Donnerstag , 6. Oktober 2022
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Auf dem Weihnachtsmarkt in Lübeck (Archivbild). Quelle: dpa

Lübeck will Gebühren für Weihnachtsmarktschausteller halbieren

Lübeck. Die Stadt Lübeck hat beschlossen, den Standbetreibern auf dem Weihnachtsmarkt 2022 die Hälfte der Standgebühren zu erlassen. Der Veranstalter des Weihnachtsmarkts, die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM), soll für den Einnahmeverlust entschädigt werden – mit bis zu 250.000 Euro. Das sieht eine Vorlage der Wirtschaftssenatorin Pia Steinrücke (SPD) vor, über die der Hauptausschuss der Bürgerschaft nächste Woche abstimmt. Dieter Voß, Vorsitzender der Lübecker Schausteller, sagt: „Darüber sind wir sehr glücklich. Lübeck tut eine gute Tat.“

Zwischen 800.000 und eine Million Menschen besuchten schätzungsweise den Weihnachtsmarkt im vergangenen Jahr – üblich sind zwei Millionen Besucher. Grund waren laut Verwaltung die Corona-Schutzmaßnahmen wie 2G. Reisegruppen und Tagestouristen seien ausgeblieben.

Andere Entlastungsmöglichkeiten als zu bürokratisch verworfen

Dieter Voß beziffert die Umsatzverluste mit 50 bis 60 Prozent. „Wir waren froh, dass der Weihnachtsmarkt überhaupt stattfinden konnte“, sagt der Vorsitzende der Schausteller, „aber vor allem die großen Imbiss- und Glühweinstände mit viel Personal hatten deutlich weniger Umsatz.“ Laut Verwaltung seien steigende Kosten für Corona-Maßnahmen bei gleichzeitigem Umsatzrückgang für einige Standbetreiber existenzbedrohend gewesen.

Über finanzielle Hilfen für die Standbetreiber wird schon seit Monaten im Rathaus diskutiert. Vor allem die Unabhängigen forcierten das Thema und forderten, dass den Schaustellern die Gebühren für den Weihnachtsmarkt 2021 erlassen werden. Die Verwaltung und die LTM prüften verschiedene Varianten, die aber allesamt verworfen wurden. Weil sie sich als zu bürokratisch erwiesen.

Stattdessen werden die Standgebühren für den kommenden Weihnachtsmarkt um die Hälfte reduziert. Ausgenommen sind Nebenkosten wie Wasser oder Müllgebühren. Die Verwaltung liefert dazu Rechenbeispiele: Ein Imbissstand mit 36 Quadratmetern Fläche zahlt üblicherweise mit Nebenkosten 10.184 Euro. Weihnachten 2022 fallen nur 5360 Euro an. Ein Mutzenstand mit 12,5 Quadratmetern spart 850 Euro Gebühren, ein Kunsthandwerksstand mit 18 Quadratmetern in der oberen Breite Straße zahlt 609 statt 1178 Euro.

„Das verschafft uns ein bisschen Luft“

„Das verschafft uns ein bisschen Luft“, sagt Dieter Voß. Auch andere Städte würden ihren Schaustellern auf diese Weise helfen – beispielsweise Kiel und aktuell Hamburg für die Standbetreiber auf dem Dom.

„Alle Standbetreiber wollen zum Weihnachtsmarkt 2022 wiederkommen“, versichert Dieter Voß. Laut Stadtverwaltung ist die Lage auch in diesem Jahr ungewiss, im Herbst seien auch kurzfristige Einschränkungen und Veranstaltungsabsagen zu befürchten. Standbetreiber würden bei der Planung und bei Vertragsabschlüssen für den Weihnachtsmarkt wirtschaftliche Risiken eingehen, da sie zum Teil schon jetzt Investitionen tätigen und Waren für die Weihnachtsmärkte bestellen müssten.

Der Erlass der Standgebühren könne das wirtschaftliche Risiko der Schausteller reduzieren. Zugleich leiste diese Maßnahme einen Beitrag, um die Marke „Weihnachtsstadt des Nordens“ zu stärken.

Grüne und FDP sind noch skeptisch

Von den Politikern, die letztendlich über die Hilfe entscheiden, kommen überwiegend positive Signale. „Wir haben uns immer für eine Entlastung der Schausteller eingesetzt“, sagt Oliver Prieur (CDU), „die Branche ist durch Corona angeschlagen.“ Die schwierige Lage der Branche sei erkannt worden, erklärt Detlev Stolzenberg (Unabhängige): „Wir freuen uns sehr, dass diese Lösung entwickelt wurde.“ Es wäre für den Weihnachtsmarkt fatal, wenn nur die Hälfte der Stände da wären, weil sich die Betreiber die Veranstaltung wirtschaftlich nicht mehr leisten könnten, sagt Peter Petereit (SPD). „Wir begrüßen diese vernünftige Lösung.“

Die Grünen diskutieren noch. Ebenso die Liberalen. Fraktionschef Thomas Rathcke hat Sorgen, „dass wir mit dieser Unterstützung ein Fass aufmachen“. Immer mehr Veranstalter – Travemünder Woche, Duckstein-Festival – würden über kommunale Unterstützung reden, gibt Rathcke zu bedenken.

Von Kai Dordowsky/RND