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Polizisten an der Grundschule in Uvalde. Quelle: Dario Lopez-Mills/AP/dpa

Täter kündigte Schulmassaker bei Facebook an – Eklat bei Pressekonferenz

Uvalde. Nach dem Amoklauf an einer Grundschule in Texas hat der bekannte demokratische Politiker Beto O‘Rourke am Mittwoch eine Pressekonferenz mit dem texanischen Gouverneur Greg Abbott unterbrochen und dem Republikaner eine Mitschuld an dem Tod von 19 Kindern und zwei Lehrkräften gegeben.

Beto ging Minuten nach Beginn der Pressekonferenz auf die Bühne zu, es war unter anderem zu hören, wie er in Richtung Abbott sagte: „Die Zeit, das nächste Schulmassaker zu verhindern, ist jetzt, und sie tun nichts. Das war alles vorauszusehen, weil Sie entschieden haben, nichts zu tun.“

Abbott reagierte auf die Vorwürfe nicht, während andere Offizielle O‘Rourke zur Ordnung riefen und ihn dazu aufforderten, den Saal zu verlassen. Ein Mann rief O‘Rourke zu: „Sie fallen aus dem Rahmen und Sie sind peinlich.“ Ein anderer Mann beschimpfte den Demokraten wüst und sagte: „Ich kann nicht fassen, dass Sie ein kranker Bastard sind, der aus einer Sache wie dieser ein politisches Thema machen will.“

Anschließend wurde O‘Rourke, der demokratischer Herausforderer von Abbott bei der Gouverneurswahl in Texas im November ist, von einem Polizisten aus dem Saal gebracht.

In den vergangenen Jahren waren alle Versuche, die Waffengesetze in den USA deutlich zu verschärfen, vor allem am Widerstand republikanischer Politiker gescheitert. Auch bei der Pressekonferenz sprach Abbott immer wieder über psychische Probleme von potenziellen Tätern und wie man diesen begegnen müsse – strengere Waffenvorschriften lehnte er erneut ab.

Drei Nachrichten bei Facebook geschrieben

Der texanische Gouverneur Abbott hatte zuvor gesagt, dass es neben den 19 getöteten Schülern und zwei getöteten Lehrerinnen 17 Verletzte gebe. Dass nicht noch mehr Opfer zu beklagen seien, sei dem „bewundernswerten Mut“ der Einsatzkräfte zu verdanken. „Es ist eine Tatsache, dass sie aufgrund ihres schnellen Handelns Leben gerettet haben – leider nicht genug.“

Bei dem 18 Jahre alten Täter sei keine psychische Erkrankung und auch keine kriminelle Vorgeschichte bekannt, sagte Abbott weiter. Zum Ablauf der Tat sagte er, der 18-Jährige habe zunächst seiner Großmutter ins Gesicht geschossen, die Frau sei im Anschluss noch in der Lage gewesen, die Polizei zu alarmieren.

Der Täter habe in den 30 Minuten vor der Tat dann drei Nachrichten bei Facebook veröffentlicht. In einer ersten habe er angekündigt, seine Großmutter erschießen zu wollen, in einer zweiten habe er geschrieben, dass er seine Großmutter erschossen habe. In einer dritten Nachricht habe er Schüsse an einer Schule angekündigt, ohne eine spezifische Schule zu nennen, so Abbott. Die letzte Nachricht sei 15 Minuten vor der Tat veröffentlicht worden.

Der Facebook-Sprecher Andy Stone erklärte am Mittwoch, bei den Beiträgen habe es sich um private Direktnachrichten gehandelt, die erst nach der „schrecklichen Tragödie“ entdeckt worden seien. Facebook kooperiere mit den Ermittelnden.

Hilfe für Betroffene angekündigt

Der Gouverneur kündigte weiter für jeden von dem Amoklauf Betroffenen Hilfe an. „Wenn so etwas schreckliches passiert, gibt es den dringenden Bedarf, dass jeder Betroffene psychologische Hilfe bekommt.“ Die Menschen vor Ort befänden sich „in einem tiefem Schockzustand“.

Ein 18-Jähriger hatte am Dienstag die Robb Elementary School in Uvalde gestürmt und 19 Kinder und zwei Erwachsene in einem Klassenzimmer erschossen. Er wurde anschließend von einem Grenzschutzbeamten erschossen.

RND/seb/dpa/AP

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