Dienstag , 20. Oktober 2020
Die Polizei hat das betroffene Gebiet bei Hannover gerodet. Quelle: Christian Elsner

Vermisstenfall Maddie: Polizisten durchsuchen Kleingartenareal bei Hannover

Seit Dienstagmorgen ist die Polizei bei Hannover im Einsatz: Die Beamten durchsuchen im Zusammenhang mit der Vermissten Maddie McCann eine Kleingartenparzelle. Ein Mini-Bagger und ein Spürhund sind auch vor Ort.

Hannover. Polizeibeamte untersuchen laut der “HAZ” bei Hannover einen Kleingarten: Der Einsatz stehe im Zusammenhang mit den Ermittlungen wegen Mordes gegen den verdächtigen 43-jährigen Deutschen, so eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig.

Das Gelände zwischen Klöcknerstraße, Kanal und B441 wurde gerodet, es ist auch ein Mini-Bagger und ein Spürhund im Einsatz. Mehrere Beamte durchkämmten das Erdreich des Grundstücks mit Schaufeln und Harken. Was in dem Areal vermutet wird, ist unklar. “Hintergrund und Ziel dieser Maßnahme kommentiere ich nicht”, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft zur HAZ.

Ermittlungen bereits seit 2013

Der wegen anderer Delikte in Kiel inhaftierte 43-Jährige steht im Verdacht, 2007 die dreijährige Britin Maddie aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Mädchen tot ist. Am 3. Mai 2007 soll der Mann zu “tatrelevanter” Zeit im portugiesischen Praia da Luz mit dem Handy telefoniert haben. Das BKA ermittelt nach Zeugenhinweisen bereits seit 2013 im Fall Maddie gegen den Deutschen – allerdings reichten die Indizien bisher für eine Anklage nicht aus. Der Beschuldigte wollte sich bisher nach Angaben seiner Verteidiger nicht zur Sache äußern.

Vorbestraft wegen sexuellen Kindesmissbrauchs

Das Landgericht Braunschweig hatte den 43-Jährigen Ende 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung früherer Strafen zu sieben Jahren Haft verurteilt. Er hatte 2005 in Praia da Luz eine damals 72-jährige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Deutsche ist auch wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraft. Die Ermittler in Braunschweig sind für den Fall zuständig, weil der Verdächtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte.

Durchsuchung soll Mittwoch weiter gehen

Er verbrachte mehrere Jahre auch Zeit in der niedersächsischen Landeshauptstadt, Medienberichten zufolge seit 2007. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Hannover der dpa sagte, verurteilte ihn das Amtsgericht Hannover 2010 wegen Urkundenfälschung und 2013 wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Geldstrafen. In den Jahren 2013 bis 2015 pendelte er dem Sprecher zufolge zwischen Deutschland und Portugal. Ende 2012 hatte der Verdächtige zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin einen Kiosk in Braunschweig eröffnet. Nach der Trennung führte er den Laden allein weiter, bis er ihn sowie die angrenzende Wohnung eineinhalb Jahre später aufgab. Nach Medienberichten soll die Durchsuchung des Kleingarten-Grundstückes in der Nähe des Stichkanals Hannover-Linden am Mittwoch fortgesetzt werden.

RND/am/dpa