Donnerstag , 1. Oktober 2020
Im spanischen Avila hat der erste Stierkampf seit Lockerungen der Corona-Bedingungen stattgefunden. Quelle: imago images/Agencia EFE

Erster Stierkampf in Spanien nach Corona-Zwangspause löst wieder Proteste aus

Tausende Spanier demonstrierten für die Weiterführung der Stierkämpfe als kulturelles Gut – und ebenso viele dagegen. Jetzt, nach knapp vier Monaten Corona-Zwangspause, findet das erste Turnier wieder statt. Und sorgt mit der Tötung eines Bullen erneut für Furore unter Tierschützern.

Avila. Nach vier Monaten Zwangspause hat der erste spanische Stierkampf seit Einführung der Corona-Regelungen in der Nähe von Madrid stattgefunden. Tausende Spanier hatten sich zuvor für die Weiterführung der Stierkämpfe eingesetzt, weil sie Teil der spanischen Tradition seien und vielen Menschen die Lebensgrundlage sicherten. Die Corona-Pandemie habe viele Spanier hart getroffen, berichtete das britische Nachrichtenportal “Daily Mail”. Vor allem die Veranstalter hätten zusätzliche staatliche Unterstützung gefordert.

Tierschützer protestieren gegen blutige Stierkämpfe

Bilder des ersten Kampfes sorgten nun bei Tierschützern erneut für Empörung. Der spanische Tierschutzverein La Tortura No Es Cultura (dt.: Folter ist keine Kultur) teilte ein Video der Stierkampfarena in Ávila. Darauf ist zu sehen, wie einem Bullen im Kampf ein Schwert in den Rücken getrieben wird. Das Tier blutet daraufhin sehr stark, auch aus dem Maul. Nach einem weiteren Messerhieb auf den Kopf des Tieres, sinkt es langsam zu Boden. Nach seinem Tod wird ihm vom Stierkämpfer ein Huf abgetrennt – als Zeichen des Sieges und der spanischen Tradition.

Carmen Ibarlucea des Vereins Folter ist keine Kultur sagte der “Daily Mail”: “Hatten wir in den letzten Monaten nicht mehr als genug Tod und Schmerz?” Dass die spanische Tradition längst nicht mehr so hoch in der Gesellschaft angesehen wird, wie noch vor einigen Jahren, bestätigte auch die Sprecherin der Organisation Marta Esteban Miñano gegenüber dem Nachrichtenportal: “Die Zahlen sprechen für sich: Die Mehrheit der Spanier ist gegen Stierkämpfe.” Tatsächlich hat demnach eine Studie des spanischen Kultusministeriums ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Spanier kritisch zu den Kampfarenen stehen.

RND/al