Auf der indonesischen Insel Lombok wurde nun eine erdbebensichere Schule aus Plastik errichtet. 2018 wurde die Insel von einem schweren Erdbeben getroffen. Quelle: Ashahri Embi

Drei Jahre nach tödlichem Beben: Eine erdbebensichere Schule aus Plastik für Lombok

Als 2018 ein Beben der Stärke 6,9 das idyllische Lombok erschütterte, war die Zerstörung verheerend. Weit über 500 Tote, rund 90.000 eingestürzte Gebäude, darunter unzählige Schulen. Nicola und Duncan Ward von der Hilfsorganisation Classroom of Hope waren mit die Ersten, die als Helfer aus Bali anreisten, um den Überlebenden zu helfen. Gemeinsam mit der Hilfsorganisation Pelita bauten sie 23 Pop-up-Schulen, damit 4000 Kinder wieder zur Schule gehen konnten.

Doch die Lösung war nicht permanent. „Ich fing an, nach neuen Technologien zu recherchieren, und stieß dabei auf zwei interessante Konzepte, eines in Kolumbien und eines in Finnland“, berichtete Duncan Ward dem RND in einem Videotelefonat. Letztendlich entschloss sich Ward, mit dem finnischen Start-up Block Solutions zusammenzuarbeiten, das Ziegelsteine aus recyceltem Plastik produziert.

Idee nach Erdbeben auf Haiti entwickelt

„Die Ziegel werden aus 50 Prozent Kunststoff und 50 Prozent Fasern produziert“, erklärte Markus Silfverberg vom Start-up Block Solutions, der sich aus Finnland in das Telefonat eingewählt hat. Für den Kunststoff wird altes Plastik recycelt, für die Fasern kann beispielsweise ausgediente Kleidung verwendet werden. „Es ist eine klassische Kreislaufwirtschaft, bei der Materialien und Produkte so lange wie möglich recycelt werden und der Lebenszyklus so verlängert wird“, erklärte der Finne.

Die Idee entwickelte Silfverberg einst nach einem großen Erdbeben auf Haiti. Vier Jahre tüftelte der Bauingenieur an dem Konzept. „Ich baute schon als Kind gerne mit Lego und ich liebe die Einfachheit von Ikea“, sagte er. Dies sei der Ursprung der Technologie gewesen. Am Anfang startete er mit dem 3-D-Drucker, heute produziert eine kleine Fabrik in Finnland Ziegel für rund 3000 Gebäude pro Jahr.

Gebäude sind erdbebensicher und trotzdem stabil

Die meisten Ziegel wiegen weniger als ein halbes Kilo, der größte ist 60 Zentimeter lang und drei Kilo schwer. Damit der Bau auch bei einem Sturm stabil genug ist, werden Stahlverstrebungen eingezogen. „Doch das fertige Gebäude hat eine gewisse Elastizität und ist vor allem leicht“, sagte Silfverberg. „Sollte es bei einem sehr schweren Erdbeben doch einstürzen, dann würde man wahrscheinlich mit einer leichten Verletzung davonkommen.“

„Das Produkt überzeugte mich aber auch aufgrund seiner Langlebigkeit, Stärke und in Bezug auf Nachhaltigkeit“, sagte Duncan Ward. Ward schiffte die ersten Ziegel nach Indonesien und die erste Schule wurde nun Mitte Juni in der Ortschaft Taman Sari, zehn Kilometer nördlich der Provinzhauptstadt Mataram auf Lombok gebaut. Anfangs seien die einheimischen Menschen skeptisch gewesen, berichtete Nicola Ward. „Viele fragten, was das denn eigentlich sei, als sie die Ziegel sahen.“ Doch dann hätten alle beim Bau mitgeholfen. „Da die Ziegel so leicht sind, konnten sogar die Kinder beim Bauen mithelfen“, sagte die Australierin. Zudem sei das Legen der Ziegel einfach. „Sobald der Boden geebnet ist, lassen sich die Ziegel darauf wie Lego zusammenstecken“, bestätigte auch Duncan Ward. „Ein Hausrahmen lässt sich innerhalb eines Tages bauen, ein Klassenzimmer in fünf oder sechs Stunden.“ Die gesamte Schule in Taman Sari war innerhalb von sechs Tagen fertig.

Der Traum von weiteren 200 Schulen in Indonesien

Letztendlich soll das Gebäude auf Lombok aber nur der Anfang sein. Denn irgendwann will Ward auch eine erste Ziegelfabrik in Indonesien aufbauen, damit das Konzept wirklich nachhaltig wird. „Zudem ist es das perfekte Produkt für Indonesien, wo jedes Jahr Tonnen an Plastikmüll produziert werden, die in der Natur oder auf der Mülldeponie landen“, sagte er. Der Traum von ihm und seiner Frau Nicola ist es, in naher Zukunft 200 oder mehr Schulen in dem südostasiatischen Inselstaat zu bauen. „Doch für so ein großes Projekt brauchen wir noch einen Investor“, meinte er. Augenblicklich sind zumindest zwei weitere Schulen und mehrere einfache Wohnhäuser geplant. So soll auch die indonesische Regierung von der Idee überzeugt werden.

Die Menschen vor Ort stehen bereits hinter dem Konzept. Beim Bau der ersten Schule in Taman Sari herrschte laut Nicola Ward eine „echte Kooperationsbereitschaft“. Die Menschen vor Ort in den Bau einzubeziehen sei definitiv die richtige Entscheidung gewesen. Inzwischen findet bereits Unterricht in den Klassenräumen aus Plastik statt und auch die Schüler sind von ihrer neuen Schule begeistert. „Ich fand es toll zu sehen, wie das Gebäude entstanden ist – mit seinen Wänden, die wie Lego gebaut sind“, sagte die Fünftklässlerin Pazila Aulia in einem Interview mit dem australischen Sender ABC. Alles sehe sehr ordentlich und schön aus. „Es sieht ein bisschen aus wie Bambus“, beschrieb sie den Bau. Sie gehe jetzt sehr gerne zur Schule – auch, weil es im Inneren nicht so heiß sei wie in ihrer alten Schule.

Von Barbara Barkhausen/RND