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Brittney Griner erscheint zur Anhörung vor Gericht in Moskau. Quelle: IMAGO/SNA

Seit Monaten in Russland in Haft: Prozess gegen Brittney Griner beginnt Freitag

Moskau. Mehr als vier Monate nach Festnahme der US-Basketballerin Brittney Griner wegen Cannabis-Besitzes in Moskau hat ein russisches Gericht das Datum für den Prozessbeginn auf Freitag festgelegt. Das Gericht ordnete zudem an, dass der Sportstar des WNBA-Teams Phoenix Mercury für die Dauer des Prozesses in Gewahrsam bleibt. Bei einer Verurteilung könnten Griner bis zu zehn Jahre Gefängnis drohen. Weniger als ein Prozent der Angeklagten in russischen Strafverfahren werden freigesprochen. Zudem können Freisprüche anders als in den USA aufgehoben werden.

Das Gericht im Moskauer Vorort Chimki verlängerte Griners Gewahrsam am Montag um sechs weitere Monate, nachdem sie zu einer Anhörung hinter geschlossenen Türen erschienen war. Fotos, in deren Besitz die Nachrichtenagentur AP gelangte, zeigen sie in Handschellen. Ursprünglich war angeordnet worden, dass Griner bis Samstag in Untersuchungshaft verbleibt.

Griners Festnahme und der Prozess fallen in eine Zeit, in der sich die Beziehungen zwischen Moskau und Washington an einem Tiefpunkt befinden. Weniger als eine Woche vor dem russischen Einmarsch in der Ukraine wurde sie am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen.

Unterstützer hoffen auf Gefangenenaustausch

Vor dem Hintergrund der Spannungen hatten sich Griners Unterstützer in der Hoffnung auf eine stille Lösung zurückgehalten, bis das US-Außenministerium den Fall im Mai als unrechtmäßige Inhaftierung einstufte und ihn an den Sondergesandten des Präsidenten für Geiselangelegenheiten übertrug.

Dieser Schritt führte zu erhöhter Aufmerksamkeit. Unterstützer der Sportlerin regten einen Gefangenenaustausch an, wie jenem, der im April zur Freilassung des US-Marineinfanteristen Trevor R. aus Moskauer Haft geführt hatte. Im Gegenzug hatten die USA den russischen Piloten Konstantin J. freigelassen, der wegen Verschwörung zum Schmuggel von Kokain zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war.

Russische Medien haben wiederholt Spekulationen genährt, Griner könne gegen den russischen Waffenhändler Viktor B. - Spitzname „Kaufmann des Todes“ - ausgetauscht werden, der in den USA eine 25-jährige Haftstrafe absitzt. Er war für schuldig befunden worden, sich zur Tötung von US-Bürgern verschworen zu haben und eine Terrororganisation unterstützt zu haben.

Russland setzt sich seit Jahren für seine Freilassung ein. Doch die Diskrepanz zwischen seinem und Griners Fall - bei ihr wurden angeblich Verdampfer-Kartuschen mit Cannabisöl sichergestellt - könnten einen solchen Austausch für die USA problematisch machen.

US-Außenminister Blinken zurückhaltend

Andere haben vorgeschlagen, Griner zusammen mit Paul W. auszutauschen, einem in Russland wegen Spionage zu 16 Jahren Haft verurteilten früheren Marineinfanteristen, dessen Verurteilung die USA wiederholt als Inszenierung bezeichnet haben.

US-Außenminister Antony Blinken, der am Sonntag beim Nachrichtensender CNN nach der Möglichkeit eines solchen Austauschs gefragt wurde, vermied eine konkrete Antwort. Er habe keine höhere Priorität als sicherzustellen, dass zu unrecht inhaftierte Amerikaner weltweit nach Hause kämen. Er könne sich jedoch nicht im Detail zu den Bemühungen äußern.

Nach Angaben der Anwältin Maria Jarmusch gegenüber dem vom Kreml finanzierten russischen Sender RT würde jeder Austausch Griners eine vorherige Verurteilung voraussetzen. Im Anschluss müsse sie um eine präsidentielle Begnadigung ersuchen, sagte Jarmusch.

RND/AP