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Gil Ofarim wirft einem Mitarbeiter des Leipziger Westin-Hotels vor, ihn am Abend des 4. Oktober antisemitisch beleidigt zu haben. Zeugen stützen laut einem Medienbericht diese Angaben nicht. Quelle: ProSieben/ProSieben

Medienbericht: Kein Zeuge stützt Version von Gil Ofarim im Antisemitismus­vorfall

Leipzig. Gil Ofarim hat einem Mitarbeiter des Leipziger Westin-Hotels vorgeworfen, ihn am Abend des 4. Oktober antisemitisch beleidigt zu haben. Der Angestellte soll ihn in der Hotellobby aufgefordert haben: „Packen Sie Ihren Stern ein.“ Gemeint soll damit eine Kette mit Davidstern gewesen sein. Ofarims Bericht über den Vorfall hat in der Medienlandschaft hohe Welle geschlagen – und insgesamt drei Strafanzeigen von beiden Seiten nach sich gezogen.

Das Leipziger Hotel hat eine interne Ermittlung, die sich auf Zeugenaussagen und Videoauswertungen stützt, bei einer darauf spezialisierten Anwaltskanzlei in Auftrag gegeben. In der vergangenen Woche gab das Unternehmen bekannt, dass es aufgrund der Ermittlungs­ergebnisse keine „keine objektivierbaren Anhaltspunkte“ gegeben habe, die arbeitsrechtliche Konsequenzen für den Mitarbeiter rechtfertigen würden. Der Mann, der zwischenzeitlich beurlaubt war, kehrte in den Dienst zurück. Was aber genau in dem 118 Seiten starken Bericht stand, war bisher nicht bekannt.

Kein Zeuge bestätigt antisemitische Beleidigung

Nun berichtet aber die „Zeit“ in der Ausgabe, die am 28. Oktober erscheint, über Details aus ebenjenen Seiten. Der Text liegt dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND) vorab vor. Demnach habe keiner der am 4. Oktober in der Hotellobby anwesenden Zeugen die Version Ofarims bestätigt. Auch sei die Kette mit dem Davidstern „sehr wahrscheinlich nicht sichtbar“ getragen worden.

Für den Untersuchungs­bericht, das war schon bei der Vorstellung der Ergebnisse vergangene Woche bekannt, befragten die Anwältinnen und Anwälte Zeugen aus der Hotellobby, den beschuldigten Mitarbeiter sowie Kolleginnen. Befragungs­protokolle von Zeuginnen und Zeugen, die nur mit Ermittlungs­behörden sprechen konnten, stellte die Staatsanwaltschaft der Anwaltskanzlei zusätzlich zur Verfügung. Gil Ofarim selbst habe eine Befragung abgelehnt. Ausgewertet worden seien seine öffentliche Aussagen und die Einlassungen gegenüber der Polizei.

Ofarim soll mit viralem Video gedroht haben

An diesem Montagabend soll niemand von den befragten Zeuginnen und Zeugen eine antisemitische Beleidigung gehört haben. Vielmehr soll Ofarim, nachdem andere Kunden vorgezogen wurden, gedroht haben, ein Video aufzunehmen, das „viral gehen“ werde.

Auch ein Gutachter, dem die Videoaufnahmen gezeigt wurden, gibt laut der „Zeit“ an, dass Ofarim, nach den Aufnahmen der Überwachungs­kameras zu urteilen, „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ die Kette mit dem Davidstern nicht sichtbar getragen habe. Bereits zuvor berichteten sowohl die „Leipziger Volkszeitung“ als auch „Bild“, dass der Anhänger auf dem Videomaterial nicht deutlich sichtbar gewesen sei.

Die Ermittlungen der Polizei, auch zu den Überwachungs­kameras, sind noch nicht abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Mittwoch gegenüber der „LVZ“, dass die Ermittlungen weiter andauern. Der Bericht liege ihnen vor, man wolle dies aber nicht kommentieren, hieß es.

Gil Ofarim ließ eine Anfrage des RND zum Abschlussbericht des Westin-Hotels bislang unbeantwortet. Auch im Bericht der „Zeit“ gibt es keine Bestätigungen durch Ofarim, das Hotel oder die Ermittlungs­behörden.

RND/goe