Mittwoch , 28. September 2022
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Landwirt Joachim Wolff steht auf einem verbrannten Stück Feld nur zwanzig Meter hinter seinem Rinderstall. Der Rinderzüchter ist am Montag nur knapp einer Katastrophe entkommen. Am Montag (25.07.) brannte es in der Gegend auf einer Fläche von 800 Hektar. Ein benachbarter Schweinezüchter verlor zwei Ställe und mehrere hundert Tiere an die Flammen. Quelle: Jan Woitas/dpa

„So was habe ich noch nie gesehen“ – Landwirt aus Brandenburg entkommt nur knapp Katastrophe

Falkenberg. Joachim Wolff könnte über die vergangenen 48 Stunden ein Buch schreiben. Der Landwirt aus Kölsa blickt am Mittwochvormittag auf die verbrannte Fläche vor seinen Ställen und schickt einmal mehr einen Dank an die Feuerwehrleute in die Luft. Gerade noch haben sie Restlöscharbeiten vor seinem Hof erledigt, Löschhubschrauber der Bundeswehr fliegen über den Tierzuchtbetrieb Richtung Waldbrandgebiet. Seit Stunden sind die Helfer wieder im Einsatz, um den Großbrand im Elbe-Elster-Kreis auf 800 Hektar einzudämmen. Auf 500 Hektar ist das Feuer noch aktiv, Kreisbrandmeister Steffen Ludewig klingt etwas optimistischer, als er sagt: Der Brand ist unter Kontrolle.

Das Feuer, das am Montag ausbrach und sich aufgrund von Wind innerhalb kürzester Zeit auf eine Größe von fast 1200 Fußballfeldern durch Wald, Wiese und Acker fraß, griff auch nach dem Hof der Familie Wolff. Kölsa, ein Ortsteil von Falkenberg, hatte wie Rehfeld und Kölsa-Siedlung eine Evakuierungsaufforderung bekommen. „Wir haben gesagt, wir lassen unsere Tiere nicht allein“, erzählt der 65-Jährige. Der Hof ist sein Lebenswerk, seit 1993 lebt er dort mit seiner Frau Bärbel und zwei Kindern.

„Es hat lichterloh gebrannt“

Nach dem Ausbruch des Feuers am Montag setzten er und seine Nachbarn sich in ihre Landmaschinen und halfen zunächst den Einsatzkräften der Feuerwehr, gruben Äcker um, fuhren Schneisen, um die Feuersbrunst zu stoppen. Zunächst gelang das auch, aber dann brach ein Sturm los, der das Feuer immer weiter trug, berichtet Wolff. Die Koppeln brannten lichterloh. Da fuhr er zur Familie und den Tieren, die Feuerwalze in Sichtweite. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, sagt Wolff.

„10 Meter vor unserem Hof wurden die Flammen gestoppt, das war wirklich sehr knapp, es brannte lichterloh“, berichtet der Rinderzüchter. Wenn die Feuerwehren nicht so schwer gearbeitet hätten, würde es seinen Betrieb nicht mehr geben, ist er überzeugt.

Seine 100 Rinder stehen an diesem Vormittag in den Ställen und fressen ruhig das Heu. Hätte der Brand auf die vielen Strohballen übergegriffen, hätten Hof und angrenzende Gebäude keine Chance gehabt, sagt der Landwirt. „Meine Familie hat nichts mehr verstanden, war völlig aufgeregt, es hat lichterloh gebrannt.“

Nicht weit entfernt von Wolff hatte sich am Montagabend in einem Schweinemastbetrieb ein Drama abgespielt. Hunderte Tiere in zwei Ställen verendeten im Feuer. „Den Landwirt hat das sehr mitgenommen, er lebt für seine Schweine“, erzählt Wolff über seinen Nachbarn. Den Tod der Tiere konnten auch die rund 400 Einsatzkräfte im Waldbrandgebiet nicht verhindern, die mittlerweile am Rande ihrer Kräfte sind. Es ist nicht der erste Brand in diesem Jahr. Hilfe kommt aus vier Bundesländern.

Der nahe Kiebitzsee in Falkenberg diente in den vergangenen Tagen zur Aufnahme von Löschwasser. Bundeswehrhubschrauber holten ununterbrochen Wasser von dort. Für Badegäste war er deshalb gesperrt. Pauline, Sonja, Sarah und Cora wollten eigentlich dort die Ferien genießen. Kurzzeitig seien sie enttäuscht gewesen, berichtet Cora, deren Familie am Bahnhof in Rehfeld wohnt und die Häuser dort nicht von der Evakuierung betroffen waren. Gut schlafen konnte die vergangenen Tage aber niemand der Mädchen.

Die Vier planten auf Wanderungen und einen Kinobesuch um. Am Ende ist ihr Verständnis belohnt worden: Der See ist nach Angaben des Landkreises seit Mittwochnachmittag wieder für alle Badelustigen zugänglich, die Löschhubschrauber wurden nach ihrem erfolgreichen Einsatz abgezogen. Vor dem Sprung ins kühle Nass aber brachten die Teenies einen selbst gebackenen Schokoladenkuchen zur Feuerwehr nach Falkenberg. „Dafür, dass sie uns so beschützt haben“, sagt Cora. Ein aus Mandeln geformtes großes „Danke“ steht auf dem Kuchen.

RND/dpa