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US-Schauspieler Alec Baldwin telefoniert auf dem Parkplatz vor dem Santa Fe County Sheriff's Office, nachdem er zu dem Vorfall am Set des Films „Rust“ am Stadtrand von Santa Fe befragt wurde. Quelle: Jim Weber/Santa Fe New Mexican/A

Mögliche Anklage gegen Alec Baldwin? „Alle Optionen sind auf dem Tisch“

Nach dem Tod einer Kamerafrau bei einem Filmdreh mit Hollywoodstar Alec Baldwin ist es nach Angaben der Ermittler noch zu früh, um Angaben zu einer möglichen Strafverfolgung konkreter Personen zu machen. „Es ist zu früh, um über mögliche Anklagen zu sprechen“, sagte Adan Mendoza, Sheriff in Santa Fe im Staat New Mexico, bei einer Pressekonferenz am Mittwochvormittag (Ortszeit). Mögliche Festnahmen würden es erst geben, sobald Anklage erhoben sei. Klar ist nach Angaben der Ermittler: In der Waffe von Baldwin war scharfe Munition.

Konkret auf eine mögliche Anklage von Baldwin angesprochen, sagte Bezirksstaatsanwältin Mary Carmack-Altwies: „Alle Optionen sind auf dem Tisch.“ Eine Anklage werde zum jetzigen Zeitpunkt für niemanden ausgeschlossen. Baldwin kooperiere mit den Ermittlern und sei bereits mehrfach vernommen worden. Ob es eine Rolle bei den Ermittlungen spiele, dass Baldwin nicht nur der Todesschütze, sondern auch der Produzent des Films sei, wollte sie nicht kommentieren.

600 Beweisstücke sichergestellt

Mendoza sagte, es sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, insgesamt rund 600 Beweisstücke. Darunter seien drei Waffen, 500 Stück Munition und Kleidung. Auch die Waffe, mit der der tödliche Schuss abgegeben wurde, und die Patronenhülse seien sichergestellt worden; ebenso die Patrone, die Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzte und Regisseur Souza anschließend in die Schulter traf. ÄrzÄrzte entfernten das Geschoss bei einer Operation aus der Schulter Souzas und übergaben es der Polizei.

„Es war eine echte Waffe mit echter Munition“, sagte Mendoza. Es handele sich um einen ­45er-Revolver, am Zylinder seien Änderungen vorgenommen wurden. Unter den sichergestellten Beweismitteln seien vermutlich auch weitere echte Patronen. Alle Beweisstücke würden an das FBI zur weiteren Analyse übergeben.

Mendoza und Carmack-Altwies sicherten den Angehörigen des Opfers eine gründliche und vollständige Untersuchung zu. Sie werde aber keine voreiligen Schlüsse ziehen, betonte die Staatsanwältin. Es müssten noch verschiedene Personen befragt werden, sagte Mendoza. Einen möglichen Zeitplan für einen Anschluss der Ermittlungen wollte er nicht nennen.

Im Visier der Ermittler stehen auch die beiden Mitarbeiter am Set, die mit den Waffen Umgang hatten: eine 24-jährige Waffenmeisterin und der Regieassistent, der Baldwin die Waffe gereicht hatte. Laut einem Polizeibericht hatte der Regieassistent dem Schauspieler dabei gesagt, dass es sich um eine „kalte Waffe“ ohne Munition handele.

Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten auf einer Filmranch in New Mexico war am vorigen Donnerstag die 42 Jahre alte Chefkamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt worden. Hauptdarsteller Baldwin (63) hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert.

Regisseur Joel Souza (48) war bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen. Souza stand zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls hinter der Kamerafrau. Die Dreharbeiten für den Western wurden ausgesetzt.

mit dpa

Von Sebastian Heintz/RND