Mittwoch , 23. September 2020
Polizisten im Einsatz. (Archivfoto) Quelle: picture alliance / Andreas Gora

Empörung: Polizei lässt Luft aus Reifen von Fahrrad-Aktivisten

In Nürnberg lässt die Polizei Luft aus den Reifen von Fahrrad-Aktivisten, ein Video davon sorgt für Empörung. Die Beamten verteidigten ihr Vorgehen und verweisen auf zahlreiche Verstöße der Teilnehmer der nicht genehmigten Versammlung.

Nürnberg. Die Nürnberger Polizei hat Fahrrad-Aktivisten die Luft aus den Reifen gelassen. In den sozialen Medien gibt es dafür viel Kritik. Dort macht ein Video die Runde, das zeigen soll, wie sich die Polizisten an den Rädern zu schaffen machen. Die Beamten verteidigten ihr Vorgehen am Montag damit, dass die Versammlung am Freitag nicht bei den Behörden angemeldet worden sei. Die Grünen fordern nun, das Vorgehen von Stadt und Polizei politisch aufzuarbeiten.

Elf Aktivisten hätten rote Ampeln überfahren, Vorfahrten missachtet und die Hinweise der Beamten ignoriert, dass die Versammlung nicht genehmigt sei, teilte das Polizeipräsidium Mittelfranken mit. Statt die Räder sicherzustellen, hätten die Polizisten deshalb die Luft abgelassen. „Hierbei handelte es sich sicherlich um eine ungewöhnliche Maßnahme, stellt aber den geringsten Eingriff in die Rechte der uneinsichtigen Betroffenen dar, um die mit Beharrlichkeit begangenen Verstöße zu unterbinden“, hieß es in der Pressemitteilung. Der Großteil der mehr als 150 Teilnehmer sei am Freitag nach der Auflösung der Versammlung davongefahren. Gegen 40 verhängten die Beamten Platzverweise.

Stadt Nürnberg stuft Aktion der Fahrrad-Aktivisten als Demonstration ein

Wie in vielen anderen Städten treffen sich in Nürnberg einmal im Monat Fahrradfans zu einer Tour durch die Stadt, um sich als „Critical Mass“ für die Rechte der Radlerinnen und Radler einzusetzen. Weil kein Veranstalter die Touren organisiert, diese keine feste Strecke haben und es keine konkreten politischen Forderungen gibt, versteht sich die Bewegung nicht als Demonstration. Doch die Stadt Nürnberg stuft diese inzwischen als Versammlung ein und fordert für eine Genehmigung einen Versammlungsleiter und dass die geplante Strecke gemeldet wird.

RND/dpa