Sonntag , 25. Oktober 2020
Der Angeklagte sitzt zur Urteilsverkündung vor dem Landgericht Stuttgart im Gerichtssaal an seinem Platz. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

14 Jahre Haft nach tödlicher Attacke mit Samuraischwert in Stuttgart

Ein wegen Mordes angeklagter Mann muss 14 Jahre in Haft: Der Täter hat seinen früheren Mitbewohner mit einem Samuraischwert mitten auf einer Stuttgarter Straße umgebracht. Das Landgericht ordnet ebenfalls die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Stuttgart. Ein Mord auf offener Straße, vor Zeugen und kaltblütig: Nach der tödlichen Attacke mit einem Samuraischwert in Stuttgart ist der Täter zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Der Richter ordnete am Montag zudem die Unterbringung des Jordaniers in einem psychiatrischen Krankenhaus an.

Der 31-Jährige hatte seinen ehemaligen Mitbewohner im Juli vergangenen Jahres mitten in einer Hochhaussiedlung und vor den Augen der Tochter des Opfers brutal getötet. Die Attacke bezeichnete der Richter als “schreckliche und zutiefst verachtenswerte Tat”. Bei der Straftat habe der 31-Jährige mit “absolutem Vernichtungswillen” zugeschlagen.

Eindeutige Beweise

Die Beweise waren unter anderem wegen Handyvideos von Anwohnern und eines Geständnisses des Mannes bei der Polizei eindeutig. Doch die große Frage nach dem “Warum” ist laut der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts nur teilweise beantwortet.

Ein Gutachter hatte den Angeklagten wegen Wahnvorstellungen als vermindert schuldfähig eingestuft. Der Täter habe in den Gesprächen meistens kontrolliert gewirkt und abgewogen, was er erzählt habe, sagte der Sachverständige. Mal habe der Mann behauptet, ein Prophet zu sein, mal habe er selbst Zweifel daran geäußert. Auch die Kammer kam letztlich zu dem Ergebnis, dass der Täter zum Zeitpunkt des Angriffs nur eingeschränkt Herr seiner Sinne gewesen ist.

Die Spanne der Forderungen von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung war im Vorfeld der Urteilsverkündung groß: Während die Anklagevertreterin 13 Haft wegen Mordes und die Unterbringung in einer Psychiatrie forderte, sprach sich die Verteidigung für einen Freispruch und eine Therapie aus, weil der Angeklagte schuldunfähig gewesen sein soll, als er zuschlug. Die Nebenkläger plädierten dagegen auf die härteste mögliche Strafe: lebenslange Haft und das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld. Damit wäre der Mann nicht vorzeitig freigekommen.

RND/dpa