Anzeige
Hersteller von Glasflaschen könnten wegen der hohen Energiepreise in Deutschland abwandern, sagt eine BGA-Sprecherin. Quelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Lieferengpässe bei Verpackungen: „Stellt Händler momentan vor Herausforderungen“

Neben Speiseöl und Mehl gibt es immer wieder Berichte über Lebensmittel, die angeblich knapp werden könnten. Zuletzt kursierte in Deutschland das Gerücht, dass Dosentomaten bald nicht mehr ausreichend in den Supermärkten zur Verfügung stehen könnten.

Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA), dementierte diese These allerdings gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND): „Der Einzelhandel wird regulär beliefert. Sollte es aktuell vereinzelt zu Lieferengpässen und leeren Regalen kommen, so ist dies durch eine gestiegene Nachfrage zu erklären. Die Angst vor weiteren Preissteigerungen sowie die Aufforderung der Innenministerin, Vorräte anzulegen, führt besonders im Konservenbereich zu vermehrten Käufen“, sagte er.

Der Krieg in der Ukraine habe noch keine Auswirkungen auf die Liefermenge im Tomatenkonserven­bereich. Allerdings könnten durch die gestiegenen Energiekosten entlang der gesamten Lieferkette die Preise steigen. Der BGA-Präsident gibt weiter Entwarnung: „Sollten einzelne Produzenten ihr Angebot an Tomaten verringern oder einstellen, ist es für unsere Großhändler ohne Weiteres möglich, Ware von anderen Produzenten oder aus anderen Lieferländern zu beziehen.“

Wegfall vieler Lieferungen aus Russland führt zu Verknappungen

Eine spezielle Tomatenkonserven­knappheit droht Deutschland also nicht. Dafür gibt es ein weiterführendes Problem: „Ich höre aus den Mitgliedsverbänden, dass es im Bereich der Um- und Verpackungen zu Lieferengpässen kommt. Davon sind Plastik- und Glasflaschen genauso betroffen wie Dosen und Papier für Etiketten“, erklärte Jandura. Durch den Wegfall vieler Lieferungen aus Russland komme es zu Verknappungen und Preissteigerungen. „Dies stellt Händler momentan vor Herausforderungen“, ergänzte der Verbandschef.

Konservenbereich: „Es ist im Moment ein Fahren auf Sicht“

Ein Großteil des Aluminiums, welches für die Herstellung von Konservendosen verwendet wird, kam vor dem Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine aus Russland. „Diese Importe sind extrem gesunken“, führte BGA-Sprecherin Frederike Röseler aus. Aktuell seien die Produzenten auf der Suche nach alternativen Lieferanten für das Metall aus anderen Ländern. Die Sprecherin gibt aber Entwarnung: „Es gibt genügend andere Lieferanten. Das wird der Markt regeln.“ Doch die Frage sei, wie lange es dauern werde, bis sich die Lieferketten umgestellt hätten. Aktuell seien die Lager der Großhändler und Produzenten noch gefüllt. „Auch sie haben in der Corona-Zeit ein bisschen gehamstert und sich bevorratet“, sagte Röseler. In der zweiten Jahreshälfte könne es aber allmählich problematisch werden. Lieferengpässe, Knappheiten und Preisanstiege im Konservenbereich könnten nicht ausgeschlossen werden. „Es ist im Moment ein Fahren auf Sicht“, ergänzte die Sprecherin.

Zwei Beispiele gebe es aber in der Verpackungsindustrie, bei denen es jetzt schon eng werde. „Im Bereich des Sonnenblumenöls, wo die Nachfrage ja schon seit längerer Zeit ohnehin gestiegen ist, hat der Großhandel noch viele Drei- und Fünf-Liter-Flaschen, die vornehmlich in der Gastronomie eingesetzt werden. Da könnte mehr an den Einzelhandel geliefert werden, wenn das Öl umgefüllt werden würde. Allerdings gibt es dafür einfach nicht genug Plastikflaschen“, erklärte Röseler. Die kleineren Flaschen könnten derzeit nicht schneller oder in größerer Stückzahl beschafft werden.

Glasindustrie könnte abwandern

Eine dramatische Entwicklung gibt es in der deutschen Glasindustrie. „Wir hören, dass, wenn die Energiepreise weiter steigen, Unternehmen abwandern würden“, sagte Röseler. Die Brennöfen könnten nicht einfach abgeschaltet und nach einer Preissenkung wieder angeschaltet werden. „Wenn die einmal aus sind, müssen die im Grunde neu gebaut werden. Das wird nicht passieren. Die Unternehmen würden in Länder abwandern, wo die Energiepreise und wahrscheinlich auch die Löhne niedriger sind, und nicht zurückkommen“, betonte die Sprecherin. Dieser Schritt würde auch den Verlust vieler Arbeitsplätze bedeuten.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter.

Von Nico Schwieger/RND