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Die Toilette einer Schule. (Symbolbild)

Rätselhaftes Virus an Leipziger Grundschule: 150 Kinder und Lehrer erkrankt

Leipzig. An einer Grundschule im sächsischen Leipzig grassiert seit einigen Tagen eine ungewöhnliche Virusinfektion. Nach Angaben der Stadt waren in dieser Woche bis zu 150 Kinder und Lehr­kräfte betroffen. Inzwischen verdichten sich allerdings die Anzeichen, dass es sich bei dem Auslöser um Noroviren handeln könnte. Die Ergebnisse der Untersuchungen des Gesund­heitsamtes sollen nach Angaben der Stadtverwaltung aber erst am kommenden Montag vorliegen, berichtet die „Leipziger Volkszeitung“. Eine Corona-Infektion könne ausgeschlossen werden, teilte eine Stadtsprecherin mit.

Heike Riethmüller, Leiterin der betroffenen Leipziger Kurt-Masur-Grundschule, sagte am Freitag der Zeitung: „Nach wie vor ist mehr als ein Drittel unserer Kinder erkrankt.“ Das Leitungsteam der Schule handele aber sehr ruhig und besonnen. Die Aufregung werde eher durch die öffentliche Berichterstattung über das Thema hereingetragen. Man habe die Eltern frühzeitig informiert und eine zusätzliche Reinigung der Schule im Leipziger Süden veranlasst. Der Unterricht sei innerhalb des Schulsystems abgesichert worden.

Konkreter Stand erst nächste Woche

Verschärfend komme aber hinzu, dass die Eltern ohnehin durch Corona gestresst seien und der Hort der Schule am Mittwoch bestreikt worden sei. „Deshalb haben wir darum gebeten, dass nur Kinder, die mindestens 24 Stunden symptomfrei sind, wieder in die Schule kommen“, sagte die Direktorin. Das werde von den Erziehungsberechtigten sehr ernst genommen. Schüler und Schülerinnen müssten sich zu Hause auskurieren, bevor sie wieder zum Unterricht dürften.

Das Gesundheitsamt sei zudem bei den betroffenen Familien gewesen und habe auch Untersuchungen vorgenommen. Dabei seien allerdings zunächst keine Viren gefunden worden. Theoretisch möglich sei deshalb auch, dass die nun angestellte zweite Untersuchung ebenfalls ohne ein greifbares Ergebnis ende. Auch außerhalb der Schule, an anderen vergleich­baren Einrichtungen in Leipzig, habe es laut Gesundheitsamt bisher keine ähnlichen Vorfälle gegeben.

„Händewaschen ist ein absolutes Muss“

Die Barmer-Krankenkasse in Sachsen teilte auf Anfrage der „Leipziger Volkszeitung“ mit, gut die Hälfte aller Durchfallerkrankungen werde durch Noroviren ausgelöst. „Überall dort, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, können sich Krankheitserreger schnell verbreiten“, sagte eine Sprecherin. Noroviren seien hoch ansteckend und ließen sich nur schwer eindämmen. In Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten, Schulen, Altenheimen oder Krankenhäusern könne es daher schnell zu größeren Ausbrüchen kommen.

Übertragen würden die Noroviren von Mensch zu Mensch, meist über eine sogenannte Schmierinfektion. Schon wenige Viruspartikel genügten, um eine Infektion auszulösen. Starke Durchfälle und heftiges Erbrechen würden häufig von Bauchkrämpfen, Kopf- und Muskel­schmerzen, Erschöpfung und in seltenen Fällen auch erhöhter Körpertemperatur begleitet. Trotz des hohen Infektionsrisikos könne man sich aber schützen. Der wichtigste und gleich­zeitig effektivste Schutz gegen das Virus sei die Hygiene, sagte die Sprecherin. „Sowohl bei der Essenzubereitung als auch nach jedem Toilettengang ist Händewaschen ein absolutes Muss.“ Wer auf Nummer sicher gehen möchte, desinfiziere Hände und WC-Sitz. So könne im besten Fall eine Übertragung von Hand zu Mund vermieden werden.

Schon 2300 Fälle in diesem Jahr in Sachsen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts wurden in diesem Jahr bereits knapp 2300 sogenannte Norovirus-Gastroenteritis-Fälle in Sachsen gemeldet. Damit haben die Meldezahlen mit Stand Donnerstag bereits mehr als die Hälfte der Gesamtanzahl aus dem Vorjahr (4098 Erkrankungen) erreicht. Aktuell entfielen 185 Fälle auf die Stadt Leipzig, 152 Fälle auf den Landkreis Leipzig, 136 Fälle auf den Landkreis Nordsachsen und 158 Fälle auf den Landkreis Mittelsachsen. Die Landeshauptstadt Dresden verzeichnete 229 Erkrankte. Aus Thüringen wurden 734 Fälle gemeldet, davon 26 aus dem Altenburger Land.

Dieser Text erschien zuerst bei der „Leipziger Volkszeitung“.

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Von Roland Herold/RND