Dienstag , 6. Dezember 2022
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Die Sängerin Melanie Müller. Quelle: imago images/Future Image

Melanie Müller zu Hitlergruß-Debatte: „Unberechtigte Vorwürfe“

Leipzig. Nach dem Skandal um rechte Parolen und Gesten bei Besuchern einer ihrer Auftritte gerät nun auch Reality-TV-Star und Partysängerin Melanie Müller in den Fokus polizeilicher Ermittlungen. Wie die „Bild“-Zeitung am Mittwoch berichtete, ist ein neues Video des Auftritts am 17. September in Leipzig aufgetaucht, der Clip liegt inzwischen auch der Polizei vor. Der 34‑Jährigen wird vorgeworfen, darin mehrfach selbst den Hitlergruß gezeigt zu haben.

Das Video zeigt die Sängerin aus Leipzig auf einer Bühne umringt von Gästen, die lautstark „Ost-, Ost-, Ostdeutschland“ grölen – eine Parole, die in vergangenen Wochen immer wieder auf von den rechtsextremen Freien Sachsen unterstützten Demonstrationen ertönte, zuletzt am Montagabend in Leipzig. Im Rhythmus mit dem Sprechgesang der Besucher hebt Müller insgesamt achtmal ihren rechten Arm schräg nach oben, das Mikrofon hält sie dabei in der linken Hand.

Das Video ist nach Angaben der „Bild“-Zeitung am 17. September entstanden, als die frühere Dschungel­camp-Gewinnerin beim Oktoberfest des Leipziger Motorradclubs Rowdys Eastside auftrat. Der Club hat seinen Sitz im ehemaligen KZ‑Außenlager Hasag Leipzig im Leipziger Stadtteil Schönefeld, das als Szenetreffpunkt von rechtsextremen Gruppen gilt.

Melanie Müller spricht von „unberechtigten Vorwürfen“

Der polizeiliche Staatsschutz der Kriminalpolizei hat infolge des neuen Videos seine Ermittlungen ausgeweitet, teilte eine Polizeisprecherin am Mittwoch auf Anfrage der „Leipziger Volkszeitung“ mit. Wegen des Anfangs­verdachts der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sei unmittelbar nach Bekanntwerden des Sachverhalts eine Anzeige von Amts wegen erstattet worden.

Müller veröffentlichte am Mittwochabend einen Post auf Instagram. Darin schrieb sie, „mediale Feuer“ und „die unberechtigten Vorwürfe“ hätten sie hart getroffen. „Ich habe mit Rechtsradikalen oder nationalistischem Gedankengut nichts am Hut“, so Müller weiter.

Melanie Müller: „Es ist einfach bösartig und schändlich“

Zu dem Video oder dem Vorwurf, bei dem Auftritt den Hitlergruß gezeigt zu haben, äußerte sie sich gegenüber dem RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) am Abend konkreter: „Die derzeit kursierenden Berichte und Videos im Internet, denen zufolge ich bei einem Auftritt den Hitlergruß gezeigt haben soll, sind ebenso falsch wie die Behauptung, ich mache mit Rechtsradikalen gemeinsame Sache oder bewege mich im rechtsextremen Umfeld. Alles falsch und bösartige Unterstellungen, mit dem durchsichtigen Versuch, mir irgendetwas Negatives anzuhängen“, teilte sie auf RND-Anfrage mit.

Die „Bild“-Zeitung macht ihren Artikel mit einem Screenshot des Videos auf, auf dem sie ihren rechten Arm nach oben streckt. Müller betonte erneut, dass es sich dabei nicht um einen Hitlergruß handele. „Das Foto ist völlig aus dem Zusammenhang eines Auftritts von mir gerissen, in dem ich singe, tanze und stimmungsvoll gestikuliere. Das Foto ist aus einer Bewegung herausgenommen und kein Hitlergruß. Das weise ich entschie­den von mir“, sagte sie.

Sie lasse sich trotz der Vorwürfe nicht in die rechte Ecke drängen und wehre sich gegen die Behauptung. „Es ist einfach bösartig und schändlich, was hier versucht wird“, meint Müller und weist erneut darauf hin, dass sie „mit rechtsradikalen Parolen, Personen, Zeichen oder sonstigen Handlungen nichts, aber auch gar nichts am Hut habe“.

Konzertbesucher riefen „Sieg Heil“

Die Sängerin war in den vergangenen Tagen in die Kritik geraten, nachdem ein erstes Video des Auftritts am 17. September aufgetaucht war. Darin ist zu sehen, wie Besucher „Sieg Heil“ riefen, einige sollen auch den Hitlergruß gezeigt haben. Daraufhin leitete die Polizei Ermittlungen ein.

Am Dienstag sagte Müller bereits ein geplantes Konzert in Dresden ab. Sie hätte dort bei einer Oktoberfest­veranstaltung am Mittwoch auftreten sollen. „In der aktuellen Situation kann ich nicht so einfach in Feier­stimmung übergehen“, schrieb die frühere Dschungelkönigin auf Instagram. „Fakt ist: In mein Publikum gehören keine Nazis.“

Zuvor hatte sich Müller bereits von den Geschehnissen bei einem Auftritt in Leipzig Mitte September distanziert. Sie sei „bestürzt und empört“, sagte sie in einem Instagram-Video. „Ich möchte mich von derartigen Personen und Gedankengut klar und deutlich distanzieren und verurteile dieses auch aufs Schärfste.“ Mit Nazis und Rechtsradikalen habe sie nichts zu tun. Den Auftritt am 17. September habe sie abgebrochen.

Mit dpa

Dieser Artikel erschien zuerst bei der „Leipziger Volkszeitung“.

Von Fabienne Küchler, Nico Schwieger/RND