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17.11.2021, Indien, Neu Delhi: Ein Büroangestellter überquert eine Fußgängerbrücke inmitten von morgendlichem Dunst und giftigem Smog. Schulen wurden auf unbestimmte Zeit geschlossen und einige Kohlekraftwerke abgeschaltet, da die indische Hauptstadt und die benachbarten Bundesstaaten am Mittwoch nach einer Anordnung des Bundesumweltministeriums harte Maßnahmen zur Bekämpfung der Luftverschmutzung ergriffen. Foto: Manish Swarup/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: Manish Swarup/AP/dpa

Giftiger Smog: Neu Delhi schließt Schulen und Kraftwerke – Fahrverbot für Lastwagen

Neu Delhi. Auf Anordnung des Umweltministeriums sind am Mittwoch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi Schulen und mehrere Kohlekraftwerke geschlossen worden. Grund war der dichte Smog, der die Millionen-Metropole und benachbarte Unionsstaaten besonders in den Morgenstunden überzog.

Darüber hinaus ordnete die Kommission für Luftqualitätsmanagement einen Baustopp bis zum 21. November an und verhängte ein Verbot für Lastwagen, die nicht lebensnotwendige Güter transportieren. Das Gremium wies die Unionsstaaten an, die Hälfte der Beschäftigten in allen privaten Büros zur Arbeit von zu Hause aus zu ermutigen.

Feinstaubwerte um das Siebenfache über dem Grenzwert

Trotz einer gewissen Verbesserung der Luft in Neu Delhi in den vorangegangenen zwei Tagen lagen die Messwerte für Feinstaub am Mittwoch immer noch um das Siebenfache über dem Grenzwert und stiegen in einigen Teilen der Stadt auf über 300 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die Weltgesundheitsorganisation gibt den sicheren Wert für die winzigen, giftigen Partikel mit 25 an.

Oberster Gerichtshof fordert „unmittelbare und dringende“ Maßnahmen

Derzeit berät das oberste Gericht in Indien, ob die Hauptstadt in einen Lockdown gehen sollte. Die Stadt wird vor allem morgens von einer dicken, grauen Smogdecke eingehüllt. Wetterexperten warnten vor einer Verschlechterung der Luftqualität vor dem Eintreffen kalter Winde in der nächsten Woche, die den Smog wegblasen würden.

Bereits Anfang November sank die Luftqualität in der Hauptstadt. Dies veranlasste den Obersten Gerichtshof zu einer Warnung: Er wies die Regierungen der Staaten und des Bundes an, „unmittelbare und dringende“ Maßnahmen zu ergreifen, um die Krise zu bewältigen.

In mehreren Studien wurde geschätzt, dass jedes Jahr mehr als eine Million Inder an Krankheiten sterben, die auf die Luftverschmutzung zurückzuführen sind.

Luftverschmutzung hält trotz Maßnahmen an

Die extrem hohe Luftverschmutzung in Neu Delhi hat am Donnerstag trotz der am Vortag beschlossenen Notmaßnahmen angehalten. In einigen Teilen der Stadt betrug die Feinstaubbelastung 300 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, wie die Umweltbehörde Safar mitteilte. Die Weltgesundheitsorganisation gibt den Grenzwert, bis zu dem die winzigen, giftigen Partikel unbedenklich sind, mit 25 an.

Die hohe Schadstoffbelastung in Neu Delhi im Winter hat mehrere Ursachen. Der Autoverkehr hat nach Regierungsangaben einen Anteil von fast 25 Prozent, andere Quellen sind Industrieabgase, Feuerwerk bei Hindu-Festen, Staub von Baustellen und das Verbrennen von Ernteabfall in der Umgebung Neu Delhis. Mehreren Studien zufolge sterben jährlich mehr als eine Million Menschen in Indien an Krankheiten, die auf die Luftverschmutzung zurückzuführen sind. Nach Angaben der Schweizer Fachfirma zur weltweiten Beobachtung von Luftqualität, Iqair, waren 2020 13 der 15 Städte mit schlechtester Luftqualität indische.

Bei der internationalen Klimakonferenz in Glasgow war auf Betreiben Indiens eine Formulierung zum Kohleausstieg in der Abschlusserklärung abgeschwächt worden.

RND/AP