Dienstag , 27. September 2022
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Teilnehmer einer Versammlung demonstrieren Anfang Januar in der Magdeburger Innenstadt (Archivbild). Quelle: Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Nach Morddrohungen von Corona-Leugnern: Ärztin in Österreich tot aufgefunden

In Österreich ist die Allgemeinmedizinerin Lisa-Maria Kellermayr am Freitagmorgen tot in ihrer Praxis aufgefunden worden. Die örtliche Staatsanwaltschaft schließt ein Fremdverschulden aktuell aus. Demnach sei keine Obduktion angeordnet worden. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und die österreichische Zeitung „Der Standard“ hatten zunächst hierüber berichtet.

Kellermayr hatte monatelang Morddrohungen aus der Szene der Impfgegner und Corona-Leugner erhalten. Die Ärztin habe den Berichten zufolge Ende Juni angekündigt, ihre Praxis in Seewalchen am Attersee vorübergehend zu schließen.

Sie habe sich schlicht die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen, darunter auch einen Wachmann, nicht mehr leisten können. Mitte dieses Monats machte die Medizinerin ihre Praxis endgültig zu. Sie habe ihren Mitarbeitenden keine Perspektive mehr bieten können, „unter normalen Umständen“ zu arbeiten, berichtet der „Spiegel“.

„Dieser Hass muss endlich aufhören“

„Ich habe so viel Geld und Kraft hineingesteckt“, sagte Kellermayr dem Magazin zuletzt. Es sei seit Schultagen ihr Traum gewesen, als Ärztin in ihrer eigenen Praxis Menschen zu helfen. Von den Polizeibehörden hingegen fühlte sich die Ärztin im Stich gelassen, berichtet „Der Spiegel“.

„Die Nachricht über den Tod von Dr. Kellermayr bestürzt mich zutiefst. Als Ärztin hat sie ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet“, schreibt der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch auf Twitter. „Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität.“

„Dieser Hass muss endlich aufhören“, fordert der Politiker. Hass gegen Menschen sei unentschuldbar, schreibt Rauch. „Meine Gedanken sind bei der Familie und den Angehörigen von Dr. Kellermayr.“

Deutsche Behörden sehen Drohungen durch Meinungsfreiheit gedeckt

Die Herkunft der Drohschreiben ist den Angaben zufolge weiterhin ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft im österreichischen Wels habe bereits Hinweise an das Landeskriminalamt Berlin übergeben, die auf die rechtsextreme Szene in Deutschland hindeuten. Laut „Spiegel“ ist den Behörden in Berlin bereits ein Verdächtiger bekannt.

Kellermayr ging offenbar juristisch gegen verschiedene Drohungen vor. Ein Mann aus Oberbayern schrieb demnach erst vor wenigen Tagen, die Ärztin werde vor ein „Volkstribunal gezerrt werden“. Laut den deutschen Behörden sei die Aussage jedoch von der Meinungsfreiheit gedeckt, berichtet „Der Spiegel“.

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern: Telefonhotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste: (0800) 111 0 111 (ev.); (0800) 111 0 222 (rk.); (0800) 111 0 333 (für Kinder/Jugendliche); E‑Mail unter www.telefonseelsorge.de

RND/alx

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