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Die Pflegeeinrichtung „Pflegebienchen“ in Bad Doberan hat jetzt ein Lastenfahrrad, mit dem sie Klienten im Rollstuhl zum Arzt oder Einkaufen fahren können. Andreas Telschow fährt Ingrid Ehlers.

Mit dem Lastenrad zum Arzt: Tagespflege im Landkreis Rostock befördert Patienten mit Zweirad

Bad Doberan. Bad Doberan, eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern, hat jetzt einen neuen Hingucker. Er ist auf drei Rädern unterwegs, hat einen schwarzen Kasten, einen kleinen Motor und wird per Beinkraft in Bewegung gesetzt – ein Lastenfahrrad. Dieses hat die Tagespflege „Pflegebienchen“ extra anfertigen lassen. Das Besondere daran ist, dass Klienten der Tagespflege damit zum Arzt, zur Physiotherapie oder zum kleinen Einkauf gefahren werden können. Dafür geht es mit dem Rollstuhl per Rampe in den Kasten.

Die Idee für das Lastenfahrrad hat Andreas Telschow, Bereichsleiter für Lebensqualität in der Tagespflege, aus dem Urlaub in Dänemark mitgebracht. „Da habe ich diese Lastenfahrräder in Aktion gesehen“, erzählt er. Und hat sofort gedacht, dass das was für die Klienten in Bad Doberan wäre. „Wir hatten schon mal über eine Rikscha gesprochen, aber da bekommt man keinen Rollstuhl rein.“

Rollstuhl wird mit Sicherheitsgurt im Lastenfahrrad befestigt

Carolin Lubetzki, Leiterin der Tagespflege, war von der Idee direkt begeistert. „Das ist richtig cool. Damit schenken wir den Klienten Zeit.“ Denn mit dem Lastenrad kann es künftig nicht nur zum Arzt gehen, sondern auch auf Spazierfahrt. Das findet Ingrid Ehlers super. Die 79-Jährige ist eine der Sponsoren des Fahrrads und hat schon eine Probefahrt machen dürfen.

„Ich war zuerst unschlüssig, weil es rumpelt“, sagt sie. „Aber dann war es schön. Es fühlt sich sicher an. Ich kann mir gut vorstellen, damit bis nach Nienhagen zu fahren.“ Das liegt rund 25 Kilometer entfernt. Natürlich sei es mit Fahrradfahren nicht zu vergleichen. „Es ist etwas anderes, wenn man sich selbst anstrengt, aber wenn die Luft einen umweht, ist das toll.“ Sie und ihr Rollstuhl sind mittels Sicherheitsgurt in dem Kasten festgemacht.

Lastenfahrrad bringt Abwechslung im Alltag

„Die meisten sind ihr Leben lang Fahrrad gefahren und traurig, dass sie es nicht mehr können“, weiß Bereichsleiter Telschow aus Gesprächen mit den Besuchern der Tagespflege. Mit dem Lastenfahrrad hätten sie eine Abwechslung im Alltag und seien an der frischen Luft.

Hinten auf dem Sattel wird meist Andreas Telschow sitzen, der privat sehr gerne Fahrrad fährt. Das Lastenfahrrad ist ein E‑Bike, sodass er fürs Anfahren oder während der Fahrt motorisierte Unterstützung dazuschalten kann. Die Lenkung des Fahrrads sei Gewöhnungssache. „Man muss schon üben“, sagt der 58‑Jährige, und aufpassen, dass man nicht zu schnell fahre.

Ehrenamtliche für Spazierfahrten gesucht

„Für die Spazierfahrten wäre es toll, den ein oder anderen ehrenamtlich zu gewinnen“, sagt Leiterin Carolin Lubetzki. Denn im Alltag werde es schwer werden, dass das Personal Zeit für die Spazierfahrten findet. Für die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, sei so eine Fahrt Lebensqualität und Teilhabe an der Umgebung, erläutert Andreas Telschow.

Das Fahrrad hätte viele Vorteil gegenüber dem Auto, sagt Telschow. Für einen Arztbesuch müsse er den Transporter nehmen, wo der Rollstuhl reinpasse. Das Ein- und Ausladen dauere schon länger als beim Lastenrad. Hinzu komme, dass er mit dem Autobus in Bad Doberan vor den Praxen keinen Parkplatz bekomme. Auf den Behindertenparkplatz dürfe er sich nur stellen, wenn der Klient einen Ausweis dafür habe. „Mit dem Lastenrad geht es viel schneller.“ Er brauche mit dem Rad nicht mehr Zeit als mit dem Auto. „Das sind hier ja kurze Entfernungen.“ Lediglich Kopfsteinpflaster wäre nicht so gut zu befahren. Und natürlich sei das nur eine Variante für den Sommer.

Drei E‑Autos im Einsatz

8500 Euro hat das Lastenfahrrad gekostet, das die Tagespflege „Pflegebienchen“ über Sponsoren finanziert hat. Es ist damit auch ein weiterer Schritt der Pflegeeinrichtung, die häusliche Krankenpflege, Tagespflege und betreutes Wohnen anbietet, für die Nachhaltigkeit. Drei E‑Autos seien bereits im Einsatz. „Wir fahren gerade ein Hybridauto zur Probe“, erzählt Carolin Lubetzki.

Das Lastenfahrrad wurde nach dem Vorbild des dänischen Lastenradherstellers Nihola angefertigt, erzählt Andreas Telschow. Soweit er es beurteilen könne, sei es das erste seiner Art in Mecklenburg-Vorpommern.

Dieser Artikel ist zuerst bei der „Ostsee-Zeitung“ erschienen.

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Von Anja Levien/RND