Montag , 21. September 2020
Robert Gaa: Der Discjockey und Veranstalter ist neuer Nachtbürgermeister in Mannheim. Quelle: Hendrik Meier/dpa

Robert Gaa im Gespräch: Mannheims neuer Nachtbürgermeister will Clubs helfen

Der DJ und Veranstalter Robert Gaa ist Mannheims neuer Nachtbürgermeister – ein besonderes Amt in Deutschland, das sich in der Pandemie neu gestaltet. Wo vor allem sonst die Vermittlung zwischen Club- und Kneipenbetreibern und Anwohnern im Fokus steht, geht es jetzt auch um die Rettung der Szene.

Mannheim. Das Nachtleben ist seine Welt, jetzt auch in offizieller Funktion: Der DJ und Veranstalter Robert Gaa (30) ist seit Samstag Mannheims neuer Nachtbürgermeister. Sein Vorgänger Hendrik Meier, der ihn noch bis Ende des Jahres unterstützt, wurde 2018 als erster Nachtbürgermeister Deutschlands in das Amt gewählt. In anderen Ländern gab es das Konzept schon vorher, so arbeitet Amsterdam beispielsweise schon länger mit einem “Night Mayor”.

Mittlerweile nehmen sich auch andere deutsche Städte ein Beispiel daran. Gaa, der seit fünf Jahren in der baden-württembergischen Stadt lebt, spricht von einer “Vorbildfunktion” in Mannheim. “So wie ich das mitbekommen habe, sind auch die Beschwerden der Anwohner zurückgegangen, seitdem der Nachtbürgermeister im Amt ist.” So arbeitet auch Berlin seit Kurzem mit einer Nachtbürgermeister-Streife im Regenbogenkiez. Heidelberg hat ebenfalls bereits Kandidaten für ein solches Amt aufgestellt. Und auch Dortmund und Stuttgart denken über einen “Night-Mayor” nach.

Vermittlung zwischen Club- und Kneipenbetreibern und Anwohnern

Tatsächlich gehört es eigentlich zu den Aufgaben von Gaa, zwischen Betreibern von Clubs und Kneipen und Anwohnern, die sich wegen Lärm oder Müll beschweren, zu vermitteln – wobei die Clubs aktuell während der Corona-Krise noch geschlossen sind. So verlagert sich sein Tätigkeitsfeld etwas. “Das Hauptaugenmerk liegt darauf, wie man die Clubbetreiber und Clubbetreiberinnen, Gastronomen und Gastronominnen, Veranstalter und Veranstalterinnen unterstützen kann, durch die Zeit zu kommen”, erklärt Gaa, der bis vor Kurzem noch als Maschinenbautechniker arbeitete und nebenbei als DJ. Dann gab er seinen Job auf, um sich auf den Kulturbereich zu fokussieren. Da kam die Ausschreibung zum Nachtbürgermeister gerade richtig. “Das war genau das, was ich machen wollte.” Angestellt ist er nun bei der Kulturellen Stadtentwicklung Startup, einer Tochter der Stadt Mannheim.

Jetzt kann er sich hauptamtlich damit beschäftigen, wie man das Nachtleben in der rund 300 000-Einwohner-Stadt weiterentwickeln kann, und zwar “auch nachhaltig, sodass die ganze Stadt einen Mehrwert davon hat”. Eine Idee dafür hat Gaa schon, “die Schaffung von Freiflächen, für die man sich mit einer kurzen Frist anmelden kann und da Veranstaltungen durchführen kann”. Gerade in der Corona-Krise sehe er das als Chance, “dass man wieder Angebote schaffen kann und Menschen wieder aus dem Jungbusch herausholt, da sich hier sehr viel ballt”. Der Jungbusch ist Mannheims Partyviertel. Gaa will Gegenangebote schaffen, sodass sich nicht alles auf einen Stadtteil beschränkt.

Partys verlagern sich auf die Straße

Denn: Nur weil die Clubs geschlossen sind, heißt das nicht, dass die Menschen nicht mehr feiern. Vieles verlagert sich nach draußen – in Städten wie Stuttgart und Frankfurt hat das auf öffentlichen Plätzen für Krawalle gesorgt. Polizisten wurden angegriffen, Geschäfte geplündert. Auch in Mannheim kommt es laut Gaa zu Ansammlungen. Die Stadt habe aber “gute Schritte unternommen, um solche Situationen wie in Frankfurt oder Stuttgart zu unterbinden”. So werde mit den Menschen im Partyviertel in den Dialog getreten.

Der Mann mit den schwarzen Haaren sieht sich in seinem Amt vor allem als Vermittler zwischen Partygängern, Club- und Kneipenbetreibern und Anwohnern. Das macht er trotz des Titels als Nachtbürgermeister vor allem am Tag und nicht nur am Wochenende, wenn in der Stadt gefeiert wird. Dann sei er zwar auch mal im Jungbusch unterwegs, “aber man bearbeitet die Beschwerden, Anträge und Konzepte schon eher am Tag”.

Von Hannah Scheiwe/RND