Dienstag , 22. September 2020
Das Oberlandesgericht Hamm hat die Entlassung aus der U-Haft beschlossen. (Symbolbild) Quelle: dpa

Mordangeklagter aus Untersuchungshaft entlassen – weil Verfahren zu lange dauerte

Trotz weiterhin dringenden Tatverdachts ist der Angeklagte im Prozess um den Mord an einer Dortmunder Schülerin vor 27 Jahren aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das Verfahren sei nach der Erkrankung einer Richterin nicht schnell genug fortgesetzt worden.

Dortmund. Der mutmaßliche Mörder einer Dortmunder Schülerin vor rund 27 Jahren ist am Donnerstag überraschend aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Das hat das Oberlandesgericht Hamm entschieden. Nachdem der seit 2018 laufende Mordprozess Anfang des Jahres aufgrund der Erkrankung einer Richterin geplatzt war, hätten die Dortmunder Richter spätestens ab April wieder verhandeln müssen, heißt es in einer Mitteilung. Das sei jedoch nicht geschehen. Dem Beschleunigungsgebot in Haftsachen sei damit „nicht hinreichend Rechnung getragen worden“, so das Oberlandesgericht.

Die Eltern der getöteten Schülerin reagierten entsetzt, als sie von der Haftentlassung erfuhren. „Sie können das überhaupt nicht nachvollziehen“, sagte ihre Anwältin Arabella Pooth. „Sie sind völlig am Boden zerstört.“

Dortmunder Landgericht “bedauert” die Haftentlassung

Das Dortmunder Landgericht „bedauert“ die Haftentlassung. Dort habe man die Möglichkeiten zu einer zügigeren Terminierung vor dem Hintergrund der praktischen Umsetzbarkeit anders bewertet, heißt es in einer Stellungnahme. Der Prozess soll nun am 4. August neu beginnen.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Oktober 1993 eine damals 16-jährige Schülerin in Dortmund verfolgt, überfallen und erwürgt zu haben. An der Leiche hatte die Polizei damals eine Hautschuppe gesichert, die nach einer nachträglichen DNA-Untersuchung 2018 schließlich zur Festnahme des Castrop-Rauxelers geführt hat.

RND/dpa