Mittwoch , 21. Oktober 2020
Die modellhafte Nachbildung der Justitia in einem Gericht. Quelle: dpa

Sexueller Missbrauch: 60-Jähriger spricht vor Urteil von “echter Liebesbeziehung” zu 15-jähriger Schülerin

Wegen sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen ist ein zweifacher Familienvater zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Der Archäologe aus Potsdam hatte die damals 15-jährige Schülerin bei einem Praktikum kennengelernt. Nach dem Urteil zeigte sich der 60-jährige Täter uneinsichtig.

Potsdam. Bei einem Praktikum lernen sich ein 15-jähriges Mädchen und ein 60-jähriger Archäologe aus Potsdam kennen – und lieben, behauptet der Mann. Die heute 17-Jährige sieht das aber etwas anders als ihr ehemaliger Chef. Sie zeigte ihn wegen sexuellen Missbrauchs an. Der Mann kann sich das nicht erklären, er könne sich nur vorstellen, “dass Lena die schöne, kurze Zeit zwischen uns umbewertet hat – vielleicht durch ihre neue Liebesbeziehung, dass sie glaubte, sich für mich rechtfertigen oder schämen zu müssen”, sagte er im Prozess, berichtet die “Märkische Allgemeine Zeitung” (MAZ). Nun fiel das Urteil.

Doch was war passiert? Nachdem das Mädchen ein Praktikum bei dem promovierten Archäologen, der verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder ist, absolviert hat, arbeitete sie auch in den Ferien bei seiner Grabung. Vor dem Gericht bezeichnet der 60-Jährige das Mädchen als Seelenverwandte. Auch sie gibt zu, dass sie “eine gewisse Bewunderung” für ihn gehegt habe: “Er hatte viel Wissen und hatte erreicht, was ich mir erträumt habe.”

“Wie in einer Schockstarre”

Nach dem Ferienjob hielten die beiden Kontakt. Der Mann half der Schülerin bei Aufgaben, versorgte sie mit entsprechender Literatur. Eines Tages aber, als die Eltern sowie die Geschwister des Mädchens nicht zu Hause waren, hatten die beiden sexuellen Kontakt. Er gibt zu sie entkleidet, gestreichelt und geküsst zu haben. Er habe sie nackt durch die Wohnung getragen und vor dem Spiegel wie eine antike Statue in Pose gestellt und intimst berührt. “Ich habe immer gefragt: Darf ich? Gefällt dir das? Und als darauf kein deutliches Ja mehr kam, habe ich selbstverständlich nicht weitergemacht”.

Fordernd soll er nicht gewesen sein, behauptet der Angeklagte. Doch das sieht die 17-Jährige heute anders: “Ich war wie in einer Schockstarre. Ich wusste nicht, was passiert. Und ich wusste auch nicht, wie ich Nein sagen soll. Wie ich ihn dazu bringen kann zu gehen. Ich war überfordert und wusste nicht, was ich tun soll. Ich war hilflos und habe gedacht: Augen zu und durch, es wird irgendwann aufhören.”

Geldstrafe für Angeklagten

Der 60-Jährige beteuert über den gesamten Prozess, dass es sich um eine “echte Liebesbeziehung” gehandelt habe und sie “total verknallt” waren, berichtet die “MAZ”. Das Gericht war am Ende allerdings anderer Meinung und verurteilte den Mann wegen des sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen zu einer Geldstrafe von 7000 Euro.

RND/nis