Donnerstag , 29. September 2022
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Pastor Craig Duke bei seinem Auftritt als Dragqueen. Quelle: Jakes Giles Netter/HBO via AP

Pastor verliert Job nach TV-Auftritt mit Dragqueens

New York. Der Methodistenpfarrer Craig Duke aus dem US-Staat Indiana ist wegen eines Auftritts in einer Reality-Show über Dragqueens nach drei Jahrzehnten von seinen Pflichten entbunden worden. Duke unterstützt die Rechte von sexuellen Minderheiten und wollte seine Solidarität demonstrieren, indem er in der HBO-Serie „We‘re Here“ an der Seite prominenter Dragqueens auftrat.

Die Folge der Emmy-nominierten Serie „We're here“, in der Duke zu sehen ist - an einer Stelle mit einem Kleid, hochhackigen Stiefeln, einer rosa Perücke und starkem Make-up - wurde im Juli aufgezeichnet, aber erst am 8. November ausgestrahlt. Eine LGBTQ-Gruppe aus der Stadt Evansville hatte ihn dazu eingeladen und Duke sagte zu, um seine Tochter zu unterstützen, die sich als pansexuell bezeichnet.

Pastor sorgt sich um seine psychische Gesundheit

Der 62-jährige Duke nahm an, die meisten seiner 400 Mitglieder zählenden Gemeinde in der Newburgh United Methodist Church (UMC) teilten seine Ansichten, wie er der Nachrichtenagentur AP sagte. Er sei überrascht gewesen, als sich E-Mails verbreitet hätten, in denen er attackiert worden sei. Nach den Regeln der UMC hat ein Pastor nicht die Möglichkeit des Rücktritts, dennoch habe er seinen Vorgesetzten, den regionalen Superintendenten Mitch Gieselman, gebeten, ihn von seinen Pflichten zu entbinden. Er habe angesichts der E-Mails um seine psychische Gesundheit gefürchtet.

Am 26. November schrieb Gieselman an die Gemeinde, Duke werde von seinen pastoralen Pflichten entbunden. Sein Gehalt werde um 40 Prozent gekürzt, Ende Februar würden die Zahlungen ganz eingestellt. Gleichzeitig schrieb er in dem Brief, dass Dukes Handlungen keinen formellen Verstoß gegen das Buch der UMC darstelle, das als rechtlicher Kodex für methodistische Geistliche diene.

Die Abberufung spiegelt ein erbittertes Zerwürfnis innerhalb der United Methodist Church wider, der größten protestantischen Konfession in den Vereinigten Staaten. Konservative Führungspersönlichkeiten in der UMC haben Pläne zur Gründung einer neuen Konfession, der Global Methodist Church, bekannt gegeben, deren Doktrin die gleichgeschlechtliche Ehe nicht anerkennt. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Generalkonferenz der UMC, auf der die Spaltung diskutiert werden sollte, verschoben und ist nun für August 2022 in Minneapolis geplant.

Pastor wollte „Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe“ übermitteln

Duke zufolge war die mögliche Spaltung einer der Gründe für die Einladung zu „We're Here“. „Meine einzige Hoffnung und mein einziges Ziel war und ist es, die Botschaft von Gottes bedingungsloser Liebe in eine Gemeinschaft zu bringen, die stark an den Rand gedrängt wurde“, schrieb Duke an seine Gemeinde. Gemeindemitglied Chris Sexton sagte, er sei seit seiner Kindheit in der Newburgh United Methodist und beschrieb Duke als „einen der fesselndsten und aufrichtigsten“ der vielen Pastoren, die er im Laufe der Jahre erlebt habe.

Duke hat nicht vor, wieder als Pastor zu arbeiten. „Mein Herz bewegt sich in eine neue Richtung“, sagte er. „Es gibt so viele Menschen, die von der Religion verletzt wurden, die sich zurückgewiesen fühlten, die die Hand ausstrecken und die hoffen, dass ich etwas in ihrem Namen tun kann.“

RND/AP