Donnerstag , 13. August 2020
Warum rund 300 Elefanten in Botswana starben, ist nach wie vor nicht geklärt. Quelle: Uncredited/hons/AP/dpa

Elefantensterben in Botswana: Tests bringen keine Erklärung

Mindestens 281 Elefanten starben seit April im Okavangodelta in Botswana, doch noch immer ist die Todesursache unklar. Tests schließen zwar einige Krankheiten aus, die Lösung für das Rätsel ist aber noch nicht gefunden. Ein natürlich entstandenes Gift gilt als wahrscheinlichster Grund.

Gaborone. Mindestens 281, vielleicht sogar bis zu 400 Elefanten sterben innerhalb kürzester Zeit – doch warum, ist nach wie vor unklar. Erste Obduktionsergebnisse und Tests lassen aber darauf schließen, dass wahrscheinlich ein natürlich entstandenes Gift für den Tod der Elefanten verantwortlich ist.

“Es ist nahezu ausgeschlossen, dass eine Infektionskrankheit der Grund ist”, sagte nun Cyril Taolo, Chef des Ministeriums für Wildtiere und Nationalparks, der Nachrichtenagentur Reuters. Das hätten die Vergleiche von Tests aus Botswana, Südafrika, Simbabwe und den USA ergeben. “Wir fokussieren uns jetzt auf die Untersuchung von verschiedenen natürlichen Faktoren wie zum Beispiel natürlich produzierten Giftstoffen durch Bakterien, die in der Umwelt, etwa in Gewässern, vorkommen”, so Taolo.

Tierschützer fürchten um die Elefantenpopulation im Okavangodelta

Bevor der Auslöser für das Massensterben bekannt ist, sind weitere tote Tiere nicht ausgeschlossen. Die Organisation Future for Elephants berichtet auf Twitter, dass es nun auch einen ersten bestätigten toten Elefanten in Namibia gibt. Das Okavangodelta, in dem seit Mitte April laut offiziellen Angaben fast 300 der geschätzt 18.000 Elefanten starben, grenzt an Namibia. Wilderei und eine äußere Vergiftung wurden schnell ausgeschlossen – denn die Stoßzähne waren noch an den Kadavern und andere Tiere, die sich beispielsweise von Aas ernähren, waren nicht vom Massensterben betroffen.

Auch für Taolo ist das Warten auf die Todesursache ein Geduldsspiel. “Es geht um das Ausschließen von Ursachen. Wir fangen an, die häufigsten Ursachen zu testen und dann zu den seltenen überzugehen”, sagte Taolo. Blut-, Gewebe- und Organproben wurden den toten Elefanten entnommen. Taolo setzt Hoffnungen in toxikologische Untersuchungen – die Tests hierfür werden gerade in Südafrika gemacht, bald sollen Ergebnisse vorliegen. Diese müssten dann aber erst abgeglichen und verifiziert werden, ehe man damit an die Öffentlichkeit gehe.

Neue Flüge über dem Delta: Keine weiteren Kadaver gefunden

Verschiedene Tierschutzorganisationen zeigen sich sehr besorgt, dass über solch einen langen Zeitraum noch kein Auslöser festgestellt werden konnte. Während Experten fürchteten, dass mit der Zeit der gesamte Bestand im Okavangodelta betroffen sein könnte, hat sich die Lage offenbar zumindest ein wenig beruhigt: Weder Tierschützer noch Regierung berichten von neuen Funden von Kadavern. Dennoch: Das Massensterben ist eines der größten, das weltweit je bekannt wurde.

Der Regierung warfen viele Tierschützer lange vor, die Katastrophe verheimlichen zu wollen. So wurden zwar lokal nach ersten Medienberichten im April und Mai Tests angekündigt – allerdings war damals von rund 60 Kadavern die Rede. Das Ausmaß der Tragödie erfuhr die Öffentlichkeit erst, als Save the Elephants angab, bei Flügen über das Delta 356 tote Tiere gezählt zu haben.

Tierschützer kritisieren Regierung – die kontert mit Corona-Verzögerungen

“Der Regierung ist das internationale Interesse unangenehm. Sie musste etwas tun wegen der Medienberichte”, sagt Michele Pickover von der Organisation EMS Foundation dem Magazin “Spektrum”: “Wenn es ihr möglich gewesen wäre, es geheim zu halten, hätte sie es gemacht”. Die Regierung hingegen verteidigte sich: Geschlossene Grenzen, die Corona-Pandemie und Grenzen von Testzentren hätten zu einer Verzögerung geführt.

Rund 410.000 Afrikanische Elefanten leben noch, davon allein 130.000 in Botswana – so viele wie in keinem anderen Land. Das Okavangodelta und der benachbarte Chobe-Nationalpark gelten als Eldorado für Elefantenliebhaber, dort leben die größten Populationen.

Von Miriam Keilbach/RND