Sonntag , 27. September 2020
Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer aus Holz.

Mit Mann auf Motorhaube weitergefahren – Mildes Urteil für 63-Jährige

Eine 63-Jährige ist mit einem Mann auf der Motorhaube durch mehrere Kieler Straßen gefahren. Er glaubte, sie habe einen anderen Wagen angefahren und wollte sie stoppen, sie fühlte sich bedroht und gab Gas. Nun hat das Kieler Amtsgericht ein Urteil gefällt.

Kiel. Eineinhalb Jahre nach einer filmreifen Fahrt mit einem um Hilfe schreienden Mann auf ihrer Motorhaube kam eine Kielerin mit einem milden Urteil und einer Geldstrafe davon. Das Amtsgericht Kiel sprach die Frau am Dienstag nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr schuldig. Die 63-Jährige nicht vorbestrafte Rentnerin muss 700 Euro zahlen (70 Tagessätze zu je 10 Euro).

Ihren Führerschein, der bereits seit der Tat im Februar 2019 eingezogen ist, darf sie erst nach Ablauf von vier weiteren Monaten neu beantragen. Die Witwe folgte dem Urteil tränenüberströmt. Dem Urteil ging eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidiger voraus. Es wird nach sieben Tagen rechtskräftig, wenn keine Seite Berufung einlegt.

Frau fährt einfach weiter

Die Anklage hatte der 63-Jährigen vorgeworfen, nach einem Blechschaden beim Einparken einen Mann angefahren zu haben, der sie stoppen wollte. Mit ihm auf der Motorhaube sei sie dann weitergefahren. Während er sich festklammerte, fuhr sie demnach durch mehrere Kieler Straßen und soll mit starken Lenkbewegungen und Betätigung des Scheibenwischers versucht haben, den Mann von der Motorhaube zu schleudern. Als der Geschädigte schließlich in einer Kurve losließ und seitlich von der Motorhaube fiel, soll die Angeklagte nicht angehalten haben, sondern davongefahren sein.

Mit Zustimmung aller Verfahrensbeteiligter wurden im Zuge der Beweisaufnahme die Anklagepunkte Trunkenheitsfahrt und Unfallflucht um eine Straftat zu verdecken eingestellt – dies wäre ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr gewesen.

RND/dpa