten beim spanischen Fernsehballett, als sie beschlossen, gemeinsam unter dem Namen Venus aufzutreten, singend und tanzend, wenn man so will. Sie sangen die Hits der Zeit nach, von Abba und von Boney M, und als sie im Hotel Tres Islas auf Fuerteventura (das gibt es heute noch) für zwei Wochen unter Vertrag genommen wurden, bat sie der Hoteldirektor, auch irgendwas Flamencoartiges ins Programm zu nehmen, das hätten die deutschen Touristen so gern.

Auf Fuerteventura entdeckt - zumindest ist das die Legende

An einem Abend saß im Publikum der Musikproduzent, der ihr Leben verändern sollte, es klingt wie ausgedacht, aber hin und wieder geschehen diese Geschichten doch. Der Mann hieß Leon Deane, ein Engländer, der für die deutsche Abteilung des Labels RCA arbeitete, so geht die Legende. Wenn man seinen Namen im Netz sucht, taucht er immer nur als Entdecker von Baccara auf Fuerteventura auf, als hätte er sonst nichts getan. Vielleicht gibt es keinen Leon Deane, aber Mendiola und Mateos flogen nach Hamburg, um dort in einem Studio eine Platte aufzunehmen. „María sagte zu mir: Wie machen wir das bloß? Ich kann nicht singen und du kannst kein Englisch“, erzählte Mateos später. Eine dieser bösartigen Anekdoten.

Wenig später waren die beiden Weltstars. „Yes Sir, I can Boogie“, geschrieben und produziert von den beiden Deutschen Rolf Soja und Frank Dostal, kam im April 1977 heraus und wurde in 18 Ländern zum Nummer-1-Hit. Nur die USA entzogen sich dem Charme des deutschen Discosounds mit spanischem Akzent. In Spanien selbst brauchte es ein halbes Jahr, bis die Radios den Song entdeckten. Franco war erst seit zwei Jahren tot, und man hörte noch nicht so viel englischsprachige Musik. Die Single verkaufte sich so gut wie kaum eine andere in der Popgeschichte, zwischen 15 und 18 Millionen Mal, womit sie in den Top 10 der weltweit meistverkauften Singles liegt.

Die Spanierinnen blieben fünf Jahre zusammen, traten 1979 für Luxemburg beim Eurovision Song Contest auf, wo sie mit „Parlez-vous Français?“ Siebte wurden, und nahmen sogar, gemeinsam mit Kindern, ein deutsches Lied auf, „Eins plus eins ist eins“. Aber dann zerstritten sie sich, weil Mendiola fand, dass Mateos zu sehr im Vordergrund stehe. Was blieb, waren die lebenslange Feindschaft und der Stolz, einen der größten Hits der Welt gesungen zu haben.

An diesem Samstag ist María Mendiola im Alter von 69 Jahren gestorben. Von Mayte Mateos gibt es keinen Kommentar dazu.

Von Martin Dahms/RND

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