Mittwoch , 23. September 2020
Schauspieler Wotan Wilke Möhring hat die drehfreien Monate genutzt, um mehr Zeit mit seinen Kindern zu verbringen. Quelle: picture alliance/dpa

Wotan Wilke Möhring über die Corona-Krise: “Es war eine familiär sehr intensive Zeit”

In der Katastrophen-Serie „Sløborn“ (ZDFneo) geht es um den Ausbruch der fiktiven Taubengrippe. Die Dreharbeiten endeten bereits letztes Jahr, doch es gibt auffällig viele Ähnlichkeiten zum Coronavirus. Im RND-Interview sagt Wotan Wilke Möhring: „Es ist unfassbar erschreckend, dass wir von der Realität eingeholt wurden.“

Die Katastrophenserie “Sløborn” (ZDFneo) spielt auf einer Nordseeinsel, auf der eine gefährliche Seuche ausbricht. Einer der Hauptdarsteller ist Wotan Wilke Möhring (53). Im RND-Interview erzählt der Schauspieler von den erstaunlichen Ähnlichkeiten zum Ausbruch des Coronavirus.

Nach “Parfum” ist “Sløborn” die zweite Serie von Ihnen, die Sie für ZDFneo gedreht haben.

Ursprünglich war die Serie mal fürs ZDF-Montagskino geplant, aber offensichtlich möchte man mit der Serie nun vor allem jüngere Zuschauer ansprechen.

In der Untergangsserie geht es um den Ausbruch der fiktiven Taubengrippe. Man kann sehr viele Parallelen zum Corona-Ausbruch ziehen.

Es ist ja eine Fiktion und keine Dokumentation über eine Stadt in Deutschland. Aber es ist natürlich unfassbar erschreckend, dass wir von der Realität eingeholt wurden. Vor ein paar Wochen haben die Leute noch gesagt, dass das alles hier wie in einem schlechten Film ist. Es ist grotesk. Die Planungen zu der Serie sind zwei Jahre alt. Auch wenn es bei uns um die Taubengrippe geht, sind wir eigentlich weltweit die erste Serie zu dieser Pandemie. Es ist so ein bisschen eine Blaupause dafür, wie es hätte ausgehen können, wenn man die Corona-Maßnahmen nicht so streng durchgesetzt hätte. Ich bin ja mal gespannt, wann sich jemand traut, einen Film nur mit Masken zu machen und das Thema Corona mal aufzugreifen.

Apropos Filmen, wie sehr waren Sie von den Corona-Maßnahmen betroffen?

Wegen Corona hatten wir im März einen Drehabbruch für den Kinofilm “Caveman” in München. Den haben wir jetzt aber zu Ende gedreht – unter geänderten Bedingungen mit Fiebermessen und Abstandsregeln. Man hat ja gerade keine andere Möglichkeiten, sondern muss auf die Fachleute hören und hoffen, dass wieder bessere Zeiten kommen. Ende Juli fangen wir dann mit den Dreharbeiten für einen neuen “Tatort” an. Positiv an der ganzen Corona-Zeit war, dass man sich überlegt, welche Reisen wirklich notwendig sind und dass der gesamte digitale Bereich angeschoben wurde. Das sind zwei der wenigen positiven Begleiterscheinungen.

Haben Sie die Zwangsdrehpause genutzt und haben ein Buch geschrieben oder eine neue Sprache gelernt?

Nein. Im Gegenteil: Mir haben alle leidgetan, die plötzlich als Blogger angefangen haben. (lacht) Ich habe drei tolle Kinder und habe die drehfreie Zeit genossen. Die Natur hat uns mit einer Fülle von Sonne verwöhnt. Es war ein super Frühling. Ich habe zu meinen Kindern gesagt: “Wir haben uns ja alle schon mal gewünscht, die Zeit anzuhalten.” Man will ja auch, dass die Kinder diese außergewöhnliche Zeit nicht nur mit negativen Dingen verbinden. Natürlich muss man auch weiterhin seine Rechnungen bezahlen, und mir fehlte die Leidenschaft des künstlerischen Ausdrückens, aber es war eine familiär sehr intensive Zeit.

Haben Sie eigentlich sofort zugesagt, als Sie in “Sløborn” die Rolle als Tierarzt angeboten bekommen haben? Immerhin haben Sie in der Vergangenheit ja schon oft mit Regisseur Christian Alvart zusammengearbeitet.

Meine Figur ist auf den ersten Blick nicht sehr ambivalent, aber das ändert sich im Laufe der Folgen. Allein schon aus alter Verbundenheit habe ich zugesagt. Außerdem kriegt man ein Projekt aus dem Weltuntergangs-Genre ja auch nicht alle Tage angeboten. Was macht Angst mit Menschen? Wie verhalten sie sich in deren Angesicht. Das konnte man in den letzten Wochen und Monaten gerade sehr gut in der Realität beobachten.

Von Thomas Kielhorn/RND