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Der Komiker Bastian Bielendorfer (Archivbild). Quelle: picture alliance / Geisler-Fotopress

Bielendorfer nach Kritik an Gelsenkirchen in der Heimat nicht mehr erwünscht? Oberbürgermeisterin reagiert unwirsch

Der Comedian Bastian Bielendorfer spricht in dem Podcast „Brost Cast – Reden übers Revier“ mit Hajo Schumacher über das Ruhrgebiet und explizit über die Stadt Gelsenkirchen. Dort ist der 38-Jährige aufgewachsen. Seine Familie lebt auch heute noch in der Ruhrgebietsstadt.

In der Podcast-Folge lässt Bielendorfer jedoch kein gutes Haar an seiner Heimatstadt: „Der Stadtpark Gelsenkirchen ist bis heute ein Ort, wo die Tauben sich freiwillig rückwärts vom Baum werfen“, sagt der Komiker pointiert.

Im weiteren Verlauf der Folge wird er dann ernster: In Sachen Stadtentwicklung sei in Gelsenkirchen „in den letzten 30 Jahren alles verschlafen“ worden. „Gelsenkirchen in das absolute Schlusslicht in allem. Das ist einfach bedrückend“, so der Comedian. Ursachen nennt er auch: „Das hat mit politischem Stillstand zu tun, das hat mit zu wenig Engagement von allen Seiten zu tun, mit fehlender finanzieller Unterstützung“, sagt Bielendorfer, dem mit seinem Buch „Lehrerkind – lebenslänglich Pausenhof“ einst der Durchbruch gelang. „Als Jugendlicher würde ich mich hier immer schleunigst verpissen“, formuliert er spitz.

Seine Kritik bezieht er im Interview auch auf das gesamte Ruhrgebiet: „Es gibt keine Visionen fürs Ruhrgebiet, außer dass man jetzt eine Art überdimensionales Bergbaumuseum daraus macht“, so der Comedian.

Oberbürgermeisterin will Auftritte in 2023 verhindern

Sein klares Statement zum Ruhrpott schlug hohe Wellen: Die Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen, Karin Welge (SPD), reagierte auf die Aussagen des Komikers im Rahmen einer Abendveranstaltung des Heimatvereins Buer in der vergangenen Woche (21. September): Dort sagte sie, Bielendorfer sei auf den Bühnen der Stadt im nächsten Jahr nicht erwünscht. Zudem sei sie laut eigener Aussage auch an einen Veranstalter, der viele Events in der Region organisiert, herangetreten und habe ihn aufgefordert, einen Auftritt im nächsten Jahr zu verhindern. Das berichtet die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ (WAZ) über den Abend.

Stellungnahme in Social Media

Auf seinem Instagram-Kanal bezog der Komiker Stellung dazu. „Ich finde den Gedanken der Politik, jemanden wegen freier Meinungsäußerung nicht mehr empfangen zu wollen, sehr fraglich. Das ist nichts anderes als Zensur“, sagte Bielendorfer. Auch zum Verhalten des Veranstalters fand er deutliche Worte: Er „hat sich nicht hinter mich gestellt. Er hat gesagt, dass ich wohl besser meine Klappe hätte halten sollen.“ Mit dem Veranstalter werde er nicht mehr zusammenarbeiten, so der Komiker, der heute in Köln lebt.

In seiner Instagram-Community bekommt Bielendorfer viel Zustimmung und Rückhalt: „Ich wohne in Gelsenkirchen und verstehe die Kritik nur zu gut“, schrieb ein User. Gelsenkirchens Oberbürgermeisterin Welge äußerte sich ebenfalls: „Es war ein Scherz“, behauptete sie nachträglich gegenüber der „WAZ“. Dies habe „jeder, der offen und vorurteilsfrei zugehört hat, genauso aufgefasst“.

Auch dazu äußerte sich das „Lehrerkind“ in einem weiteren Instagram-Video. Zu der Scherzbehauptung sagte er nur: „Ich kann das nicht beurteilen und möchte ihr das gerne glauben. Und man muss ja nicht immer noch Benzin auf den Scheiterhaufen gießen.“ Er finde „sehr bedauerlich“, dass das passiert ist.

Sehr bedauerlich sei insbesondere, dass er durch die Aktion auch Zuspruch von „Antidemokraten wie der AfD“ bekomme. „Von euch brauche ich keinen Applaus, von allen anderen freue ich mich darüber“, so der Comedian weiter.

Anfang September hatte Bielendorfer bereits ein Statement gegen rechte politische Gesinnung gesetzt: Einer vermeintlich rechtsgesinnten Frau überwies er das Eintrittsgeld für seinen Auftritt zurück.

Der aktuellen „leidigen“ Diskussion versuche er etwas Positives abzugewinnen: Er erhoffe sich einen Impuls, dass sich in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen nun etwas ändert. Er kündigte an, dass er auch in 2023 Shows in Gelsenkirchen spielen werde.

RND/lin