Mittwoch , 28. Oktober 2020
Eine ausgediente Schutzmaske liegt auf einer Straße. Quelle: imago images/Seeliger

Frau geht trotz Corona-Infektion spazieren – 1200 Euro Strafe

Weil sie trotz Corona-Infektion das Haus verlassen hatte, verurteilt ein Gericht eine Österreicherin zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Kritisch sieht der Richter allerdings auch das Verhalten einer Nachbarin, die die Polizei gerufen hatte.

Sie habe es zu Hause einfach “nicht mehr ausgehalten”, erklärte die Frau vor Gericht – doch das schützte sie am Ende vor einer Strafe nicht: In Österreich ist eine 35-Jährige am Freitag zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt worden, weil sie trotz Corona-Infektion und verordneter Heimquarantäne das Haus für einen Spaziergang verlassen hatte, berichtet die Nachrichtenagentur APA.

Der Staatsanwaltschaft sei das Urteil dabei aber sogar nicht weit genug gegangen: Sie hatte vor dem Landesgericht Ried im Innkreis “aus generalpräventiven Gründen” eine “geringe bedingte Haftstrafe” gefordert. Die Ankläger kündigten nach dem Urteil Berufung an.

Laut APA hatte die Angeklagte am 4. April erfahren, dass sie mit dem Coronavirus infiziert sei, von den Behörden wurde Heimquarantäne angeordnet. Weil sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten habe, verließ die Frau schon zwei Tage später wieder ihr Haus, mit Mundschutz machte sie einen Spaziergang. Begegnet sei sie dabei niemandem, versicherte die Frau. Eine Nachbarin, die von der Erkrankung wusste, sah allerdings die Frau und alarmierte die Polizei – Folge war eine Anklage wegen vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten.

“Denunzieren soll nicht zum Volkssport werden”

Der Richter verurteilte die Frau am Freitag zu der Geldstrafe. Kritisch sah er allerdings auch das Verhalten der Nachbarin, die der Frau nicht zugerufen habe, dass sie zu Hause bleiben müsse, sondern sofort die Polizei gerufen habe. “Denunzieren soll nicht zum Volkssport werden, ich finde eine solche Gesellschaft nicht lebenswert”, sagte er laut APA zu der Zeugin.

RND/seb