Samstag , 19. September 2020
Elna-Margret zu Bentheim. Quelle: Privat

Elna-Margret zu Bentheim: Von der bürgerlichen Modeexpertin in den Adel

Bürgerlich geboren, dann Prinzessin geworden: Elna-Margret zu Bentheim ist durch eine Hochzeit in den deutschen Adel aufgenommen worden. Was ändert sich plötzlich im Alltag? Welche Vorteile und Pflichten bringt das mit sich? Darum geht es in Teil drei der RND-Adelsserie.

Als Bürgerliche einen Prinzen heiraten, in einem Schloss wohnen und in schönen Kleidern auf Adelsbälle gehen – das ist die Storyline vieler Märchen. Und: Es ist das Leben von Elna-Margret Erbprinzessin zu Steinfurt und Bentheim. Die 41-Jährige lernte vor mehr als 15 Jahren einen echten Prinzen kennen – und lieben.

Und plötzlich war die junge, modeinteressierte Frau Teil des deutschen Adels – mit allen Vorteilen, aber auch Pflichten, die der Titel mit sich bringt. Heute ist die Prinzessin immer noch glücklich verheiratet, hat mit Ehemann Carl Ferdinand Prinz zu Bentheim und Steinfurt einen Sohn und eine Tochter.

Wie wird aus der Bürgerlichen eine echte Prinzessin?

Doch wie wird eigentlich aus einer bürgerlichen Modeexpertin plötzlich eine echte Prinzessin? Geplant war das alles nicht, wie sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erzählt. Das Paar lernt sich 2005 zufällig am Rande der Formel-1-Strecke im belgischen Spa kennen. Zu Bentheim, damals Modeexpertin und Marketingfachfrau, reist auf Einladung von Freunden zu einem Oldtimerrennen. Mit Fürstenhäusern hatte die junge Frau bis dahin nicht wirklich viel zu tun. Auch das erste Treffen verlief wenig royal: Carl Ferdinand Prinz zu Bentheim und Steinfurt wird ihr lediglich als “Fernando” vorgestellt, sie selbst sei bei dem Treffen “im Rennanzug mit verknautschten Haaren und verschwitztem Gesicht” gewesen.

Sein Titel, sein Beruf, seine Herkunft – all das spielt demnach bei dem Kennenlernen der beiden keine Rolle. Zu Bentheim ist bei dem gemeinsamen Mittagessen von ganz anderen Dingen fasziniert, wie sie erzählt: “Er hatte eine ganz ruhige Art und eine schöne, dunkle Stimme.” Die beiden tauschen Nummern aus – und die junge Frau fährt erst mal drei Wochen mit Freunden nach Frankreich zum Segeln. Geschätzte 3000 SMS später holt der Erbprinz sie vom Flughafen ab – und die beiden gehen essen.

Das Gespräch mit Elna-Margret Erbprinzessin zu Bentheim und Steinfurt zum Nachhören

Erstmals geht es auch um seinen Job, wie zu Bentheim erzählt. Allerdings rückt ihr Date auch da noch nicht mit seinem Titel heraus – im Gegenteil: “Er sagte, er sei Betriebswirt und würde im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Das hab ich gar nicht weiter hinterfragt.”

Als er ihr dann doch irgendwann erzählt, aus welchem Hause er stammt, ist die junge Frau gar nicht so beeindruckt – sondern erst mal neugierig. Mit dem Adelsgeschlecht Bentheim und Steinfurt konnte sie auf Anhieb nicht viel anfangen: “Ich musste das erst mal googeln. (…) Ich musste erst mal herausfinden, was das bedeutet, ein Erbprinz zu sein. Ist das ein Job? Und was muss man dafür machen?”, erzählt sie dem RND. Eine erste Recherche ergibt: Bei dem Haus Bentheim-Steinfurt handelt es sich um eine der ältesten Adelsfamilien Westdeutschlands, die bis ins zwölfte Jahrhundert nachweisbar ist. Die Familie besitzt einige Liegenschaften, eine Burg und ein Schloss – und ihr Auserwählter soll demnächst die Geschicke des Hauses leiten.

“Wie ein Welpe in eine neue Welt reingestolpert”

Viel Zeit zum Einlesen und Vorbereiten hat zu Bentheim nicht: “Ich bin da wie so ein Welpe in eine neue Welt reingestolpert”, sagt sie. “Ich bin aber vom Grundsatz her Optimist. Ich habe mich da reingefuchst, denn der Antrieb war ja die Liebe zu dem Menschen, den ich wollte. Das hat funktioniert.” Nach etwa zwei Monaten wird sie zum ersten Mal nach Steinfurt eingeladen – sie soll ihre Schwiegereltern kennenlernen: den Fürst und die Fürstin. Schon bei der Anfahrt merkt die junge Frau, dass auch ihr Mann immer nervöser wird. Was wäre passiert, wenn die Eltern sie nicht akzeptiert hätten? “Das hätte nicht funktioniert.” Bei der Anfahrt zum Schloss Steinfurt, dem Stammsitz des Fürstenhauses, fühlt sie sich an Rosamunde Pilcher erinnert: “Du wirst erschlagen von dieser Schönheit. Das ist so riesig, dass du dich fragst: Wo gehe ich rein? Und wie komme ich wieder raus?”

