Dienstag , 29. September 2020
Amber Heard verlässt nach einer Anhörung im Verleumdungsprozess ihres Ex-Ehemannes, dem US-Schauspieler Depp, gegen den Verlag der Boulevardzeitung "The Sun", den Obersten Gerichtshof. Quelle: Aaron Chown/PA Wire/dpa

Amber Heard: Habe Verletzungen nicht vorgetäuscht

Eine Anwältin von Johnny Depp versucht mit Videoaufnahmen zu zeigen, dass seine Ex-Frau Amber Heard nicht wirklich Verletzungen gehabt habe, die ihr der Schauspieler zugefügt haben soll. Heard bestreitet unterdessen, außereheliche Affären gehabt zu haben.

London. Die US-Schauspielerin Amber Heard hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe angeblich von ihrem Ex-Mann Johnny Depp zugefügte Verletzungen vorgetäuscht. Um die Anschuldigungen ging es am Dienstag am zweiten Tag ihrer Zeugenaussage vor dem High Court in London. Im Publikum saß Depp.

Heard machte ihre Aussage in Depps Verleumdungsprozess gegen die britische Boulevardzeitung „The Sun“. Diese hat Depp in einem Artikel vorgeworfen, seine Ex-Frau während der Beziehung misshandelt zu haben. Der 57-Jährige bestreitet das und hat den Verlag hinter der Zeitung verklagt. Das einstige Hollywood-Paar ist seit 2017 geschieden.

Depps Anwältin Eleanor Laws wollte mit Videoaufnahmen aus einem Aufzug in einem Wohngebäude der Schauspieler zeigen, dass Heard Verletzungen von einem angeblichen Vorfall vom 21. Mai 2016 vorgetäuscht habe. Heard warf Depp vor, ein Telefon nach ihr geworfen zu haben. Dieses habe sie an der rechten Wange und am rechten Auge getroffen. Laws stellte es als fragwürdig dar, dass andere Bewohner des Gebäudes in den Tagen nach dem angeblichen Zwischenfall keine Verletzungen bei Heard bemerkt hätten.

“Natürlich hatte ich eine Verletzung”

Heard bestritt, die Angelegenheit erfunden zu haben. Make-up, das sie beim Verlassen des Zuhauses trage, könnte eine Verletzung verborgen haben. „Natürlich hatte ich eine Verletzung“, sagte Heard.

Die Schauspielerin bestritt auch, außereheliche Affären mit Tesla-Chef Elon Musk und Schauspieler James Franco geführt zu haben. „Nicht, dass das von großer Bedeutung wäre“, sagte Heard.

Laws versuchte außerdem mittels Videoaufzeichnungen zu belegen, dass die Darstellerin zugegeben habe, gewalttätig gegenüber Depp geworden zu sein. Heard erklärte, in den Auseinandersetzungen habe es sich beim Körperkontakt von ihr aus lediglich um Selbstverteidigung gehandelt. Ihr Job sei gewesen, „mich zu entschuldigen und ihn auf die richtige Bahn zu holen“, sagte Heard. Die 34-Jährige hatte Depp am Montag vorgeworfen, sie sowohl körperlich als auch verbal misshandelt zu haben.

Heard berichtete von Schlägen, Ohrfeigen, Tritten, Kopfstößen und Würgen

In einer schriftlichen Aussage gab sie an, während ihrer Beziehung Opfer von „Schlägen, Ohrfeigen, Tritten, Kopfstößen und Würgen“ geworden zu sein. Manchmal habe sie Angst gehabt, Depp würde sie töten.

Heards Zeugenaussage wird voraussichtlich bis Donnerstag fortgesetzt. Im ersten Teil des Prozesses hatten Depp und mehrere derzeitige und frühere Angestellte ausgesagt. Diese hatten sich auf seine Seite gestellt.

RND/AP