Mittwoch , 30. September 2020
Neben dem Privatgarten bei Hannover lebte Christian B. später auch in einer Braunschweiger Kleingartenanlage. (Archivfoto) Quelle: Peter Steffen/dpa

Christian B. hatte auch eine Parzelle in Braunschweig: “Jeder hat hier ein ungutes Gefühl”

Der Tatverdächtige im Fall Maddie, Christian B,. soll von Oktober 2013 bis April 2016 eine Laube in einer Kleingartenanlage in Braunschweig gemietet haben. Nachdem in den letzten zwei Tagen ein weiterer Privatgarten bei Hannover von der Polizei und dem BKA durchsucht wurde, macht sich in der Gemeinde nun ein ungutes Gefühl breit.

Braunschweig. Zwei Tage lang haben Beamte im Vermisstenfall Maddie eine Privatgartenanlage bei Hannover durchsucht. Ob und wenn ja, was sie dort gefunden haben, hat die Polizei bislang nicht bekannt gegeben. Doch der Hauptverdächtige Christian B. war noch im Besitz einer weiteren Laube in Niedersachsen – von Oktober 2013 bis April 2016 in Braunschweig. Jürgen Krumstroh, der Vorsitzende des Gartenvereins Kennelblick e. V., sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), wie die Laubenbesitzer über die aktuellen Geschehnisse denken: “Die ganze Gartengemeinde hat ein ungutes Gefühl”.

Plötzlicher Abschied

Krumstroh selber kannte B. nicht gut, sondern “nur dienstlich”, wie er sagt. Er habe einen guten Eindruck gemacht. “Er ist seinen Verpflichtungen nachgekommen.” B. hat am “Vereinsleben”, zum Beispiel am Grillen, jedoch nicht teilgenommen. “Das machen andere aber auch nicht”, sagte Krumstroh zum RND. Komisch sei jedoch der Abschied von B. gewesen: “Mittags kam die Kündigung, nachmittags war er weg.” Demnach sei alles sehr plötzlich gekommen.

Mittlerweile gehöre das Grundstück einer Frau. Krumstroh erzählte dem RND, dass die Dame sich schon an die Polizei gewendet habe. “Die Beamten haben ihr gesagt, dass sie nicht beunruhigt sein muss.” Ob ein weiterer Keller auf dem Grundstück vorhanden ist, wie es die britische Zeitung “The Sun” berichtet, konnte Krumstroh nicht bestätigen.

Zusammenhang mit den Mordermittlungen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte zu Beginn des Einsatzes bei Hannover bestätigt, dass die Grabungen im Zusammenhang mit den Mordermittlungen gegen einen 43-jährigen Deutschen stehen. Der Mann soll das dreijährige Mädchen 2007 aus einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve entführt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind tot ist. Nach Madeleines Verschwinden lebte der Verdächtige in Hannover – Medienberichten zufolge wohnte er in einem Kleinbus und arbeitete in einer Werkstatt nicht weit von dem jetzt durchsuchten Kleingarten entfernt. Der Verdächtige sitzt derzeit in Kiel wegen anderer Delikte in Haft.

Keine Äußerung zum Vorwurf

In einer anderen Sache war die Polizei schon einmal auf einem anderen Grundstück des Mannes fündig geworden. Nach Medienberichten hatten Fahnder Anfang 2016 auf dem Gelände einer alten Kistenfabrik bei Magdeburg, die dem mehrfach verurteilten Sexualstraftäter gehörte, in einer Grube Speichermedien mit Missbrauchsbildern von Kindern entdeckt. Der Verdächtige äußert sich laut seinem Verteidiger nicht zu dem Vorwurf, Madeleine McCann entführt und ermordet zu haben.

RND mit dpa

Von Alisha Mendgen/RND