Donnerstag , 22. Oktober 2020
Der Täter ist auf der Flucht. (Symbolbild) Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Erneute Geiselnahme in der Ukraine: Mann lässt Polizeichef frei und flüchtet

In der Ukraine kommt es am Donnerstag zur zweiten Geiselnahme innerhalb weniger Tage. Der Täter nimmt den lokalen Chef der Kriminalpolizei als Geisel. Dann lässt er ihn wieder frei – und flüchtet.

Poltawa. Bei der zweiten Geiselnahme in der Ukraine binnen weniger Tage hat der Täter den als Geisel genommenen Chef der Kriminalpolizei freigelassen. Der 32-jährige Verdächtige sei jedoch in einen Wald geflüchtet, teilte die Polizei des Gebietes Poltawa am Donnerstag mit.

Der Mann nahm am Morgen den lokalen Chef der Kriminalpolizei als Geisel, nachdem er bei einer Kontrolle dessen Kollegen mit einer Handgranate bedroht hatte. Daraufhin habe der Geiselnehmer ein gefordertes Fluchtauto bekommen und sei mit dem Polizeichef auf Nebenstraßen Richtung Kiew geflüchtet. Poltawa liegt rund 300 Kilometer östlich von der Hauptstadt entfernt.

Menschen bei Geiselnahme in Bus festgehalten

Erst am Dienstag hatte ein schwer bewaffneter Mann die Ukraine in Atem gehalten, als er 13 Menschen stundenlang in einem Bus als Geiseln festhielt. Erst als Präsident Wolodymyr Selenskyj persönlich in dem Fall intervenierte, gab der Mann auf. Es gab keine Verletzten.

In Luzk ordnete der Haftrichter am Donnerstag an, dass der Mann mindestens 60 Tage lang in Untersuchungshaft bleiben müsse. Ihm werden neben der Geiselnahme selbst, der Angriff auf einen Polizisten und illegaler Waffen- und Sprengstoffbesitz vorgeworfen. Der Geheimdienst ermittelt zudem wegen Terrorismus. Bei einer Verurteilung drohen dem 44-Jährigen bis zu 15 Jahren Gefängnis.

Der Fall sorgte zusätzlich für Erstaunen, weil Selenskyj auf die Forderungen des Geiselnehmers eingegangen war und ein kurzes Video auf Facebook veröffentlicht hatte. Darin warb der Staatschef dafür, die US-Dokumentation “Earthlings” über Tierschutz aus dem Jahr 2005 anzuschauen. Deshalb warfen ihm viele vor, so Trittbrettfahrer zu derartigen Taten zu ermutigen.

RND/dpa