Zu Bentheims Besuche häufen sich. Sie wird auf Jagden eingeladen, dann sogar zur Inthronisierung ihres Mannes – obwohl das Paar zu dem Zeitpunkt noch nicht verlobt ist. Eher ungewöhnlich zu der Zeit. Damals wird ihr klar: “Das hat eine gewisse Ernsthaftigkeit.” Dabei sei das im deutschen Adel längst nicht überall selbstverständlich, dass eine Bürgerliche akzeptiert werde, so Elna: “Der Adel teilt sich da in zwei Lager auf.” Sie finde es schade, dass Bürgerliche manchmal nur “auf ihren kurzen Namen reduziert und ihnen die Bildung aberkannt wird”.

Akzeptiert wird zu Bentheim schon. Mit ihrem Beruf hingegen tut sich das Fürstenhaus zunächst schwer: “Schwierig wurde es, als ich gesagt habe, ich möchte meinem Job als Moderatorin nachgehen. Da hat man natürlich am Anfang gesagt: Die Erbprinzessin kann doch nicht im Fernsehen stattfinden.” Elna setzt sich daraufhin mit ihrem Schwiegervater zusammen, erklärt ihm ihre Projekte und eine mögliche Wirkung auf die Öffentlichkeit. Den Satz “Eine Erbprinzessin macht das nicht” habe sie nicht akzeptieren wollen. “Ich habe dann gesagt: ‘Warum? Erklärt mir das mal. Ich verkaufe ja keine Sexspielsachen im Internet.” Trotzdem habe sie über die Jahre hinweg einige Projekte absagen müssen, die sie gern moderiert hätte. Mal war es das falsche Thema, mal nicht der richtige Sender. “Das nervt natürlich und dann ist man schon mal traurig”, sagt

Teilweise ein veraltetes Rollenbild

Sicherlich gebe es auch teilweise noch ein veraltetes Rollenbild, so die Prinzessin: “Dass Frauen zu Hause bleiben sollen, das Schloss schön gestalten und viele Kinder bekommen, ist natürlich auch gern gesehen. Das funktionierte nur nicht so mit mir.” Ihre Mutter sei eine ‘Working Mum’ gewesen, die sogar noch mal studiert habe, als zu Bentheim bereits 14 Jahre alt war. “Ich kannte das nicht, dass eine Mutter zu Hause mit dem Essen gewartet hat. Ich war immer stolz auf meine Mutter – und das wollte ich auch, ich wollte etwas bewerkstelligen.” Trotzdem machte zu Bentheim auch das, was von einer künftigen Erbprinzessin erwartet wurde: Sie engagierte sich bei den Steinfurter Tafeln, lernte die Etikette, repräsentierte und verfasste Einladungen zu Jagden.

Ihren Kindern will sie mitgeben, dass Teil des Adels zu sein keine Selbstverständlichkeit ist. Ihr Sohn Jonathan ist mittlerweile zwölf Jahre alt und an dem Punkt, an dem er versteht, aus was für einer Familie er kommt. “Zum ersten Mal wird er von außen von anderen Kindern konfrontiert. Bist du der Prinz? Lebt ihr im Schloss? Ist dein Papa reich?” Zu Bentheim versucht, auf all diese Fragen eine Antwort zu haben. “Mir war es wichtig, dass er in einen normalen Kindergarten und in eine normale Schule geht. Damit er sieht: Es ist nicht normal, in einem Schloss zu wohnen. Er hat gewisse Privilegien, aber ich achte schon darauf, dass er die Angestellten nicht bezirzt, ihr Zimmer aufzuräumen.”

Die heutige Erbprinzessin musste als Kind Zuhause mithelfen

Sie selbst habe schließlich auch zu Hause mithelfen müssen: “Du wirst nicht selbstständig, wenn dir alles vor die Füße getragen wird, und ich will auch nicht, dass mein Sohn denkt, er sei etwas Besseres als die anderen. Am Ende des Tages ist es nur ein Name, und sich darauf nur zu versteifen ist zu wenig im Leben. Du musst selbst performen als Mensch, der du bist, und dich nicht verlassen auf Herkunft und Namen. Ich werde alles tun, damit das nicht passiert.”

Mit den europäischen Königshäusern haben die Bentheim und Steinfurts nur wenige Berührungspunkte, mit dem deutschen Adel hingegen pflegen sie zu allen Häusern gute Beziehungen: “Dafür gibt es ja auch Veranstaltungen”, erklärt zu Bentheim dem RND, “zum Beispiel den Standesherrenball, der einmal im Jahr an einem gewissen Ort ist, immer wechselnd, dieses Jahr zum Beispiel in Rom.” Das Treffen gehe meist über mehrere Tage mit einem Ball als Höhepunkt. “Man verbringt dort viel Zeit miteinander, bringt sich auf den neusten Stand, macht vielleicht Sightseeing und geht miteinander essen.”

Und was wünscht sich zu Bentheim für den Adel im Allgemeinen? “Ich bin jemand, der gern zeigen würde, dass der deutsche Adel mehr ist als Leute in Lodenmänteln, die durch den Wald laufen und jagen gehen. Da sind ganz tolle Unternehmer dabei, die tolle Businessideen haben und cool drauf sind. Das würde ich gern mehr hochhalten.”

Von Lena Obschinsky/RND