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Ein Polizeibeamter aus Lake County hält sich in der Innenstadt von Highland Park die Hände vors Gesicht. Quelle: Brian Cassella/Chicago Tribune/A

„Plötzlich fingen alle an zu rennen“: Zeugen schildern erschütternde Szenen bei Feiertagsparade

Highland Park. Vermutlich ein 21-jähriger weißer Einzeltäter feuert bei einer Feiertagsparade im Chicagoer Vorort Highland Park mit einem Gewehr in die Menge, sechs Menschen sterben. Augenzeugen berichten von erschütternden Szenen und versuchen, das Entsetzen in Worte zu fassen.

Der Augenzeuge Miles Zaremski sagte dem Sender CNN, er habe mehrere Verletzte und leblose Menschen gesehen, die auf dem Boden lagen. „Es war herzzerreißend.“ Er habe rund 30 Knallgeräusche gehört. Menschen seien von der Parade geflohen. „Es war einfach chaotisch.“

Zoe Pawelczak, die mit ihrem Vater an der Feiertagsparade teilnahm, sagte dem Sender, die Besucherinnen und Besucher hielten die kurz aufeinander folgenden Schüsse zunächst für Feuerwerk. „Ich dachte dann, etwas stimmt nicht. Ich schnappte mir meinen Vater und rannte los. Plötzlich fingen alle hinter uns an zu rennen“, sagte Pawelczak gegenüber CNN. „Ich schaute zurück, wahrscheinlich sechs Meter von mir entfernt. Ich habe gesehen, wie ein Mädchen erschossen wurde.“ Sie habe sich mit ihrem Vater rund eine Stunde lang hinter einem Müllcontainer versteckt, bis Polizisten sie schließlich in ein nahe gelegenes Geschäft brachten.

Die Augenzeugin Adrienne Drell sagte der Zeitung „Chicago Sun-Times“: „In der ganzen Stadt herrschte Panik. Alle sind völlig fassungslos.“ Es sei ein ruhiger, friedlicher, schöner Morgen gewesen, die Leute hätten die Parade genossen, sagte Drell. „Dass diese Friedlichkeit innerhalb von Sekunden auseinander gerissen wurde, ist beängstigend.“

„Kinder suchten auf der Straße nach ihren Eltern“

Alexander Sandoval und seine Familie hatten ihre Klappstühle bereits frühmorgens vor der Hauptbühne in Highland Park aufgestellt. „Wir sahen die Marschkapelle und den Festwagen der Navy vorbeiziehen. Als ich die ersten Schüsse hörte, dachte ich, sie würden die Flagge grüßen und Platzpatronen schießen“, sagte Sandoval unter Tränen der Zeitung. „Aber dann sah ich, wie Leute wegliefen, und die Schüsse gingen weiter. Wir fingen an zu laufen.“

Warren Fried, der mit seiner Frau und seinen siebenjährigen Zwillingen an der Parade teilnahm, sagte, er habe beobachtet, wie Polizei und Krankenwagen an ihm vorbeifuhren, dann hörte er eine Reihe von Schüssen. Menschen hätten „Schütze“ und „Lauft“ geschrien, er und seine Familie seien zu ihrem Auto gerannt. „Menschen versteckten sich, Kinder in einem Schockzustand suchten auf der Straße nach ihren Eltern.“

Der Kongressabgeordnete Brad Schneider, der an der Parade teilnehmen wollte, kam gerade vor Ort an, als die Schüsse fielen: „Alle rannten davon. Ich traf auf eine Gruppe kleiner Kinder, die versuchten, ihre Eltern anzurufen, um zu sagen, dass es ihnen gut ginge“, schilderte er gegenüber CNN.

Der Gouverneur von Illinois, J.B. Pritzker, sagte: „Es gibt keine Worte für solch ein Monster, das in eine Menschenmenge mit Familien und Kinder feuert, die mit ihrer Gemeinde den Feiertag begehen wollen.“

Der 21-jährige Schütze hatte am Montagvormittag (Ortszeit) bei der Parade in dem Vorort von Chicago das Feuer eröffnet und mindestens sechs Menschen getötet. Mehr als zwei Dutzend Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht worden. Der Schütze war zunächst noch auf der Flucht. Er sei am Montagabend (Ortszeit) nach kurzer Verfolgungsjagd gestoppt und dann in Gewahrsam worden.

RND/seb/dpa

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