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Trauer am Tag danach: Am Montag war ein 18 Jahre alter Student mit einer Schrotflinte bei laufender Vorlesung in den Hörsaal des Gebäudes gestürmt und hatte um sich geschossen. Eine junge Frau starb, der Täter tötete sich wenig später selbst. Quelle: Uwe Anspach/dpa

Amoklauf von Heidelberg: Betroffene von Winnenden rät zu besserer Vorbeugung

Berlin. Die Mitbegründerin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, hat nach dem jüngsten Amoklauf von Heidelberg Konsequenzen gefordert. „Das war ein klassischer Amoklauf und exakt so, wie ich es in Winnenden erlebt habe“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) und betonte, das Beratungsnetzwerk Amokprävention habe bereits Mitte des vorigen Jahrzehnts unter ihrer Beteiligung Empfehlungen zur Vorbeugung gegeben.

An der Universität von Heidelberg hatte ein 18-jähriger Student eine junge Frau und später sich selbst getötet. Außerdem wurden drei weitere Studierende verletzt.

„Es geht nicht um Verbote, sondern um sinnvolle Kontrolle“

„Man sollte privaten Waffenbesitz in sinnvoller Weise kontrollieren“, sagte Mayer, die beim Amoklauf an der Albertville-Realschule in Winnenden eine Tochter verlor. Man müsse genau hinsehen, wer Waffen besitze und sie Menschen entziehen, die psychisch instabil oder in anderer Weise auffällig seien. „Es geht nicht um Verbote, sondern um sinnvolle Kontrolle.“ Dazu gehöre immer die Prüfung, wo Waffen aufbewahrt würden, „ob in einem Safe oder auf dem Küchentisch“.

Außerdem müssten auch die anderen Empfehlungen des Beratungsnetzwerkes Amokprävention bekannt gemacht werden, sagte Mayer und mahnte: „Hören Sie uns doch endlich zu! Wir haben deutlich gesagt, was nötig wäre.“ Dabei geht es nicht zuletzt darum, potenzielle Täter anhand ihres Verhaltens frühzeitig zu identifizieren.

Immer wieder ist der Täter ein junger Mann

Der Amoklauf von Heidelberg reiht sich in eine Serie ähnlicher Taten ein. Am 26. April 2002 erschoss ein Amokläufer in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizeibeamten. Am 20. November 2006 gab es in Emsdetten (Nordrhein-Westfalen) 37 Verletzte und am 11. März 2009 im baden-württembergischen Winnenden 15 Tote.

In allen Fällen waren die Täter junge Männer; und in allen Fällen töteten sie sich wie in Heidelberg nach der Tat selbst. Überdies fanden alle vier Amokläufe an Bildungseinrichtungen wie Schulen oder Universitäten statt; das haben sie mit vielen Amokläufen etwa in den Vereinigten Staaten gemein. Mayer unterstrich mit Blick auf potenzielle Täter: „Solche Menschen sind nicht nur für andere gefährlich, sondern auch für sich.“

Polizisten bekommen „Extra-Amok-Ausbildung“

Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Roßkopf, erklärte unterdessen, dass die Polizei aus seiner Sicht ausreichend auf Amokläufe vorbereitet sei. „Wir sind da sehr gut aufgestellt“, sagte er dem RND. „Wir haben eine Extra-Amok-Ausbildung. Jeder Polizist weiß sich in solchen Lagen zu verhalten.“

Die Kenntnisse würden in Fortbildungen aufgefrischt. Auch die Ausstattung sei angepasst worden, fuhr Roßkopf fort. Dies gelte für die Bewaffnung ebenso wie für Schutzwesten und Schutzhelme. „Jeder weiß, wie er damit umzugehen hat.“ Nach spätestens 30 Minuten übernähmen dann ohnehin Sondereinsatzkommandos.

Beim Waffenrecht sieht der Gewerkschafter keinen Korrekturbedarf. Anders als in den USA werde jeder potenzielle Waffenbesitzer überprüft und müsse Nachweise erbringen. „Wir haben da ein gutes System“, sagte Roßkopf.

Der Amokläufer von Heidelberg soll seine Waffen im Ausland erworben haben. Details waren bis Dienstag aber noch nicht bekannt.

Von Markus Decker/RND