Ein Plakat wirbt für Bürgerbeteiligung im Fall der Umbenennung der Leipziger Arndtstraße in Hanna-Arendt-Straße. Die Antirassismusdebatte hat in Sachsen aber nur in wenigen Fällen Debatten um Straßennamen und Denkmäler ausgelöst. Quelle: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Rassismusdebatte: In Sachsen werden Straßen nur selten umbenannt

Die durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA ausgelöste Rassismusdebatte hat zu einem Nachdenken über Denkmale und Straßennamen geführt. In Sachsen ist die Neigung zur Änderung von Straßennamen eher gering.

Dresden. Die Antirassismusdebatte hat in Sachsen nur in wenigen Fällen Debatten um Straßennamen und Denkmäler ausgelöst. Vor allem in Leipzig wurde um Straßennamen gestritten, ergab eine Umfrage unter sächsischen Städten. Dort soll künftig im Einzelfall eine mit “sachkundigen Bürgern” besetzte wissenschaftliche Kommission den Stadtrat bei Umbenennungen beraten. Sonst ist die Umbenennung von Straßen und Plätzen eher selten.

Schon im Januar hatte ein Linken-Stadtrat beantragt, die nach Ernst Moritz Arndt benannte Arndtstraße in Hannah-Arendt-Straße umzubenennen. Er warf dem Schriftsteller "antisemitische, rassistische, nationalistische, frankophobe und militaristische Tiraden" vor. Mit einer Petition wollen Bürger die Umbenennung verhindern.

Umbenennung der Jahnallee in Leipzig gefordert

In einer anderen Petition wieder wurde die Umbenennung der Jahnallee gefordert. Friedrich Ludwig Jahn sei ein "nationalistischer Publizist" gewesen, heißt es, "der Begründer der Ur-Burschenschaften, ein Rassist und Militarist." Er habe sich gegen "Völkermischung" ausgesprochen und mittels paramilitärischer Ausbildung die nationalistische Willensbildung beeinflusst - "heute gern als Turnbewegung tituliert."

Die Entscheidung zu den Umbenennungen steht noch aus. Laut Stadt gibt es jährlich etwa zehn bis 15 Umbenennungen und Teilumbenennungen, um die Orientierung zu erleichtern.

In Dresden gab es in den vergangenen zehn Jahren lediglich zwei Straßenumbenennungen: 2011 wurde aus der Proschhübelstraße in der Albertstadt, einem ehemaligen Kasernenviertel, die Fabricestraße - benannt nach Alfred von Fabrice, einen wichtigen sächsischen Militär und Politiker des 19. Jahrhunderts. 2012 wurde ein Teil der Florian-Geyer-Straße in Roßbachstraße umbenannt. Der Platz vor dem Landgericht soll den Namen El-Sherbini-Park erhalten, in Erinnerung an eine Ägypterin, die vor elf Jahren während einer Gerichtsverhandlung von einem Mann aus rassistischen Motiven erstochen worden war.

Straßenumbenennungen in Dresden selten

Straßenumbenennungen seien in Dresden selten, sagte eine Stadtsprecherin. Ein Großteil davon habe sich in den 1990er Jahren ereignet. Schon 1993 wurden die Um- und Rückbenennungen von damals 138 Straßen und Plätzen offiziell beendet.

Auch in Chemnitz gibt es Umbenennungen laut Stadt "nicht so oft" und eine Debatte um Straßennamen aus Rassismusgründen ist "nicht bekannt". In diesem Jahr sei ein Teil des Johannisplatzes in Johannisstraße umbenannt worden, hieß es. 2014 wurde aus der Feldstraße im Ortsteil Mittel die Mittelbacher Feldstraße und 2010 aus der ausgebauten Güterbahnhofstraße die Fraunhoferstraße.

Farbanschlag gegen Bismarckturm in Glauchau

Auch in Plauen im Vogtland, Zwickau oder Görlitz ist die Umbenennung von Straßen und Plätzen selten.

In die Rassismusdebatte ist vermutlich auch ein Farbanschlag gegen den denkmalgeschützten Bismarckturm in Glauchau (Kreis Zwickau) einzuordnen, wo Unbekannte Mitte Juli in Schwarz und Silber unter anderem den Schriftzug "Black Lives Matter" an den Sockel sprühten und ihn mit gelben und schwarzen Farbbeuteln bewarfen. Der dadurch entstandene Sachschaden wurde von der Polizei mit etwa 2000 Euro beziffert.

RND/dpa