Dienstag , 29. September 2020
Blick auf die von dem italienischen Architekten Piano entworfene Brücke San Giorgio in Genua. Quelle: Gian Mattia D'Alberto/LaPresse/A

Neue Brücke nach Katastrophe in Genua eingeweiht: Symbol für Italiens Wiedergeburt

Zwei Jahre nach dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua wird am Montagabend die Einweihung des Ersatzbaus gefeiert. Dafür reiste Staatspräsident Sergio Mattarella in die Hafenstadt, die mit der neuen San-Giorgio-Brücke wieder eine wichtige Verkehrsader bekommt. An der Einweihungszeremonie gibt es aber auch Kritik.

Genua. Knapp zwei Jahre nach dem tödlichen Brückeneinsturz von Genua hat Italiens Staatsspitze den fertigen Neubau offiziell eröffnet. Für den Festakt am Montag hatten sich die Ehrengäste auf der Fahrbahn hoch über der ligurischen Hafenstadt versammelt. Schon vorher würdigten Politiker das Bauwerk als Signal für den Aufbruch des Landes, das von der Corona-Krise schwer gezeichnet ist. „Aus einer Wunde, die nach wie vor nur schwer heilt, erhebt sich das Symbol eines neuen Italiens“, schrieb Ministerpräsident Giuseppe Conte auf Facebook. Der Premier sowie Staatspräsident Sergio Mattarella, mehrere Minister aus Rom und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens waren anwesend.

Regen und Sonnenschein wechselten sich kurz vor Beginn der Feier ab. Außerdem war zeitweise ein Regenbogen am grauen Himmel zu sehen.

Angehörige und Feuerwehrleute üben Kritik

An der Einweihungszeremonie wollten Angehörige der 43 Menschen, die bei dem Einsturz ums Leben kamen, nicht teilnehmen. Auch Feuerwehrleute, die die Toten bergen mussten, wollten der Feier fernbleiben. Sie kritisieren, dass dieselbe Firma, die die eingestürzte Morandi-Brücke unzureichend gewartet habe, zumindest für die nächste Zeit für die Instandhaltung der neuen Brücke zuständig sein solle. Hinterbliebene erklärten sich bereit, Mattarella außerhalb der Zeremonie zu treffen.

Am 14. August 2018 war die Morandi-Brücke bei einem Unwetter eingestürzt, 43 Menschen starben. Die Zeremonie am Montag begann um 18.30 Uhr mit der Verlesung der Opfernamen, gefolgt von einer Schweigeminute und Reden.

„Wir hoffen, dass auch nach diesem Tag das Andenken an die Opfer nicht vergessen wird“, hatte Egle Possetti vom Angehörigen-Komitee im Fernsehsender Sky TG24 gesagt. „Es muss einen Prozess geben.“ Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen der Schuld am Brückeneinsturz und möglicher Wartungsmängel laufen noch.

Brücke als Symbol für einen schnellen Wiederaufbau

Die Bilder des Unglücks hatten Italien schockiert. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise gilt die über einen Kilometer lange Konstruktion als Symbol für einen schnellen Wiederaufbau. Genuas Bürgermeister Marco Bucci sprach am Montag vorab von einer „Botschaft der Hoffnung“, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Der Bau auf 18 hohen Pfeilern war vom Stararchitekten Renzo Piano (82) entworfen worden. Die Bauarbeiten gingen auch während der Sperren in der Corona-Pandemie voll weiter. Der normale Verkehr soll ab Mitte der Woche rollen.

RND/dpa/AP