Freitag , 25. September 2020
Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien. Quelle: Francisco Flores Seguel/Agencia

In Korruptionsskandal verwickelt: Ex-König Juan Carlos verlässt Spanien

Der ehemalige König Juan Carlos I. verlässt Spanien. Zur Begründung nennt er “öffentlichen Widerhall auf gewisse Episoden” seines früheren Privatlebens, gegen ihn wird wegen möglicher finanzieller Unregelmäßigkeiten ermittelt. Wohin er geht, lässt der frühere Monarch offen.

Madrid. Der von einem Skandal um angebliche Schmiergeldzahlungen bedrängte spanische Ex-König Juan Carlos verlässt seine Heimat und zieht ins Ausland um. Das teilte der 82-Jährige seinem Sohn und Nachfolger Felipe VI. in einem am Montag vom Königshaus in Madrid veröffentlichten Brief mit.

Mit seiner Entscheidung wolle er dazu beitragen, die Ausübung der Arbeit seines Sohnes als Staatschef zu erleichtern, „angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen“, schreibt Juan Carlos in deutlicher Anspielung auf die im Juni gegen ihn eingeleiteten Justizermittlungen.

„Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit großer Ruhe treffe“, betont der emeritierte König.

Juan Carlos soll Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen Dollar kassiert haben

In der sogenannten „Affäre um den Wüsten-Zug“ ermitteln die für Korruption und Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden schon seit 2018. Im Jahr 2008 soll Juan Carlos Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien kassiert haben.

Die von mehreren spanischen Firmen gebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Mekka und Medina wurde im Oktober 2018 eingeweiht. Für die rund 450 Kilometer benötigt der „Al Haramain“-Schnellzug etwa zwei Stunden. Für die Passagiere, darunter Millionen Pilger, verkürzte sich die Fahrzeit um über 50 Prozent.

RND/dpa