Sonntag , 27. September 2020
Letizia (von links), Königin von Spanien, ihr Mann Felipe VI., König von Spanien, und dessen Eltern Juan Carlos und Sofia nehmen an einer Gala in Madrid teil. Quelle: Jack Abuin/Zuma Press/dpa

Skandal um Juan Carlos: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Der spanische Ex-König Juan Carlos steht momentan wegen eines Korruptionsskandals im Rampenlicht. Der 82-Jährige hat mittlerweile das Land verlassen, nach Medienberichten schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung. Was über den Fall bisher bekannt ist.

Der ehemalige König Juan Carlos verlässt Spanien wegen “öffentlichem Widerhall auf gewisse Episoden” seines früheren Privatlebens. Gerüchte um angebliche Schmiergeldzahlungen lassen den 82-Jährigen nicht los. Jetzt zieht er die Konsequenzen aus dem Skandal, kehrt seiner Heimat den Rücken zu und geht ins Ausland. Was wir bisher über den Fall wissen.

Warum hat Juan Carlos das Land verlassen?

Der spanische Ex-König möchte mit seiner Entscheidung die Krone schützen. “Angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen”, wolle er mit seiner Entscheidung die Arbeit seines Sohnes als Staatschef erleichtern. Das schrieb Juan Carlos in einem Brief an seinen Sohn Felipe in deutlicher Anspielung auf die vom Obersten Gericht Anfang Juni gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen.

Weswegen ermittelt die spanische Justiz gegen ihn?

Im Skandal geht es um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium. Juan Carlos soll 2008 von den Saudis 100 Millionen US-Dollar kassiert haben. Damals genoss er als Monarch noch Immunität. In Zusammenhang mit dieser Zahlung wird Juan Carlos aber der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung nach seiner Abdankung im Juni 2014 verdächtigt.

Die von mehreren spanischen Firmen gebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mekka und Medina wurde im Oktober 2018 eingeweiht. Für die rund 450 Kilometer benötigt der “Al Haramain”-Schnellzug etwa zwei Stunden. Für die Passagiere, darunter Millionen Pilger, verkürzte sich die Fahrzeit um über 50 Prozent.

Was droht dem König?

Was dem König drohen könnte, ist abhängig vom Ergebnis der Ermittlungen. Klar ist nur: Bis 2014 genoss der König wegen seines Amtes Immunität – seit seiner Abdankung allerdings nicht mehr. Sollten sich Vorwürfe aus der Zeit nach 2014 erhärten, kann gegen Juan Carlos ermittelt und eine Strafe verhängt werden.

Wo ist Juan Carlos jetzt?

Wo sich Juan Carlos am Dienstag aufhielt, war zunächst unbekannt. Nach Medienberichten hat er allerdings das Land schon vor der amtlichen Ankündigung seiner Auswanderung heimlich verlassen. Der 82 Jahre alte Vater von König Felipe VI. sei bereits am Wochenende ausgereist, berichteten der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RTVE und andere spanische Medien am Dienstag unter Berufung auf das Königshaus.

Wie geht es mit seiner Familie weiter?

Gattin Sofía wird laut spanischen Medien nicht mit ins Ausland gehen. Die 81-Jährige hatte bereits vor einigen Tagen ihren Sommerurlaub auf Mallorca begonnen. Auf der Mittelmeerinsel werden ihr Sohn Felipe, Königin Letizia (47), Kronprinzessin Leonor (14) und Infantin Sofía (13) am Freitag erwartet. Die “Familia real” wird wieder in ihrer Sommerresidenz unterkommen, dem Marivent-Palast bei Palma.

Wie ist das Verhältnis zu seinem Sohn Felipe, dem spanischen König?

Am 15. März dieses Jahres gab König Felipe in einer Erklärung bekannt, dass er notariell auf jedes Erbe verzichtet habe, dessen “Ursprung, Eigenschaften oder Zweck nicht im Einklang mit der Legalität stehen könnten”. Damit erklärte er seinen Vater zum potenziellen Kriminellen. Anlass für diese Erklärung war eine Information, dass Juan Carlos über ein undurchsichtiges Millionen-Stiftungsvermögen in Panama verfüge. Dass das spanische Königshaus am Montagabend den Brief von Juan Carlos an seinen Sohn öffentlich machte, kann als weiteres Indiz dafür gesehen werden, dass Felipe seinen Vater fallen ließ.

Wie reagiert die internationale Presse?

“El Mundo” schreibt, dass nicht einmal eine so dramatische Geste wie die von Juan Carlos den Kreuzzug jener stoppen wird, die die Abschaffung der Monarchie als Ziel haben. Das Schlimme wäre, dass es darunter auch welche gäbe, die im Kabinett sitzen. Für “El País” ist Juan Carlos der “Mann, der sich sein Schicksal verdient hat”.

Die konservativ-monarchistische Tageszeitung “ABC” schreibt, dass der Rückzug die Geschichte einer “großartigen Regierungszeit von 39 Jahren nicht schmälern” könne, in welcher das Land ein “unvorstellbares Wohlstandsniveau” erreicht habe. Die “Times” sieht in seiner Zustimmung, im Ausland zu leben, ein “Eingeständnis, dass die Monarchie so beschädigt ist, dass ihr langfristiges Überleben ungewiss ist”.

Wie verlief die Amtszeit von Juan Carlos als König?

Der heute 82-jährige Juan Carlos war von dem 1975 gestorbenen Diktator Francisco Franco zu seinem Nachfolger als spanisches Staatsoberhaupt bestimmt worden. Gegen den Willen seines Mentors half der junge König Spanien auf dem Weg in die Demokratie. Seit der Verabschiedung der demokratischen Verfassung von 1978 war Juan Carlos legitimer – und sehr geschätzter – König aller Spanier. Bei einem Staatsstreichversuch 1981 stellte er sich klar vor die Verfassung.

Erst in den Zehnerjahren dieses Jahrhunderts bekam sein makelloser Ruf in Spanien Sprünge. So kostete ihn eine Anekdote, die zu anderen Zeiten kaum für Aufsehen gesorgt hätte, schließlich den Thron: Ein Elefantenjagdausflug nach Botswana an der Seite seiner deutschen Freundin Corinna zu Sayn-Wittgenstein im Jahr 2012, inmitten einer schweren Wirtschaftskrise, bei dem er sich eine Hüfte brach, nötigte ihm eine öffentliche Entschuldigung ab. Zwei Jahre später erklärte er seinen Verzicht auf die Krone.

RND/ak/md mit dpa