Donnerstag , 13. August 2020
An den Folgen des vergifteten Alkohols starben 67 Menschen (Symbolbild).

Vergifteter Alkohol: Fast 100 Menschen sterben in Indien

Vermutlich an vergiftetem Alkohol sind in Indien bisher 100 Menschen gestorben. Bei den Opfern handelt es sich um Dorfbewohner. Die Polizei nahm ein Dutzend Menschen fest, darunter Eigentümer von Brauereien und Menschen, die illegal gebrauten Alkohol verkauft haben sollen.

Neu Delhi. Die Zahl der Toten nach dem Genuss von vermutlich vergiftetem Alkohol ist im Norden Indiens binnen weniger Tage auf fast 100 gestiegen. Bis Sonntag seien 98 Tote gemeldet worden, teilte die Polizei im Bundesstaat Punjab mit. Die Opfer, hauptsächlich arme Bauern und Arbeiter in drei Bezirken von Punjab, hatten am Mittwoch den Alkohol getrunken, der ersten Ermittlungen zufolge die Chemikalie Methanol enthielt, wie ein Polizeisprecher sagte. Die ersten Toten wurden am selben Tag gemeldet. Die Polizei beschlagnahmte daraufhin bei Razzien in verschiedenen Dörfern Hunderte Liter illegal gebrauten Alkohols und nahm 25 Menschen fest.

Das Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol floriert

In Indien floriert das Geschäft mit illegal gebrautem Alkohol, weil er deutlich günstiger ist als der kommerziell produzierte. Er enthält aber oft Methanol, das beispielsweise in Frostschutzmittel verwendet wird. Die Chemikalie kann Blindheit verursachen und zum Tode führen. Jährlich sterben im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land laut Regierungsangaben rund tausend Menschen nach dem Genuss solchen Alkohols. Dieser jüngste Vorfall ist der bisher folgenschwerste in diesem Jahr.

Die meisten Toten gab es mit 75 im Bezirk Tarn Taran, wie die Polizei weiter mitteilte. In den Städten Amritsar und Batala starben bisher 23 Menschen. Mitglieder der Oppositionspartei Aam Aadmi hielten Proteste in verschiedenen Orten von Punjab ab und warfen der Regierung “Fahrlässigkeit” vor, die zum Tode der meist armen Menschen geführt habe. Die Regierung von Punjab setzte bisher einige Verbrauchssteuern aus und suspendierte sechs Polizisten vom Dienst. Zudem ordnete sie Ermittlungen an und kündigte an, die Hersteller hart zu bestrafen.

RND/dpa