Donnerstag , 22. Oktober 2020
Damian Hardung ist ein gefragter Schauspieler. Quelle: picture alliance / ZB

“How to Sell Drugs Online (Fast)”-Star Damian Hardung: “Hätte Lust, mal was Abgefucktes zu spielen”

Am Dienstag lief die zweite Staffel von “How to Sell Drugs Online (Fast)” auf Netflix an. Im RND-Interview spricht Damian Hardung über Geheimnisse am Set, sein Medizinstudium und seine Rollenwahl. “Natürlich hätte ich auch Lust, mal was Abgefucktes zu spielen”, sagt Hardung.

Wichtigste Frage zuerst: Ist “How to Sell Drugs Online (Fast)” eine drogenverherrlichende Serie?

Das ist eine berechtigte Frage. Wir erzählen zwar von Drogen, aber wir erzählen auch, was damit alles passieren kann. Ich möchte nicht sagen, dass wir das Thema dokumentarisch behandeln, aber es zeigt doch viele Facetten dieser Drogenwelt. Die Entscheidung bleibt beim Konsumenten, auch wenn das natürlich nicht immer klappt. Deswegen ist es notwendig, dass es etwa das Betäubungsmittelgesetz gibt, das den generellen Umgang mit Drogen regelt. Ich glaube, nur mit der Verantwortung auf den Endkonsumenten abwälzen würden wir es uns als Gesellschaft ein bisschen zu leicht machen.

Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie froh waren Sie, dass Sie sich nicht für die zweite Staffel die Haare abrasieren mussten, sondern Ihr Schauspielkollege Maximilian Mundt?

(lacht) Ich habe mir die Haare ja für den “Club der roten Bänder” abrasiert. Wenn ich jetzt noch mal eine Rolle angeboten bekommen würde, für die ich meine Haare abrasieren müsste, würde ich sagen: “Na klar, bin ich dabei.” Ich war fast ein bisschen neidisch auf Max.

Hat er sich vor dem Abrasieren Tipps von Ihnen geholt?

Ich hab Ihm verraten, wie rum man den Rasierer hält. Da gibt man sich gegenseitig natürlich Tipps. Unter Kollegen, versteht sich. Das Interessante ist aber, dass es dieses Mal eine komplett andere Situation ist. Beim “Club der roten Bänder” war es damals bei meiner Rolle Jonas so, dass er sein Schicksal in die eigene Hand nimmt und sagt: “Ich bin stärker als der Krebs!” Bei Max ist es so, dass sich das seine Figur nur vorstellt, er sich aber trotzdem für diese zehn Sekunden die Haare abrasiert hat.

Können Sie irgendein Geheimnis über Maximilian Mundt verraten?

Er ist immer wahnsinnig gut vorbereitet, weil er sich in seine Rolle so reinsteigert. Er würde niemals am Abend vorm Dreh noch saufen gehen. Ich glaube, er geht an Drehtagen mit dem Sandmann ins Bett. Dafür ist er am nächsten Tag dann auch ausgeschlafen. Das ist echt beeindruckend. (lacht)

Leiden Sie eigentlich sehr darunter, dass Sie gern mal als der Schönling besetzt werden, der nicht unbedingt der Hellste ist?

Ich lasse mich in diese Rolle einfach nicht reindrängen. Ich habe so eine ähnliche Rolle erst einmal im Film “Das schönste Mädchen der Welt” gespielt. Ansonsten habe ich nicht das Gefühl, dass sich meine Rollen sehr ähneln. In den Serien “Der Name der Rose” und “Club der roten Bänder” habe ich bewusste, reflektierte Charaktere gespielt. Natürlich hätte ich auch Lust, mal was Abgefucktes zu spielen, aber um realistisch zu sein: Momentan sehe ich halt eher aus wie ein blonder Bubi, der locker noch einen Siebzehnjährigen spielen kann. Die anderen Rollen hebe ich mir dann für die Zeit auf, wenn ich in fünf Jahren etwas verbrauchter aussehe. (lacht)

Es kann ja auch ein Vorteil sein, wenn man für einen bestimmten Typ Schauspieler steht.

Mechthild Holter von der Schauspielagentur Players hat mal in einem Podcast gesagt, dass sich deutsche Schauspieler immer wieder neu erfinden wollen. Aber in allen anderen Berufen spezialisieren sich Leute und werden in einer ganz bestimmten Sache gut. Nur deutsche Schauspieler wollen immer alles können. Dabei könnte man doch froh sein, wenn man eine Sache gut kann, und dann macht man die richtig gut und wird darin der Beste. Das muss man manchmal auch im Hinterkopf haben, dass das auch eine Möglichkeit ist.

Das offizielle Werbeplakat zu “How to Sell Drugs …” sieht ein bisschen aus wie für eine andere Netflix-Serie namens “Stranger Things”.

Ich finde, es ist das geilste Plakat von allen Projekten, bei denen ich schon mitgemacht habe. Es hat tatsächlich der Künstler entworfen, der auch das “Stranger Things”-Plakat gemacht hat.

Wie sieht es eigentlich mit einer dritten Staffel aus?

Das hängt davon ab, wie die Leute die Serie gucken, aber ich bin da sehr positiv gestimmt, weil ich die zweite Staffel deutlich geiler als die erste finde.

Sie haben bis Ende Dezember gedreht und sind danach für einen Schauspielkurs nach Los Angeles geflogen. Haben Sie da auch den Shutdown erlebt?

Nein, ich bin nach Los Angeles noch mit ein paar Freunden nach Sri Lanka. Da bin ich dann noch mit dem letzten Flieger zurück nach Deutschland gekommen. Unser eigentlicher Flug wurde gecancelt, und wir mussten im Oman zwischenlanden. Da waren am Flughafen alle in Duty-Free-Sale-Action. Ich bin dann gefragt worden, ob ich einem mal kurz mein Flugticket ausleihen kann, damit er sich Zigaretten kaufen kann. Das habe ich dann gemacht und als Dank Datteln von ihm geschenkt bekommen. (lacht)

Neben der Schauspielerei studieren Sie auch Humanmedizin in Köln. Möchten Sie später denn mal Arzt werden?

Ich möchte es erst mal studieren. Mal sehen, was ich danach damit anfange. Das Studium macht unglaublich viel Spaß. Christiane Paul hat ja auch Medizin studiert und ist dann beim Schauspiel geblieben.

Von Thomas Kielhorn/RND