Sonntag , 27. September 2020
Ein nach einem Verkehrsunfall beschädigter Pkw steht am Bahnhof Zoo unter einem Zelt der Polizei. Quelle: Paul Zinken/dpa-zb-zentralbild/d

Nach schwerem Unfall am Berliner Bahnhof Zoo: Geländewagen-Fahrer wieder frei

Der Autofahrer, der mit seinem SUV am Berliner Bahnhof Zoo in eine Menschengruppe gerast und sechs Menschen verletzt hat, ist wieder auf freiem Fuß. Die Polizei ermittle nicht mehr wegen versuchten Totschlags, erklärt ein Sprecher. Es gebe bislang keine Erkenntnisse, dass der Fahrer vom Unfallort flüchten wollte.

Berlin. Nach einem schweren Unfall am Berliner Bahnhof Zoo werden drei schwer verletzte Obdachlose weiter in Kliniken behandelt. Der Fahrer eines Geländewagens kam nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß, wie die Polizei am Montag mitteilte. Bei dem Crash am Sonntagmorgen wurden neben den auf der Straße lebenden Männern auch drei Passanten leicht verletzt. Der 24-Jährige hatte beim Abbiegen die Kontrolle über das massive Auto verloren und war in die Gruppe gerast. Der Fahrer soll viel zu schnell unterwegs gewesen sein.

Der Fall ist inzwischen der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Es werde von einem Unfall ausgegangen, hieß es. Ermittelt wird wegen Gefährdung des Straßenverkehrs sowie fahrlässiger Körperverletzung, sagte eine Sprecherin. Zunächst hatte die Polizei Ermittlungen wegen versuchten Totschlags und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr aufgenommen. Der unverletzte Fahrer war nach dem Unfall zunächst festgenommen worden, noch am Sonntag konnte er aber den Polizeigewahrsam wieder verlassen.

Keine Hinweise auf politische oder religiöse Motivation

Laut Polizei gibt es bislang keine Erkenntnisse, dass der 24-Jährige vom Unfallort flüchten wollte. Es lägen überdies keine Hinweise vor, dass er in suizidaler Absicht mit dem Wagen in die Gruppe krachte, so der Sprecher. Dies habe sich aus der Vernehmung des Mannes ergeben. Ein Atemalkoholtest ergab etwa 0,7 Promille. Der Wagen wurde beschlagnahmt. Dem Mann sei auch Blut abgenommen worden. Es gebe keine Hinweise auf eine “Intoxikation durch Betäubungsmittel”, hieß es.

Bislang gibt es laut Polizei keine Hinweise auf eine politische oder religiöse Motivation. Es deute nichts auf einen Anschlag hin. Auch ein illegales Autorennen wird nicht angenommen. Der RBB berichtete am Montagabend, der 24-Jährige sei “wohl ohne gültige Fahrerlaubnis und mit einem ihm fremden Wagen unterwegs” gewesen. Auch liege eine Anzeige wegen des Verdachts des Diebstahls vor.

Fahrer soll Autoschlüssel von Freundin gestohlen haben

Der Mann soll demnach die Schlüssel des Wagens nach einem heftigen Streit mit seiner ehemaligen Freundin aus deren Wohnung gestohlen haben. Ein Polizeisprecher verwies am Abend auf Nachfrage an die Staatsanwaltschaft, die in dem Fall weiter ermittele. Dort bestätigte eine Sprecherin die Darstellung des Senders vorerst nicht.

Die Schwerverletzten sollten noch zu dem Unfall befragt werden. Zwei Obdachlose konnten noch nicht identifiziert werden, der dritte ist 32 Jahre alt. Bislang waren zwei der Männer wegen ihrer Verletzungen nicht ansprechbar. Einer von ihnen schwebte laut Polizei am Sonntag in Lebensgefahr, über seinen Zustand wurde am Montag zunächst nichts bekannt. Er war laut Feuerwehr unter dem Fahrzeug eingeklemmt worden und musste nach der Bergung reanimiert werden.

Fahrer war deutlich zu schnell unterwegs

Zeugen hatten laut Polizei beobachtet, dass der Fahrer deutlich zu schnell unterwegs gewesen sei. Darauf deuteten auch die Spuren am Unfallort hin. Zum Stehen kam der Wagen schließlich an einem Briefkasten – die Wucht des Aufpralls riss diesen aus der Verankerung.

Wer laut Strafgesetzbuch den Straßenverkehr gefährdet und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, kann mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe sanktioniert werden.

RND/dpa