Donnerstag , 24. September 2020
Rapper Farid Bang steht seit der Echo-Verleihung 2018 (Bild) für antisemitische Songtexte in der Kritik. Nun sorgt ein Video-Dreh des umstrittenen Musikers mit der Stadt Düsseldorf für weitere Schlagzeilen - und bringt OB Geisel in Erklärungsnot.

Werbung mit Farid Bang: Düsseldorfs OB Geisel dreht Video mit Skandal-Rapper

Der Düsseldorfer Rapper Farid Bang soll Jugendlichen in einem Video die Corona-Schutzregeln näherbringen. Oberbürgermeister Thomas Geisel hatte ihn darum gebeten – obwohl der Rapper wegen antisemitischer und frauenfeindlicher Liedtexte in der Kritik steht. Die Toten Hosen erteilten dem OB zuvor eine Absage.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) hat einen Video-Appell des umstrittenen Rappers Farid Bang veröffentlichen lassen, um für die Einhaltung der Corona-Regeln in der Stadt zu werben. Mit der Aktion will das Rathaus Jugendliche dafür sensibilisieren, die geltenden Abstandsregeln einzuhalten. “Benehmt Euch, hört auf, Unfug zu machen” mahnt Bang in der kurzen Aufnahme.

Das Problem bei der Sache: Bang steht unter anderem für gewaltverherrlichende, homophobe und frauenfeindliche Songtexte in der Kritik. Seit der Echo-Verleihung 2018 sieht sich der Musiker zudem mit Antisemitismus-Vorwürfen konfrontiert. Im Song “0815” rappt der 34-Jährige beispielhaft davon, sein Körper sei “definierter als von Auschwitz-Insassen”. Die Liedzeile sorgte damals für einen handfesten Skandal, in dessen Folge der Musikpreis abgeschafft wurde.

Geisel begeistert von Bangs Beteiligung

Oberbürgermeister Geisel schien das zunächst jedoch nicht zu stören. Der 58-jährige SPD-Politiker zeigte sich regelrecht begeistert von Bangs Engagement für die Stadt. Laut “Rheinischer Post“ soll Geisel den Clip vor einigen Tagen mit den Worten angekündigt haben: “Ich bin ihm super dankbar, dass er das Video gemacht hat”. Farid Bang sei ein “wilder Junge, er hat das Herz aber auf dem rechten Fleck”. Ursprünglich war sogar die Veröffentlichung eines gemeinsamen Videos geplant, die aufgrund scharfer öffentlicher Kritik an der Aktion wieder abgeblasen wurde.

Empörung unter anderen OB-Kandidaten

Mit dem Videodreh mitten im Oberbürgermeister-Wahlkampf sorgt Geisel auch bei seinen Konkurrenten für Unmut. Stephan Keller, OB-Kandidat der CDU, äußerte sich am Dienstag zu den Plänen der Stadt. “Es ist mir völlig unverständlich, wie man sich mit jemandem verbünden kann, der bundesweit bekannt ist für antisemitische Provokationen und gewaltverherrlichende und frauenverachtende Texte und Einstellungen.”

Auch der grüne Spitzenkandidat Stefan Engstfeld schrieb bei Twitter, Bang habe “sich mehr als einmal und nicht nur in Songtexten frauenfeindlich, antisemitisch und gewaltverherrlichend gezeigt. Dass so jemand bei der Stadt Düsseldorf eine Plattform erhält, sich noch bekannter zu machen, ist beschämend.”

Jugendliche anders nicht zu erreichen

Stadtsprecher Marc Herriger begründet die Initiative gegenüber der RP damit, die Jugendlichen seien anders vielfach nicht zu erreichen. Konkret gehe es um junge Menschen, die nachts in der Altstadt am beliebten Rheinufer die Corona-Regeln nicht einhielten, Anweisungen der Ordnungsdienste nicht befolgten, in Poser-Szenen die Automotoren aufheulen ließen und sogar ihre Notdurft auf der Straße verrichteten.

In einem Vorgespräch mit den Verantwortlichen habe sich der Musiker offen und selbstkritisch gezeigt und gesagt, er würde die umstrittene Textzeile am liebsten ungeschehen machen. Er sei nach Auschwitz gefahren, um sich mit dem Schicksal der Juden und dem KZ auseinanderzusetzen.

Auch die Meinung der Jüdischen Gemeinde habe die Stadtspitze Herriger zufolge eingeholt, die nichts gegen das Video gehabt habe. “Es gab von Seite der Gemeinde zumindest uns gegenüber keine Einwände”, betont Herriger.

Die Toten Hosen sagten Videodreh ab

Besonders brisant: Nach RP-Informationen hatte die Stadt zuvor noch versucht, die Toten Hosen für den Videodreh zu gewinnen – jedoch ohne Erfolg. Deren Sänger, das Düsseldorfer Urgestein Campino war es auch, der 2018 bei der Echo-Verleihung eine Wutrede gegen Bang und seinen Rapper-Kollegen Kollegah gehalten hatte und seinen Preis als erster zurückgab. Andere Künstler wie der Düsseldorfer Marius Müller-Westernhagen folgten seinem Beispiel, woraufhin der Musikpreis abgeschafft wurde.

Wegen des Straftatbestands der Volksverhetzung ermittelte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf Anfang 2018 gegen Bang und Kollegah. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien setzte das Album daraufhin auf den Index.

mit dpa

Von Maximilian Arnhold/RND