Samstag , 3. Dezember 2022
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Dem Deutschen Tierschutzbüro e.V. liegt aus sieben Westfleisch-Zulieferbetrieben erschreckendes Bildmaterial vor. Die Aufnahmen zeigen kranke, verletzte und tote Tiere. Die Tierrechtsorganisation betont, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt und empfiehlt die vegane Lebensweise, denn nur so kann die Tierquälerei beendet werden. In der Vergangenheit deckte der Verein bereits Missstände bei Tönnies und anderen Schlachtunternehmen auf. / Weiterer Text über ots und www.presseportal.de/nr/115581 / Die Verwendung dieses Bildes ist für redaktionelle Zwecke unter Beachtung ggf. genannter Nutzungsbedingungen honorarfrei. Veröffentlichung bitte mit Bildrechte-Hinweis. Foto: Deutsches Tierschutzbüro e.V./Deutsches Tierschutzbüro e.V./obs Quelle: Deutsches Tierschutzbüro e.V./D

Videoaufnahmen enthüllen Quälerei in Tierbetrieb: Staatsanwaltschaft ermittelt

Ilshofen/Stuttgart. Ein Schwein schleppt sich kraftlos durch den Stall, ein weiteres wird gezogen, mehrere Tiere werden zum Transporter gestoßen, sie quieken schrill und zittern. Die Aufnahmen mit den erschreckenden Szenen sollen aus einer Viehhandlung in Ilshofen (Kreis Schwäbisch Hall) stammen - und sie erhöhen erneut den Druck auf die Veterinärbehörden. Denn der Vorwurf der Tierquälerei, wegen dem nun die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist nicht neu. Zuletzt hatte sich das Landwirtschaftsministerium wegen der umstrittenen Zustände in mehreren baden-württembergischen Schlachthöfen verteidigen müssen.

Die Aufnahmen mit versteckter Kamera sollen zeigen, wie lädierte Schweine in einer Viehhandlung zum Transport getrieben oder mit Seilen geschleift werden. Nach Angaben des SWR wurden die Videoaufnahmen zwischen Februar und Juli 2022 vom Verein Soko Tierschutz mit versteckter Kamera gemacht. Neben der Staatsanwaltschaft ist auch das Landwirtschaftsministerium informiert. Der Betrieb in Ilshofen, in dem aufgekaufte Tiere umgeladen und in Schlachthöfe weitertransportiert werden, sei geschlossen worden, bis die Vorwürfe aufgearbeitet seien, sagte eine Sprecherin des Landratsamtes Schwäbisch Hall.

Seit wann wusste das Veterinäramt Bescheid?

Der Betrieb ist den Behörden nach diesen Angaben bereits bekannt: Anfang Juli seien ähnliche Tierrechtsverstöße festgestellt und verfolgt worden, sagte der Leiter des Veterinäramts des Landkreises Schwäbisch Hall, Werner Schreiber. „Bei dieser Kontrolle wurden ähnliche Verstöße festgestellt, wie sie auch jetzt in den Filmaufnahmen zu sehen sind“, sagte er weiter. „Durch die jüngsten Videosequenzen kamen aber gerade im direkten Umgang mit den Tieren noch weitere Details ans Licht, die jetzt sogar den Verdacht auf eine Straftat nahelegen.“ Ein derartiger Umgang sei mit nichts zu rechtfertigen und müsse geahndet werden.

Die Soko Tierschutz kritisierte allerdings, sie habe das zuständige Veterinäramt - es liegt nur wenige Hundert Meter vom Betrieb entfernt - schon im Februar über die Zustände informiert. Zwei weitere Warnungen im Juli seien ebenfalls unbeantwortet geblieben. Der Viehhandlung warfen die Tierschützer ein „skrupelloses Geschäftsmodell“ vor. Regelmäßig seien sehr kranke, gelähmte oder schwerverletzte Tiere von Bauern aus der Region Schwäbisch Hall abgeholt und zu Schlachthöfen in Süddeutschland gebracht worden.

Tierschutzbeauftragte sieht „Verdacht auf Straftaten“

Julia Stubenbord, die baden-württembergische Tierschutzbeauftragte, kritisierte vor allem den Transport nicht mehr gehfähiger Tiere. Es sei ausdrücklich verboten, Tiere am Schwanz oder an den Ohren zu ziehen, sie mit Seilen oder Winden zu bewegen und überhaupt nicht transportfähige Tiere zu verladen. „Meiner Meinung nach liegt auch der Verdacht auf Straftaten vor, die dann an die Staatsanwaltschaft weitergegeben werden müssen“, sagte Stubenbord dem SWR.

Die Anwälte des Viehhändlers teilten dem Sender schriftlich mit, der Unternehmer habe nach Kenntnisnahme der Recherche den Betrieb geschlossen. Aus unternehmerischer Verantwortung werde der gesamte Betriebsablauf zukünftig noch stärker in Bezug auf die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überprüft. Man sei um größtmögliche Aufklärung bemüht und wünsche von sich aus den zeitnahen und direkten Austausch mit dem Veterinäramt, zitierte der SWR die Anwälte weiter.

Zuletzt hatten verdeckte Aufnahmen der Soko Tierschutz aus einem Schlachthof in Backnang im vergangenen August für Unruhe in der bereits skandalgeplagten Fleischindustrie gesorgt und die Politik auf den Plan gerufen. Die SPD fordert bereits seit längerem politische Konsequenzen und bessere Kontrollen. Nach den neuen jüngsten Aufnahmen aus Ilshofen sagte SPD-Tierschutzexperte Jonas Weber, es gebe offenbar keine funktionierenden Schutzmechanismen und Kontrollen. „Niemand kann diese systematischen Probleme mehr als Einzelfälle abtun“, sagte er am Dienstag.

RND/dpa