Sonntag , 25. Oktober 2020
Ein buddhistischer Mönch betet am Sarg des verurteilten Serienmörders Si Ouey, bevor er im Wat Bang Phraek Tai-Tempel eingeäschert wird. Quelle: Sakchai Lalit/AP/dpa

In Glaskasten ausgestellt: Einbalsamierter Mörder in Thailand nach Jahrzehnten eingeäschert

In Bangkok stellte ein Krankenhaus jahrzehntelang den einbalsamierten Leichnam eines Serienmörders in einem Glaskasten zur Schau. 60 Jahre später findet Si Quey dank einer Petition seine letzte Ruhe.

Bangkok. Den Namen des Serienkillers Si Quey kennt in Thailand jedes Kind. 60 Jahre lang war sein einbalsamierter Leichnam in einem Glaskasten in Bangkoks ältestem und größtem Krankenhaus zu sehen – jetzt findet Si Quey nach einer Petition Tausender Thai seine letzte Ruhe: Die Überreste des 1959 im Alter von 32 Jahren von einem Erschießungskommando hingerichteten Chinesen wurden am Donnerstag nach einem jahrelangen Streit in einem Tempel der thailändischen Hauptstadt nach buddhistischer Tradition eingeäschert.

Insgesamt hatten seit Mai 2019 mehr als 10.000 Menschen die Petition unterschrieben. Viele Thais fanden, dass eine derart zur Schau gestellter Mumie nicht mehr zeitgemäß war. Kurz darauf verbuchten sie einen ersten Erfolg: Stand Jahrzehnte lang an dem Glaskasten mit der mit Paraffin einbalsamierten Leiche der Zusatz “Ein Kannibale”, wurde dieser vor 14 Monaten in “Ein zum Tode Verurteilter” geändert.

Si Quey tötete 6 Kinder

Mit der Entscheidung zur Einäscherung ist der Aktivist Pharoah Jakrapattanont, der die Petition gestartet hat, zufrieden: „Die Tatsache, dass eine Beerdigung für Si Quey arrangiert wurde, zeigt, dass Forderungen nach der Einhaltung von Menschenrechten funktionieren.“ Ob die Asche weiter im Tempel aufbewahrt werden soll oder im Meer verstreut wird, muss den Behörden zufolge noch entschieden werden.

Si Quey war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg als Einwanderer nach Thailand gekommen. In der Stadt Noen Phra, 200 Kilometer südlich von Bangkok, wurde er 1958 ertappt, wie er die Leiche eines Achtjährigen verbrennen wollte. Der 31-Jährige gab zu, den Jungen getötet zu haben. Und auch, Herz, Leber und Nieren herausgenommen zu haben, um sie später zu essen. Später gestand der Chinese fünf weitere Kindermorde. Über den aufsehenerregenden Fall gibt es sogar Bücher und Filme. Das geht so weit, dass Eltern in Thailand seit Generationen sagen: „Geh nicht raus, wenn es dunkel ist. Sonst holt dich Si Quey.“

RND/dpa