Dienstag , 29. September 2020
Diese Aufnahmen zeigen einen 30-jährigen Palästina, wie er an einer Wand eines Krankenhauses hochklettert, um seine Mutter zu sehen. Nach ihrer Leukämie erkrankte sie an Corona - und starb. Quelle: Screenshot AJ+ français/RND Montage Behrens

Sohn klettert jeden Tag Krankenhauswand hoch, um an Corona sterbende Mutter zu sehen

Weil ein Mann aus Palästina seine an Corona sterbende Mutter nicht im Krankenhaus besuchen darf, klettert er hoch bis zum Fenster. Mehrmals am Tag nimmt der 30-Jährige den gefährlichen Weg nach oben auf sich. Bevor die 73-Jährige stirbt, versucht er noch in das Zimmer zu gelangen.

Hebron. Während der Corona-Pandemie war es vielen Menschen nicht erlaubt, ihre Angehörigen im Krankenhaus zu besuchen. So ging es auch Jihad Al-Suwaiti, dessen Mutter erst an Leukämie und dann an Corona erkrankte.

Das wollte der 30-Jährige aus Palästina aber nicht einfach so hinnehmen, denn seine 73-jährige Mutter lag im Sterben. Er überlegte sich, wie er sie trotzdem sehen und ihr in ihren letzten Tagen nah sein kann. Al-Suwaiti beschloss, die Krankenhauswand bis zu dem Fenster der Mutter im zweiten Stock mehrmals am Tag hochzuklettern, berichtet der “Mirror”.

Sicherheitsbedenken ignoriert

“Er verbrachte dort die meiste Zeit seines Tages und beobachtete den Zustand seiner Mutter vom Fenster aus”, erzählt ein Mitarbeiter des Krankenhauses. Erst wenn er sicher gewesen sei, dass sie eingeschlafen sei, kletterte er zurück. Sicherheitsbedenken des Personals des “Hebron State Hospital” ignorierte er.

Als der Zustand der Mutter sich immer weiter verschlechterte, soll er versucht haben, in das Zimmer seiner Mutter zu gelangen. Doch die Mitarbeiter des Krankenhauses verhinderten das. Fünf Tage, nachdem die 73-Jährige zur Behandlung eingeliefert wurde, starb sie.

Enges Mutter-Sohn-Verhältnis

Al-Suwaitis Bruder sagte gegenüber dem “Mirror”: “Als Jihad vom Tod unserer Mutter erfuhr, war er sauer und geschockt. Jetzt scheint es, als habe er es akzeptiert.” Nach dem Tod des Vaters hätten die beiden ein sehr enges Verhältnis gehabt.

RND/nis