Montag , 21. September 2020
Die Angeklagte betritt in Begleitung eines Polizisten einen Gerichtssaal im Augsburger Strafjustizzentrum. Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Baby zum Sterben auf Wiese ausgesetzt: Sechs Jahre Haft für Mutter

Eine 32-Jährige hat ihr Neugeborenes auf einer Wiese zum Sterben ausgesetzt. Jetzt wurde sie wegen versuchten Totschlags zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der geistig zurückgebliebenen Frau wurde eine eingeschränkte Schuldfähigkeit bescheinigt.

Augsburg. Wegen versuchten Totschlags an ihrem neugeborenen Baby ist eine 32 Jahre alte Mutter vom Landgericht Augsburg zu einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Die geistig zurückgebliebene Frau hatte zugegeben, ihren Sohn nach der Entbindung in ihrem Elternhaus im Juli 2019 nachts unversorgt auf einer nahen Wiese in Blindheim nordwestlich von Augsburg ausgesetzt zu haben. Dort fand ein Anwohner den wimmernden Jungen nach 34 Stunden in einem lebensbedrohlichen Zustand. Der Säugling wurde drei Wochen intensivmedizinisch behandelt, um sein Leben zu retten.

Die Vorsitzende Richterin machte am Dienstag beim Urteil klar, dass die Angeklagte ihren Sohn auf alle Fälle habe umbringen wollen. Vor dem Aussetzen habe sie noch mit einer Schere auf den Kopf des Neugeborenen eingestochen.

Eingeschränkte Schuldfähigkeit bescheinigt

Die Strafkammer folgte mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Wegen einer vom psychiatrischen Gutachter bescheinigten eingeschränkten Schuldfähigkeit wegen ihrer geistigen Entwicklung bekam die Frau keine höhere Strafe. Die Verteidigerin hatte eine höchstens dreijährige Haftstrafe verlangt und will nun mit der 32-Jährigen besprechen, ob diese das Urteil annimmt.

RND/dpa