Samstag , 24. Oktober 2020
Graffiti und Kerzen im Tunnel zum Gedenken der Opfer der Loveparade 2010 in Duisburg. Quelle: imago images/imagebroker

Opferanwälte kritisieren juristische Aufarbeitung des Loveparade-Unglücks scharf

Das Verfahren zur Aufklärung des Loveparade-Unglücks in Duisburg wurde im Mai wegen Verjährung eingestellt. Die Anwälte der Opfer kritisieren die Aufarbeitung der Justiz im Nachhinein scharf. Das komplexe Verwaltungsversagen im Einzelnen wurde nicht aufgedeckt, sagen sie.

Duisburg. Zum zehnten Jahrestag des Loveparade-Unglücks in Duisburg haben Opferanwälte scharfe Kritik an der juristischen Aufarbeitung der Vorfälle geübt. Es sei „ein Fehler der Justiz“ gewesen, sich nicht noch stärker auf das Verwaltungsversagen der Stadt Duisburg konzentriert zu haben, teilte die Rechtsanwaltskanzlei Baum Reiter & Collegen am Donnerstag in Düsseldorf mit.

Damit hätten die “eigentlich Verantwortlichen”, die für die Genehmigung der Techno-Veranstaltung zuständig waren und im Vorfeld “alle Widerstände und Bedenken niedergebügelt” hätten, nicht vor Gericht gestanden. Die Rechtsanwälte hatten in dem Anfang Mai ohne Urteil eingestellten Strafverfahren am Landgericht Duisburg nach eigenen Angaben mehr als 80 Opfer und Hinterbliebene vertreten.

Verwaltungsversagen sei nicht aufgedeckt worden

Zudem schäme man sich gegenüber den Mandanten dafür, dass nicht in letzter Klarheit deutlich wurde, was zur Katastrophe geführt hat und welches Versagen einzelner dafür verantwortlich war, erklärten die Anwälte. Dabei gehe es nicht um die strafrechtlich relevante individuelle Schuld, die wegen Verjährung ohnehin nicht mehr zur Debatte stand. Vielmehr sei es darum gegangen, das komplexe Verwaltungsversagen im Einzelnen aufzudecken. Das sei aber nicht geschehen, kritisierten die Opferanwälte.

Die Kanzlei verlangte, den vom Landtag beschlossenen Notfallfonds in Höhe von fünf Millionen Euro weiter auszubauen. Die vom Landtag geforderte Kommission solle zudem nicht nur Konsequenzen für künftige Großveranstaltungen ausarbeiten, sondern auch Verhaltensregeln festlegen, die dafür sorgen, dass rechtlich begründete Bedenken von Mitarbeitern einer Verwaltung gehört werden.

Nach niederländischem Vorbild solle ein “Safety Board” ins Leben gerufen werden – eine Einrichtung, die im Falle von Unglücken mutmaßliche Fehlleistungen von Behörden aufklären soll. Überdies plädierten die Vertreter der Kanzlei dafür, als ersten Schritt beim niederländischen “Safety Board” eine Untersuchung der Loveparade-Katastrophe in Auftrag zu geben.

184 Sitzungstage enden ohne Urteil

Beim Loveparade-Unglück vom 24. Juli 2010 waren 21 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 650 wurden zum Teil schwer verletzt. Das Landgericht Duisburg stellte den Strafprozess Anfang Mai dieses Jahres nach 184 Sitzungstagen ohne Urteil ein, weil das Zusammenwirken mehrerer Ursachen zu den Unglück geführt habe und eine etwaige Schuld der verbliebenen drei Angeklagten nur noch als gering anzusehen sei.

RND/epd